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Seniorenheim-Schließung: Heimaufsicht widerspricht Betreiber

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Von: Volker Heyn

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Das Forsthaus wird nur noch bis Ende Mai als Seniorenheim betrieben.
Das Forsthaus wird nur noch bis Ende Mai als Seniorenheim betrieben. © Heyn, Volker

An der Schließung des Seniorenheims Forsthaus Ende Mai ist nichts mehr zu rütteln. Die Vita Vitalis GmbH als Betreiber des privaten Pflegeheims hatte den Entschluss zur Aufgabe des ganzen Hauses Anfang April öffentlich gemacht.

Einziger Grund sei, dass man in der Einrichtung die baulichen Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) nicht erfüllen könne.

Der Märkische Kreis in seiner Funktion als Heimaufsicht und WTG-Behörde ist nicht 100-prozentig einverstanden mit der Art und Weise, wie vonseiten der Einrichtung über die Absichten der Heimaufsicht gesprochen wurde. Wie Kreis-Pressesprecher Bange jetzt schilderte, schienen die Gespräche mit den Betreibern der Senioreneinrichtung nicht immer leicht gewesen zu sein.

Inhaber ist nicht zu sprechen

Das passt ins Bild: Für ein persönliches Gespräch mit der Redaktion zur Schließung stand der Inhaber, Vita-Vitalis-Geschäftsführer Martin Betker, nicht zur Verfügung. Stattdessen sprachen Verwaltungsleiterin Meyer und Einrichtungsleiterin Dagmar Mariß mit der Redaktion, beide Frauen sind bei Betker angestellt.

Mit Aussagen der Einrichtungsleiterin, die nach einem Gespräch mit der Redaktion in dieser Zeitung wiedergegeben worden waren, ist Kreis-Sprecher Bange nicht so ganz glücklich. Mariß hatte gesagt, dass ein Umbau in Planung gewesen sei, die WTG-Behörde aber die vorgeschlagene Interimslösung nicht akzeptieren wollte. Das stimme so nicht, erklärt Bange.

So sieht der Kreis die Dinge

Bange beschreibt die Ereignisse im Forsthaus deshalb aus der Sicht des Märkischen Kreises. Wie bekannt, mussten alle stationären Pflegeeinrichtungen bis zum 31. Juli 2018 einen bestimmten baulichen Standard hinsichtlich Einzelzimmern (80 Prozent Einzelzimmerquote) sowie einer direkten Zuordnung von Badezimmern zu den Zimmern (maximal ein Tandembad für zwei Zimmer) erfüllen. Diese Erfordernis war allen Betreibern von Einrichtungen seit 2003 klar, es war also mehr als 15 Jahre lang Zeit, um die kostspieligen Umbauten vorzunehmen. Manche Häuser hatten das quasi bis auf die letzte Minute hinausgezögert.

Forsthaus als Flüchtlingsunterkunft? Sozialamtsleiterin hat angefragt

Die Werdohler Sozialamtsleiterin Sabine Bleckmann hat nach eigenen Angaben Kontakt aufgenommen zum Forsthaus-Besitzer Markus Betker. Die Stadt Werdohl habe Interesse daran, das Haus möglicherweise als Übergangswohnheim für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine anzumieten. Es gehe zunächst nur darum, Möglichkeiten auszuloten. Bleckmann sagte auf Nachfrage der Redaktion, dass sie sich mit dem Bruder des Betreibers, dem Werdohler Wolfgang Betker, einen Zeitpunkt Ende Mai vereinbart habe. Das Haus stehe ohnehin erst ab Juni zur Verfügung. Der Eigentümer habe eventuell eigene Pläne. Bleckmann betonte, dass es sich um eine rein vorsorgliche Kontaktaufnahme handele.

Das Werdohler Forsthaus hatte diese Voraussetzungen in Bezug auf die Bädersituation zum Stichtag Juli 2018 nicht erfüllt. Die Planungen seien dahingehend gelaufen, so schildert es Bange, dass die Bewohner des Forsthauses in ein anderes Gebäude desselben Betreibers umziehen sollten, sobald dies fertiggestellt sei. Das Forsthaus sollte danach schließen.

Kreis erteilt zunächst eine Ausnahmegenehmigung

Aufgrund dieser Absichten habe der Betreiber eine Ausnahmeerlaubnis für den zunächst weiteren Betrieb des Forsthauses bekommen. Für das geplante Bauvorhaben hätten 2018 sogar konkrete Pläne vorgelegen, sagt Bange, allerdings seien sie im Laufe der vergangenen Jahre durch den Betreiber nicht weiter verfolgt worden. Im August 2021 habe der Betreiber schließlich erklärt, diese Bau-Planungen aufzugeben.

