In Werdohl und Neuenrade

Selbsttests: Apotheker warten auf Angebote

Mit Selbsttests sollen sich bald auch medizinische Laien auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen können. Noch haben die heimischen Apotheken und Händler die Tests allerdings nicht geordert.
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Mit Selbsttests sollen sich bald auch medizinische Laien auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen können. Noch haben die heimischen Apotheken und Händler die Tests allerdings nicht geordert.

Am Mittwoch hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erste Zulassungen für Corona-Selbsttests in Deutschland erteilt. Die Schnelltests sollen für Laien in Apotheken und Discountern verfügbar sein und selbst zu Hause angewendet werden können. In den Apotheken in Werdohl und Neuenrade sind die Tests bislang noch nicht erhältlich.

Derzeit ist auch noch unklar, ab wann sie verkauft werden. Das ergab eine Umfrage am Donnerstag. Wie Olaf Lüdtke, Inhaber der Fortuna-Apotheke am Brüninghaus-Platz in Werdohl, mitteilte, habe er bislang noch keine Bestellungen veranlasst. „Ich habe bisher noch keine Angebote der Hersteller bekommen“, berichtet Lüdtke. Lediglich ein Fax sei ihm zugegangen, in dem er über die Zulassung verschiedener Laien-Tests informiert wurde. Ähnliches berichtet Kenan Karakas, der die Neue Apotheke an der Bahnhofstraße leitet.

Grundsätzlich stehen beide Apotheker den Tests durchaus positiv gegenüber. „Es sind prinzipiell die gleichen Schnelltests, die unter anderem bei Hausärzten schon länger gemacht werden“, sagt Olaf Lüdtke. Auch vor Besuchen in Pflegeheimen wird das sogenannte PoC-Verfahren bereits seit einiger Zeit angewendet, um Angehörige auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu testen.

Mehr Sicherheit, aber keine absolute

Dieses Verfahren kommt nun auch in den Selbsttests zum Einsatz. Es sei zwar nicht ganz so zuverlässig wie die PCR-Tests, die in Laboren ausgewertet werden, sagt Lüdtke, gebe aber dennoch mehr Sicherheit. Obwohl die gleiche Technik hinter den Tests steckt, ist die Vorgehensweise bei den freiverkäuflichen Varianten etwas anders. Denn während bislang vor allem Abstriche im hinteren Bereich von Rachen oder Nase notwendig waren, sollen die Tests nun auch mit Proben aus dem vorderen Bereich der Nase funktionieren, der für Laien gut zu erreichen ist. Die Anwendbarkeit der Schnelltests schränkt Lüdtke aus seiner persönlichen Sicht etwas ein: „Vor allem bei Symptomen würde ich mich im Zweifelsfall lieber in einer Arztpraxis testen lassen.“

Kenan Karakas, der ebenfalls auf Angebote von Firmen, die die Tests vertreiben, wartet, sieht noch ein anderes Problem: „Wenn ein Laie selbst einen Test macht und dieser positiv ausfällt: Begibt er sich dann wirklich in Quarantäne?“ Dafür sei ein großes Verantwortungsbewusstsein Voraussetzung. „Es darf nicht sein, dass der Test entsorgt wird, um die Quarantäne zu umgehen.“ Aus Sicht des Apothekers fehle eine kontrollierende Instanz in Bezug auf die Testergebnisse. In Seniorenheimen zum Beispiel werden positive Schnelltests bei Besuchern dem Gesundheitsamt durch das Pflegepersonal sofort gemeldet.

Fachlich durchgeführte Tests haben höhere Qualität

Apotheker Dr. Sven Simons findet dagegen ein eventuelles Angebot für Bürger, sich kostenlos von medizinisch geschultem Personal testen zu lassen, noch viel interessanter als die Laien-Tests. Dieses Angebot soll bundesweit wahrscheinlich ab dem 8. März kommen, berichtet Simons. Simons ist im Vorstand der Noventi-Gruppe, Ehefrau Alexandra Simons betreibt die Gertruden Apotheke in Neuenrade. Der Apotheker meint, dass fachlich durchgeführte Schnelltests eine höhere Qualität haben werden, als die nun zugelassenen Selbsttests. Testzentren für die Bürger aufzubauen sei jedoch eine Mammutaufgabe, die erst einmal gestemmt werden muss. „In Neuenrade muss ich in diesem Zusammenhang sehr zufrieden und lobend sagen, dass wir einen guten Austausch mit anderen medizinischen Leistungserbringern wie Arztpraxen haben“, sagt Simons. So könne man sich gut abstimmen und voneinander profitieren. „Effiziente und flächendeckende Testangebote sind absolut sinnvoll, um Infektionsketten zu unterbrechen und so das Infektionsgeschehen einzudämmen.“

Die Selbsttests hält Simons daher auch für eine gute Ergänzung. Gerade für geschäftliche oder familiäre Zusammentreffen gäben sie etwas Sicherheit. Allerdings sei die korrekte Anwendung wichtig für den Erfolg. Im Zusammenhang mit der flächendeckenden Reduktion des Infektionsrisikos appelliert er: „Wer die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, sollte sie wahrnehmen.“ Vorbehalte gegenüber Impfstoffen wie dem des britischen Herstellers AstraZeneca kann Simons nicht nachvollziehen: „Wir haben da ein zugelassenes, hochwirksames Arzneimittel.“

Edeka-Tank hat bereits „windige“ Angebote erhalten

Neben Apotheken sollen die Corona-Selbsttest zukünftig auch in Discountern und Lebensmittelmärkten angeboten werden. Heiko Tank, Inhaber des Edeka-Centers an der Inselstraße in Werdohl, sagt, dass er bereits Angebote von Fremdanbietern erhalten habe. Diese wolle er jedoch nicht wahrnehmen. „Das ist mir zu windig. Wenn, mache ich das direkt über Edeka. Die Tests müssen ja eine bestimme Qualität haben, um sichere Ergebnisse zu liefern“, betont Tank. Allgemein ist bislang noch nicht klar, was die Tests kosten sollen.

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