Shoppen mit dem „Perso“

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Natascha Gröne, Mitarbeiterin des Einwohnermeldeamtes, zeigt den Fingerscanner, mit dem der Fingerabdruck für den neuen Personalausweis gespeichert werden kann. ▪

WERDOHL ▪ Er hat die Größe einer Bankkarte und kann auch auf eine ähnliche Weise genutzt werden. Der neue Personalausweis ist ein „Alleskönner“. Seit dem 1. November 2010 gibt es das Dokument und 1526 Werdohler haben den neuen Ausweis bis jetzt in der Tasche. 469 Bürger ließen auch freiwillig die Abdrücke der beiden Zeigefinger auf ihrem Ausweis ablegen. An den technischen Funktionen des Ausweises in Scheckkartenformat sind vor allem Jugendliche interessiert, hat Natascha Gröne vom Einwohnermeldeamt der Stadt festgestellt.

Behördengänge über das Internet, Online-Einkäufe, Bankgeschäfte, Versicherungsabschlüsse – die Möglichkeiten, die der neue Personalausweis bietet, sind vielfältig. Vorausgesetzt, man möchte sie nutzen. Während sich viele Werdohler, darunter vor allem jüngere, aufgeschlossen für das Service-Angebot zeigten, beurteilte ein großer Teil die Einführung auch mit Skepsis. Die Erfahrungen, die Natascha Gröne und ihre Kollegen im Einwohnermeldeamt machten, sind daher gemischt. „Viele sind auch unsicher und fragen sich, wie sicher die Anwendungsmöglichkeiten sind“, berichtet Natascha Gröne. „Viele ältere Menschen haben ja zum Beispiel auch kein Internet. Die möchten dann natürlich auch ihren Ausweis nur als Sichtausweis nutzen.“ Insgesamt sei der Ansturm aber größer als erwartet gewesen.

Bevor der neue „Perso“ eingeführt wurde, beantragte in Werdohl aber auch noch eine Reihe von Bürgern den alten Ausweis. „Manche haben sich im November dann auch geärgert, dass sie die Möglichkeit verpasst haben, den alten Ausweis bekommen zu können.“ Dabei spielen vielleicht auch die Kosten eine Rolle. Denn die „technische Vielfalt“ hat ihren Preis. Mit 28,80 Euro ist der Ausweis rund 20 Euro teurer als sein Vorgänger. Bei über 24-Jährigen ist er zehn Jahre gültig. Ist der Ausweis-Inhaber jünger, läuft die Frist nach sechs Jahren ab. Dafür ist er dann mit 22,80 Euro auch etwas günstiger.

Ihren ersten Ausweis beantragen Jugendliche in der Regel mit 16 Jahren. Dann sind sie dazu auch gesetzlich verpflichtet. Jüngere können aber ebenfalls einen Ausweis beantragen – dann allerdings nur mit der Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.

Wer seinen Fingerabdruck im Ausweis „verewigen“ möchte, muss dies bereits bei der Beantragung angeben. Ob die elektronischen Identifikationsfunktionen (eID) freigeschaltet werden sollen, muss dann bei der Abholung entschieden werden. Wird das nachträglich gemacht, ist dafür eine Gebühr von sechs Euro fällig.

Ein Mikrochip im Ausweis bietet die technischen Voraussetzungen für die eID-Möglichkeiten. Wie viele Werdohler letztendlich die Möglichkeit des „Sich-online-Ausweisen“ tatsächlich nutzen, ist nicht nachvollziehbar. Derzeit sind die Einsatzmöglichkeiten der eID-Funktionen vor allem im Bereich der Online-Shopping-Anbieter, Banken und Versicherungen gegeben. Aber auch immer mehr Behörden planen den Ausbau der Online-Dienste. Autofahrer können beim Kraftfahrt-Bundesamt zum Beispiel ihren Punktestand abfragen und Eltern bekommen bei der Arbeitsagentur Informationen zum Kindergeld. ▪ Simone Benninghaus

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