Im November 2021 habe die Heimaufsicht deshalb pflichtgemäß nachgefragt, wie die weiteren Planungen für das Forsthaus aussehen würden. Der Grund für die Ausnahmegenehmigung war schließlich weggefallen. Im Januar 2022 habe der Betreiber auf Nachfrage des Kreises mitgeteilt, dass er nun über einen Umbau im Forsthaus nachdenke und dass verschiedene Interimslösungen denkbar seien.

Betreiber soll Fristen nicht eingehalten haben

Bange wird ganz deutlich: „Auf Nachfrage und Anforderung von konkreten Plänen wurde nur eine Lösung vorgeschlagen, Pläne wurden aber wiederum nicht vorgelegt. Weitere Fristen wurden seitens des Betreibers nicht eingehalten, ein von hier angebotenes Erörterungsgespräch zwecks Auslotung von Möglichkeiten wurde abgelehnt.“

Das Seniorenheim Forsthaus von Markus Betker wird Ende Mai aufgegeben. Nach jahrelangen Gesprächen zwischen Heimaufsicht und Betreiber konnte Betker wohl nie konkrete Umbaupläne vorlegen, um die seit 2018 geltenden Anforderungen zu erfüllen. Die Heimaufsicht sei dem Betreiber stets entgegen gekommen und habe Ausnahmeregelungen gemacht, erklärt Kreis-Pressesprecher Bange.
Das Seniorenheim Forsthaus von Markus Betker wird Ende Mai aufgegeben. Nach jahrelangen Gesprächen zwischen Heimaufsicht und Betreiber konnte Betker wohl nie konkrete Umbaupläne vorlegen, um die seit 2018 geltenden Anforderungen zu erfüllen. Die Heimaufsicht sei dem Betreiber stets entgegen gekommen und habe Ausnahmeregelungen gemacht, erklärt Kreis-Pressesprecher Bange. © Heyn, Volker

Im März 2022 habe der Betreiber dem Kreis letztlich mitgeteilt, dass ein Umbau im Forsthaus wirtschaftlich nicht darstellbar sei und die Einrichtung zum 31. Mai schließen werde.

Kreis: Keinerlei Interesse an Schließung

Bange ist wichtig darzustellen, dass Heimaufsicht beziehungsweise Märkischer Kreis keinerlei Interesse daran gehabt hätten, auf eine Schließung hinzuwirken. Es sei auch keine Frist seitens des Kreises gesetzt worden. In diesem Zusammenhang habe der Kreis nochmals ein Gespräch angeboten, „um zu schauen, ob es noch eine Lösung geben könnte.“ Aber auch dieses Gesprächsangebot sei vom Betreiber abgelehnt worden.

Einrichtungsleiterin Dagmar Mariß hatte sich im Gespräch mit der Redaktion über den Märkischen Kreis beschwert: „Es ist unfassbar, wie die Behörde entscheidet.“ Sie habe Kompromissbereitschaft der staatlichen Stelle vermisst.

Heimaufsicht „hat nicht auf Schließung hingewirkt“

Die Kreisverwaltung will hingegen nicht als Behörde angesehen werden, die das Forsthaus zur Aufgabe gezwungen oder Fristen gesetzt habe. Im Gegenteil, so Bange, man sei immer wieder auf den Betreiber zugegangen.

Bange stellt deshalb klipp und klar fest: „Die Heimaufsicht hat nicht auf eine Schließung hingewirkt. Der Betreiber wusste seit fast 20 Jahren von der Notwendigkeit der Umbauten und hat nach 2018 von Ausnahmen und Entgegenkommen profitiert.“

Auch Haus Annabell in Balve geschlossen

Martin Betker, Betreiber des Seniorenheim Forsthaus, hatte bis 2018 auch das Haus Annabell in Balve betrieben. Betker hatte damals mit dem Versprechen, das Haus nach den Anforderungen des WTB umzubauen, kurzfristig alle Mitarbeiter entlassen und allen Bewohnern gekündigt.

Betker hatte vor fast vier Jahren gegenüber der Heimaufsicht beim Märkischen Kreis angekündigt, für einen Umbau des Hauses Pläne vorzulegen, um das Seniorenheim wieder zu betreiben. Seitdem steht das Haus in Balve leer, in dem seit 1999 bis zu 39 Bewohnerinnen und Bewohner untergebracht waren. Auf Anfragen unserer Zeitung reagierte Betker nie. Im Februar 2021 war vom Märkischen Kreis zu erfahren, dass Betker Versprechungen gemacht habe, Umbaupläne vorlegen zu wollen. Im Juni 2021 gab es eine Bauvoranfrage an die Stadt Balve.

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