Ernüchternde Bilanz

Service-Portal der Stadt bislang kaum genutzt

Über das Serviceportal der Stadt Werdohl im Internet können Bürger unter anderem defekte Straßenbeleuchtung melden, aber auch kostenpflichtige Dienstleistungen wie Urkundenanforderungen in Anspruch nehmen.
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Über das Serviceportal der Stadt Werdohl im Internet können Bürger unter anderem defekte Straßenbeleuchtung melden, aber auch kostenpflichtige Dienstleistungen wie Urkundenanforderungen in Anspruch nehmen.

Seit knapp einem halben Jahr bietet die Stadt Werdohl Teile des Bürgerservices auch digital an. Ein Internetportal, das Produkt der Zusammenarbeit mehrerer Kommunen im Märkischen Kreises ist, wurde hierfür im Herbst 2020 freigeschaltet.

Es soll den Werdohlern Besuche im Rathaus ersparen. Eine erste Zwischenbilanz fällt jedoch recht ernüchternd aus.

Durch die Corona-Pandemie erleben diverse Online-Angebote schon seit längerer Zeit einen regelrechten Boom. Das Werdohler Angebot wurde seit der Öffnung der Plattform allerdings erst von 62 Nutzern wahrgenommen, wie Reinhardt Haarmann, Leiter der Abteilung Schule, Kultur, Sport und Service, auf Anfrage mitteilte.

Online-Boom hat Werdohl noch nicht erreicht

Auch wenn der Online-Boom Werdohl also noch nicht erreicht hat, ist Haarmann dennoch zufrieden mit der Zahl der Nutzer. „Denn wir bieten einige unserer Online-Dienstleistungen nicht direkt über das Portal an“, erklärt er. „Zum Beispiel die Terminvergabe für das Bürgerbüro.“ Dafür gibt es ein separates Formular, das auf der Homepage der Stadt verfügbar ist. Die Online-Terminvergabe werde „sehr gut angenommen“. „Hierdurch werden Wartezeiten für die Besucher vermieden“, berichtet Haarmann. Weil die Terminvergabe separat zum Portal läuft, werden die Nutzer in der Statistik nicht berücksichtigt. Dasselbe gilt für Sperrmüllanmeldungen: „Für die Anmeldungen verlinken wir auf ein Online-Formular des Zweckverbandes für Abfallbeseitigung.“ Demnach tauchen auch diese Nutzungszahlen nicht in der Statistik auf, es handelt sich um eine externe Adresse.

Online-Bürgerservice: Sechs Kategorien für Werdohl zur Auswahl

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern kleinerer Kommunen im Märkischen Kreis, hat bereits im Herbst 2019 erste Überlegungen angestellt, wie man den Online-Bürgerservice verbessern könnte. „Unser Ziel war, dass ein einheitliches Portal entwickelt wird“, beschreibt Mechthild Hücker, EDV-Fachfrau bei der Stadt Werdohl, das Vorgehen der Arbeitsgruppe. Die Einrichtung des Portals habe der kommunale Zweckverband Südwestfalen-IT übernommen. Mit Blick auf den Wiedererkennungswert sollte das Logo der fertigen Software einheitlich sein. „Nur bei der farblichen Gestaltung kann jede Kommune frei entscheiden“, so Hücker. In Werdohl hat das Handy, das Hauptbestandteil des Logos ist, die Grundfarbe grün. Der bekannte Schriftzug der Stadt Werdohl ist ebenfalls eingefügt. Wer auf der Stadt-Homepage (www.werdohl.de) gleich auf der Startseite auf den Button „Serviceportal“ klickt, dann noch einmal auf den Reiter „Serviceübersicht“, hat die sechs Kategorien des Online-Services zur Auswahl. Daran hat sich in den vergangenen Monaten nichts geändert. Da einige der Serviceangebote – unter anderem die Anforderung von Urkunden – kostenpflichtig sind, haben Nutzer die Möglichkeit, sich gleich nach dem Klick auf das Serviceportal-Logo beim Servicekonto.NRW zu registrieren, beziehungsweise sich nach der Registrierung jeweils mit einem Passwort anzumelden.

Unter Berücksichtigung dieser Umstände schätzt Haarmann die 62 Nutzer „nicht als so wenig“ ein. „Ich denke schon, dass unser Online-Portal ein Erfolg ist“, sagt er. Am häufigsten werde die Möglichkeit genutzt, der Stadtverwaltung defekte Laternen zu melden. Bei 22 der 62 Anfragen ging es um das Thema Straßenbeleuchtung. Dafür müssen sich die Werdohler kein Nutzerkonto angelegen. Genauso wenig für allgemeine Anfragen an die städtischen Mitarbeiter, für die das Serviceportal ebenfalls vermehrt genutzt wird. Insgesamt 16 Vorgänge gab es, bei denen Bürger online Fragen stellten, sich beschwerten, oder Anregungen gaben. Acht Personen nahmen den Online-Anhörungsbogen für Ordnungswidrigkeiten-Verfahren in Anspruch. Darüber hinaus gab es auch Nutzer, die kostenpflichtige Dienstleistungen wie Urkundenanforderungen (8), Melderegisterauskünfte (2) oder Meldebescheinigungen (6) nutzten. Für diese Dienstleistungen ist eine Anmeldung notwendig. 45 Werdohler registrierten sich in den vergangenen Monaten.

Registrierung nimmt Zeit in Anspruch

Allgemein würden die online angebotenen Serviceleistungen von den Werdohlern zunehmend in Anspruch genommen, berichtet Haarmann, obwohl teilweise die Registrierung erforderlich ist, die ein wenig Zeit in Anspruch nimmt.

Haarmann sieht für das Serviceportal noch viel Potenzial: Die Funktionen können weiter ausgebaut werden. Dass dies geschehen soll, kündigten die damalige Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) sowie die städtische EDV-Expertin Mechthild Hücker schon beim Start des Programms im Herbst an. „Das Portfolio ist noch nicht so groß“, beschreibt Haarmann. Erweiterungen würden den Wert für die Bürger noch steigern. Damit befassen sich weiterhin die Vertreter der Kommunen in der zuständigen Arbeitsgruppe. Außerdem „muss sich das Angebot wohl noch einmal herumsprechen“, vermutet Haarmann. Er geht nicht davon aus, dass die digitalen Möglichkeiten schon hinlänglich bekannt sind.

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