Flüchtlinge: Selbst Babys sind häufig schwer krank

In diesen Schlichthäusern „Im Sieoen“ wurden jetzt auch Flüchtlinge untergebracht. - Foto: Heyn

Werdohl - Das menschliche Elend der in Werdohl untergebrachten Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge wird wachsend größer. Neben der Traumatisierung der Erwachsenen beobachten die städtischen Mitarbeiter vor allem bei Kindern und sogar bei den hier geborenen Babys einen erheblichen Krankenhilfebedarf.

Mit der Not dieser Menschen steigt auch der finanziellen Aufwand der Stadt: Bodo Schmidt vom Fachbereich Soziales wird heute Abend dem Sozialausschuss berichten, dass im laufenden Jahr wahrscheinlich bis zu eine Million Euro für Unterbringung, Lebensunterhalt und Gesundheitshilfe für aktuell 130 Personen aufgewandt werden muss.

Der Haushaltsansatz lag 2013 noch bei etwa der Hälfte: 550.000 Euro. Wegen der sich bereits im vergangenen Jahr abzeichnenden Entwicklung wurde der Ansatz für 2014 vorsorglich auf 740.000 Euro erhöht.

Bodo Schmidt hatte die Politiker mit einer Verwaltungsmitteilung vor ein paar Wochen schon vorgewarnt, jetzt wird eine weitere Erhöhung wohl unvermeidlich. Weitere 150.000 Euro müssen überplanmäßig bereit gestellt werden. Ob das ausreichend ist, lässt sich dennoch nicht genau sagen.

Wenn eine auf jeden Fall nötige Krankenbehandlung mit Kosten zwischen 140.000 und 160.000 Euro noch in diesem Jahr erfolgen muss, wird sich der Gesamtaufwand für die Flüchtlinge auf etwa eine Million Euro erhöhen.

Schmidt schreibt in der Vorlage: „Es ist zweifelsfrei festzustellen, dass der Gesundheitszustand der in den vergangenen zwei Jahren zugewiesenen Personen deutlich schlechter geworden ist.“ Die Krankenhilfekosten haben sich seit 2013 zu einer fast nicht kalkulierbaren Größe entwickelt. Schmidt: „Sie sind hauptverantwortlich für die erheblichen Aufwandssteigerungen in den vergangen zwei Jahren.“

Die Verwaltung stellt fest, dass es bei der Übernahme der Krankenhilfekosten nur geringe Ermessensspielräume gebe, die sich „grundsätzlich und ausschließlich“ an amtsärztlichen Empfehlungen orientierten. Bei klassischen Notfällen gebe es ohnehin keine derartigen Überlegungen.

Dem städtischen Aufwand von fast einer Million Euro stehen pauschalierte Landeszuweisungen von gerade einmal 117.000 Euro gegenüber. In der Vorlage beschreibt Bodo Schmidt die Refinanzierung dieses Aufwands durch das Land mit Stand Mitte Oktober.

Ende Oktober hat es aber eine Änderung bei der Landesregierung gegeben, die die Flüchtlingshilfe laut dem SPD-Abgeordneten Michael Scheffler „signifikant“ ausbaue. Die unmittelbaren finanziellen Hilfen für die Unterbringung von Flüchtlingen würden um 25 Prozent erhöht. D

ie Kostenpauschale pro ausländischem Flüchtling werde von 3960 auf 4950 Euro angehoben. Scheffler: „Zusammen mit weiteren Maßnahmen wird somit umfassend den Lebenslagen der Asylbewerber und Flüchtlinge, die häufig schreckliche Kriegs- und Verfolgungserfahrungen haben machen müssen, quantitativ und qualitativ Rechnung getragen.“

Dass sich die Verwaltung dieser Auffassung anschließen kann, ist kaum zu erwarten. Denn Werdohl finde sich laut Schmidt beim Ranking der NRW-Städte an „ungünstiger Position“ wieder, weil hier verhältnismäßig viele Personen zu betreuen seien, für die schon lange überhaupt keine Erstattungsleistungen mehr flössen. Schmidt: „Es sind gleichzeitig mehrere sehr kostenintensive und viele dauerhafte Krankenhilfefälle entstanden, deren Einzelschicksale auch eine außergewöhnliche persönliche Begleitung und Beratung erforderlich machen.“

Von Volker Heyn

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare