Wolfram Dorn überlässt Werdohl seine Orden

Wolfram Dorn mit Rainer Gumz von der Stadt Werdohl und Klaudia Zubkowski, Leiterin der Stadtbücherei.

WERDOHL ▪ Der gebürtige Werdohler Wolfram Dorn hat in seinen 88 Lebensjahren, vor allem in seiner Zeit als Politiker, so einiges erlebt. Für seine Verdienste hat er zahlreiche Orden und Ehrungen erhalten. Diese will er in einem feierlichen Rahmen der Stadt Werdohl am 13. September zukommen lassen.

Dorn ist es ein Anliegen, dass diese Veranstaltung an einem Ort stattfindet, an dem sich auch viele interessierte Menschen aus der Stadt einfinden können. Deswegen besichtigte er gestern mit Rainer Gumz von der Stadt Werdohl und Leiterin Klaudia Zubkowski die Stadtbücherei. Schnell war eine Stelle gefunden, an der er seine Orden angemessen präsentieren kann. Außerdem soll ein Büchertisch aufgestellt werden, an dem er vor allem seine beiden Werke „Orden, Urkunden, Ehrungen“ und seine Autobiographie „Erlebtes Leben“ anbieten möchte.

Wolfram Dorn wurde 1924 in Altena geboren, zog aber bereits ein Jahr später nach Werdohl, wo er seine Kindheit und seine Jugend verlebte. Nach seiner Entlassung aus der britischen Gefangenschaft, in die er als Soldat im Zweiten Weltkrieg geraten war, kehrte er 1946 nach Werdohl zurück. Den Gefangenen wurden demokratische Grundlagen vermittelt und Dorn begann sich für Politik zu interessieren. Er besuchte zunächst Versammlungen aller Parteien und trat 1948 in die FDP ein. Nachdem er von 1953 bis 1954 Bürgermeister in Werdohl war, wurde er auch im Landtag tätig.

Seine politische Karriere ist geprägt von Begegnungen mit Spitzenpolitikern verschiedener Länder. Von zwei besonders bewegenden Episoden berichtet Dorn mit brüchiger Stimme an diesem Tag.

In den 60ern bereiste er mit Dr. Martin Luther King und Robert Kennedy die USA, in denen es damals heftige Auseinandersetzungen zwischen der dunkelhäutigen und der weißen Bevölkerung gab. Dorn wurde Augenzeuge eines gewalttätigen Übergriffs des Ku-Klux-Klans, einer rassistischen Gruppierung, auf 4000 dunkelhäutige Demonstranten. 2 000 Menschen kamen dabei um.

Eine andere Begebenheit rührt den engagierten Politiker auch bis heute zutiefst: In Japan wurde sein Gesetzentwurf zur Modernisierung und Sicherheit vor Kriminalität zum Teil übernommen und er hielt unter anderem Vorlesungen in Kyoto und Hiroshima. Die Universität in Hiroshima wollte ihm für seine Verdienste für das Land die Ehrendoktorwürde verleihen. Als Dorn das ablehnte, schlugen mehrere hochrangige Politiker dem Kaiser Japans vor, den Deutschen auf besondere Art und Weise zu ehren. So bekam er die goldene Ehrennadel zur Ehrenmitgliedschaft des japanischen Parlaments überreicht – laut Dorn ist er der einzige Ausländer, dem diese besondere Wertschätzung zuteil wurde.

Und diese Ehrennadel ist nur eine von vielen Auszeichnungen und Orden, die der 88-Jährige jetzt der Stadt Werdohl übergeben möchte. Mit dabei wird auch das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern sein, dass nur an drei andere Menschen in Nordrhein-Westfalen verliehen wurde, so Dorn. „Ich möchte nicht, dass diese wertvollen Orden einmal in meinem Nachlass untergehen“, erklärt der mittlerweile in Halver lebende Mann.

In dem Buch „Orden, Urkunden, Ehrungen“ kann dann auch gleich nachgelesen werden, für welche Leistungen er die jeweiligen Auszeichnungen bekam. Und die nächsten Buchprojekte des umtriebigen Rentners sind auch schon in Planung: Er arbeitet gerade an einem Werk, dass einen Bogen von Martin Luther King und Bob Kennedy zu Barack Obama schlägt. Ein weiteres Werk soll von seinem Freund Lew Kopelew handeln.

Die Übergabe der Orden findet am 13. September ab 15 Uhr in der Stadtbücherei unter anderem mit dem Werdohler Bürgermeister statt. Auch Interessierten steht die Veranstaltung offen.

von Andrea Mackenbruck

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare