Eine Einrichtung mit Wahlurne

Senioren sollen per Brief wählen: Pflegeheim mit besonderer Lösung

Bürgerschaftswahl und Europawahl in Bremen
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Den Stimmzettel in die Wahlurne werfen: In den meisten Seniorenzentren ist das in diesem Jahr nicht möglich. Stattdessen setzen die Einrichtungen auf Briefwahl (Symbolbild).

Werdohl/Neuenrade/Balve – Ziemlich genau vier Wochen sind es noch, bis in den Städten an Lenne und Hönne die Kreuzchen gemacht werden. Am 13. September findet die Kommunalwahl statt – coronabedingt ohnehin schon unter völlig neuen Bedingungen – und in den Seniorenheimen noch viel mehr.

Seniorenzentrum Neuenrade

In Neuenrade zum Beispiel war im Perthes-Seniorenzentrum immer ein Wahllokal eingerichtet. Das wird in diesem Jahr anders sein. „Wir werden kein Wahllokal in unserem Haus haben, das hat uns die Stadtverwaltung schon vor einigen Wochen mitgeteilt“, sagt Heim-Leiterin Petra Wegener auf Anfrage.

Statt des Gangs zur Wahlurne soll in diesem Jahr der Gang zum Briefkasten erfolgen. Denn Wegener vermutet, dass die meisten Bewohner per Briefwahl ihre Stimme abgeben werden. „Wir unterstützen gerne bei der Vorbereitung“, sagt sie, vermutet aber, dass viele auch Hilfe von Angehörigen erhalten werden. „Dieses Jahr ist eben alles anders.“

St. Josef Balve

In Balve, im katholischen Seniorenzentrum St. Josef, soll es dagegen auch in diesem Jahr für die Bewohner die Möglichkeit geben, in der Einrichtung an die Wahlurne zu treten. In enger Zusammenarbeit mit dem Wahlausschuss sei diese Entscheidung getroffen worden, sagt Franz-Josef Rademacher, Leiter der Senioreneinrichtung.

Wichtig: Ihre Stimme dürfen dort ausschließlich die Bewohner abgeben. „Wir werden kein Wahllokal für Externe sein“, so Rademacher. Aus diesem Grund wird der Wahlvorstand auch nicht den ganzen Tag im Pflegeheim anzutreffen sein, sondern lediglich für einen bestimmten Zeitraum, der noch festgelegt wird. Auf diese Weise müssten nicht alle Bewohner per Briefwahl ihre Stimme abgeben.

Noch erarbeitet werden muss ein Schutzkonzept, das dann am 13. September umgesetzt wird. „Mit unserer organisatorischen Unterstützung werden die Bewohner, die sich an der Wahl beteiligen möchten, sich auch beteiligen können“, sagt Rademacher.

Haus Versetal

Unterstützung erhalten auch die Bewohner des Haus Versetal bei der Kommunalwahl. In der Einrichtung habe man in der jüngeren Vergangenheit nie ein Wahllokal gehabt, sagt Leiterin Susanne Thöne. Stattdessen werde per Briefwahl die Stimme abgegeben. Den Bewohnern steht es aber natürlich frei, auch ein Wahllokal aufzusuchen, wenn sie möchten.

„Das kommt aber nur ganz selten vor“, berichtet Thöne von Erfahrungen aus der Vergangenheit. Das Personal, beziehungsweise die Betreuer werden die Bewohner soweit wie möglich unterstützen. Auch im Haus Versetal hätten in den letzten Jahren zudem viele Bewohner Hilfe von ihren Angehörigen erfahren.

Wichernhaus

Kerstin Medenbach, Leiterin des evangelischen Altenhilfezentrums Wichernhaus weiß noch nicht endgültig ob und wie die Kommunalwahl in diesem Jahr in ihrer Einrichtung stattfinden wird. Normalerweise sei das Wichernhaus Wahllokal, bisher habe Medenbach aber noch keine Anfrage von der Stadtverwaltung bekommen.

„Wir könnten es aber auch nicht machen“, betont die Leiterin und erklärt, dass sonst jeder Wähler von außerhalb als Kontaktperson mit Personalien dokumentiert werden müsse. „Dafür müsste ich zusätzliches Personal abstellen, das ich aber gerade gar nicht habe“, sagt Medenbach. Aus hygienischer Sicht könnte sie sich für dieses Jahr höchstens vorstellen, dass Wahlkabine und Wahlurne im Außenbereich der Einrichtung unter freiem Himmel aufgebaut werden.

Für viele der Senioren, die nicht eigenständig das Wahllokal aufsuchen können, werde es daher in diesem Jahr auf Briefwahl hinauslaufen. „Mitarbeiter des sozialen Dienstes werden bei der Beantragung der Wahlunterlagen und beim Versenden des Stimmzettels unterschützen und ihnen den Ablauf erklären. Das Wahlgeheimnis bleibt dabei natürlich gewahrt."

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