Im Wohnzimmer stinkt es immer noch nach Kloake

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Sieben Anlieger der Friedrichstraße verweigern die Sanierung ihres privaten Abwasserkanals, seit zwei Jahren geraten Fäkalien ins Grundwasser.

Werdohl - Im September wird die Stadt den maroden Kanal in der Friedrichstraße sanieren und danach die Anlieger der geraden Hausnummern dazu zwingen, an diesen Kanal anzuschließen. Wenn das zum Jahresende geschehen ist, sollte der zweijährige Leidensweg von Nadja Abd El Gawad endlich beendet sein. In ihr Wohnzimmer steigen immer noch die üblen Fäkalien-Gerüche aus dem defekten Privatkanal von sieben Anliegern der Friedrichstraße, der direkt neben ihrem Haus verläuft.

Nadja Abd El Gawad muss ohne eigenes Verschulden eine Menge aushalten – seit mittlerweile zwei langen Jahren stinkt es in ihrem Wohnzimmer aufdringlich nach Fäkalien. Bei den starken Regenfällen der vergangenen Tage ist es wieder ganz besonders schlimm. Direkt an ihr Haus angrenzend verläuft – wie berichtet – ein defekter privater Abwasserkanal.

Der drückt durch das Grundwasser die Fäkalien in den Keller unter dem Wohnzimmer. Der Kanal verläuft durch weitere private Grundstücke an der Schützenstraße, die dortigen Anlieger wie auch Abd El Gawad selbst entwässern allesamt in einen städtischen Kanal.

„Langsam verliere auch ich meine Geduld. Ich frage mich, wofür wir regelmäßig Abwassergebühren an die Stadt Werdohl leisten, wenn das Abwasser auch durch das Erdreich fließen darf?“ ist Nadja Abd El Gawad empört. Ganz offensichtlich laufen seit Jahren Fäkalien direkt ins Grundwasser. Aber auch dieser Umstand scheint der Stadt Werdohl kein Packende geboten zu haben, diesen Missstand ganz unverzüglich abzustellen. Untätigkeit ist der Stadt und dem Sondervermögen Abwasser in keiner Weise vorzuwerfen. Das Problem ist von Beginn an bekannt, seit knapp zwei Jahren wirkt die Stadt auf die sieben Anlieger der Friedrichstraße ein.

Schon Anfang 2016 wurde ihnen angedroht, entweder ihren privaten Kanal zu sanieren oder sich an den Kanal in der Friedrichstraße anzuschließen. Nach anfänglichen Zusagen einzelner Anlieger kippte die Situation aber wieder. Getroffene Vereinbarungen wurden über den Haufen geworfen. Schon vor eineinhalb Jahren zeigte Fachbereichsleiter Schroeder kein Verständnis vor dem Gebaren der Anlieger, die einfach nicht ihrer Verpflichtung nachkommen wollen: „Mich ärgert persönlich, dass hier unser guter Wille bestraft wurde.“

Kurz bevor die Stadt aber die Zwangsanschlussbescheide verschicken wollte, stellte sich heraus, dass der Kanal in der Friedrichstraße ebenfalls marode ist. Die Finanzierung einer solchen außerplanmäßigen Kanalerneuerung scheint schwierig zu sein und vor allem eine Menge Zeit zu kosten. Erst im September könne mit den Arbeiten begonnen werden. Danach müssten die Anlieger zum – kostenpflichtigen Anschluss – gebracht werden. Ob sie das schnell tun oder noch möglichst lange in ihren kaputten privaten Kanal entwässern kann niemand sagen.

Bevor Zwangsmaßnahmen eingeleitet werden können, wird noch mehr Zeit vergehen. In der Zeit wird es weiter stinken im Haus von Nadja Abd El Gawad. Immerhin hat ihr die Stadt aus Entgegenkommen ein regelmäßiges Spülen des defekten Kanals angeboten. Doch das scheint nichts zu bringen. Die Mitarbeiter hätten ihr erklärt, dass das Rohr bei jedem Spülgang nur noch instabiler würde. Abd El Gawad: „Dass aber die ganze Suppe in meinen Keller läuft, stört außer mir wohl niemanden.“

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