Gericht verhängt 2 Jahre Haft

Sexuelle Übergriffe eines Werdohlers auf Schlafende

WERDOHL - Wer an seinem Partner im Schlaf, also möglicherweise gegen dessen Willen, sexuelle Handlungen vollzieht, riskiert hohe Strafen. Diese Einsicht bezahlte jetzt ein 28-jähriger Werdohler mit einer zweijährigen Haftstrafe, die das Schöffengericht um Richter Dirk Reckschmidt allerdings auf Bewährung aussetzte.

Von Thomas Krumm

Die Geschichte begann in einer Plettenberger Firma, wo sich der Angeklagte und die 25-jährige Hauptbelastungszeugin kennen- und liebenlernten. Im Februar 2012 kam es zum ersten „Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person“: Während sie tief und fest schlief, drang der Angeklagte anal in seine Freundin ein, die davon aufwachte und ihm eine Szene machte.

„So tief kann man gar nicht schlafen“, behauptete der Angeklagte vor Gericht. „Ich bin davon ausgegangen, dass sie das mitkriegt.“ Normalerweise sei seine Freundin bei einem solchen Liebesspiel sofort wach geworden. Für seine Partnerin sei diese Sexualpraxis auch nichts Neues gewesen – mehrfach sei es einvernehmlich zu dieser Form des sexuellen Kontakts gekommen. Noch zweimal kam es zu nächtlichen Übergriffen auf die Schlafende, bevor diese Anzeige gegen ihren Freund erstattete und die Beziehung endgültig beendete.

Im Gerichtssaal präsentierte sich die Zeugin stark mitgenommen. Im Gegensatz zu den Behauptungen des Angeklagten habe sie sich schon beim ersten Mal klar positioniert und ihrem Freund klar gemacht, dass sie so etwas nicht wolle und er sich „verpissen“ solle. Er wisse selber nicht, warum er so etwas mache, gab sie seine Antwort auf eine drängende Frage wieder.

Weil die Zeugin nur noch unter Tränen aussagen konnte, zog sich der Angeklagte in einer Verhandlungspause mit seinem Verteidiger Dominik Petereit zurück und verzichtete fortan darauf, dem Anklagevorwurf entgegenzutreten. Er räumte also ein, dass er irrtümlich davon ausgegangen sein könnte, dass seine Partnerin nicht mehr schlief. Im Umkehrschluss war aber festzustellen, dass der Angeklagte nicht sichergestellt hatte, dass er den Beischlaf nicht mit einer widerstandsunfähigen Person vollzog.

„Man sollte vorher doch mal fragen“, bemerkte Richter Dirk Reckschmidt und redete dem zuvor völlig unbescholtenen Angeklagten ins Gewissen: „Ihnen war bewusst, dass Sie vorher nicht gefragt haben.“ Wegen des Geständnisses und der Beziehung der beiden Kontrahenten gingen sowohl die Staatsanwältin als auch das Gericht von einem minderschweren Fall aus.

Der Strafrahmen für den sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen, der zwischen zwei und 15 Jahren liegt, hätte den 28-Jährigen ansonsten auf jeden Fall ins Gefängnis gebracht – ohne die Chance auf eine Bewährung.

Durch die Einstufung als minderschwerer Fall begann der Strafrahmen pro Tat bei einem Jahr, was für die drei angeklagten Taten letztlich das Strafmaß von zwei Jahren auf Bewährung ergab.

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