Sekt auf der Chinesischen Mauer: Eine Werdohlerin auf Reisen

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Bärbel Hebert ist in den vergangenen 30 Jahren viel herumgekommen und hat Souvenirs von der ganzen Welt gesammelt.

Werdohl - Bärbel Hebert stand schon mit einem Jeep mitten in einer Elefantenherde in Kenia, besichtigte bei Gewitter das Empire State Building in New York und trank in Hemingways Kneipe auf Cuba Mojitos. Von ihren vielen Reisen hat die 74-Jährige aber nicht nur Erinnerungen und Fotos mitgebracht. Unzählige Andenken und Mitbringsel aus der ganzen Welt schmücken die Wohnung der Werdohlerin.

Ihre erste Fernreise führte sie vor fast 30 Jahren nach New York City. „Alle hatten mir gesagt, man darf nicht im Dunkeln in New York ankommen, weil das gefährlich ist“, erinnert sich Bärbel Hebert. „Außerdem wollte ich nach der Ankunft den Boden küssen.“ Beides klappte nicht: Weil ihr Flugzeug abends landete, verzichtete sie auf die geplante Begrüßung und setzte sich mit ihren beiden Begleiterinnen lieber gleich ins Taxi. Das brachte sie trotz der Dunkelheit sicher in das Apartment eines befreundeten Niederländers, in dem die drei Deutschen während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes wohnten.

Der Papierschirm ist ein Souvenir von der ersten Fernreise nach New York. Dazu passt ein kubanischer Hut aus Palmblättern.

„Am ersten Tag haben wir zum Frühstück Pfannkuchen mit Ahornsirup gegessen“, erzählt die Werdohlerin. Danach begannen die Frauen, auf eigene Faust die Stadt zu erkunden. „Meine Bekannte hatte immer den Reiseführer vor der Nase“, sagt Hebert. „Es war gut, dass die das konnte – ich hätte dazu keine Lust gehabt.“ Die Bekannte lotste ihre Mitreisenden zum Times Square – „gigantisch!“ – und zum Guggenheim Museum, zum World Trade Center und in den Central Park. „In dem Park war ein Drogensüchtiger“, erinnert sich Bärbel Hebert. „Der sagte immer zu uns: Euch kenn ich, schön, dass ihr wieder da seid!“ Zwar sei der Mann nicht aufdringlich geworden, aber die Frauen fühlten sich trotzdem nicht ganz wohl und verließen den Park. Heute erinnert ein großer Papierschirm an die Amerika-Reise. „Den habe ich in Chinatown gekauft“, sagt die 74-Jährige.

Dass sie auf der Heimreise 36 Stunden auf ihr Flugzeug warten musste, hinderte die Werdohlerin nicht daran, viele weitere Reisen zu unternehmen. Aber nicht jedes Ziel erfüllte ihre Erwartungen. So war sie im Senegal ein bisschen enttäuscht, „weil wir keine Tiere gesehen haben.“ Dafür entschädigte sie ein paar Jahre später eine Safari in Kenia. Dort sah sie nicht nur eine Elefantenherde, sondern auch Löwen und einen Gepard, der ein Gnu jagte.

Schuhplattler in Thailand

Auch zu den Menschen suchte die Werdohlerin auf ihren Reisen immer den Kontakt. In Kenia freundete sie sich mit einer einheimischen Familie an, die sie daraufhin zum Tee einlud. Bärbel Hebert nahm die Einladung an – und musste erst einmal Tassen kaufen, weil die Familie keine besaß. „Ich bin dann in die Stadt gefahren mit so einem Buschtaxi, wo man immer die nackten Brüste von den Frauen im Gesicht hatte“, erzählt die Werdohlerin und lacht.

In der thailändischen Großstadt Chiang Mai besuchten Bärbel Hebert und ihre Reisebegleiterin – eine Werdohlerin, die inzwischen in Essen lebt – einen Heimatabend mit Tanzvorführungen und landestypischen Gerichten. „Das war wie ein bayrischer Abend mit Schuhplattler“, beschreibt die 74-Jährige das Erlebnis. Von der Stadt aus fuhr die Reisegruppe mit ihrem einheimischen Reiseleiter mit dem Jeep in die Berge. „Abends haben wir am Feuer gesessen und Mekong Whisky getrunken“, erzählt die Seniorin.

In Thailand sah die 74-Jährige Bauern, die schwer bewaffnet ihre Opiumfelder bestellten. Von dort brachte sie diese Pfeife mit.

Als sie am nächsten Morgen aus dem Fenster ihrer Hütte guckte, sah sie einheimische Bauern mit Kiepen auf dem Rücken – schwer bewaffnet. „Die gingen zur Ernte auf die Opiumfelder“, sagt Bärbel Hebert. „Man konnte die Felder zwar nicht sehen, aber man wusste trotzdem, was die da taten.“ Als Souvenir landete dann auch eine Opiumpfeife im Koffer. „Die habe ich aber nie benutzt, sie liegt nur im Regal.“

Dekorativ sind auch drei bunt bemalte Eier, die die Werdohlerin aus Sri Lanka mitbrachte. „Ich hänge sie manchmal auf“, sagt Hebert und zeigt auf einen geflochtenen Holzstab, der in einer großen Vase auf dem Fußboden steht. Solche Holzstäbe schenken in Prag junge Männer ihren Mädchen, wenn sie um sie werben, weiß die 74-Jährige. „Die Vase habe ich selbst gemacht, in einem Kurs ‘Töpfern wie in Afrika’.“

Als die Werdohlerin 60 Jahre alt wurde, beschenkte sie sich mit einer Reise nach China. „Meine Freundin und ich fuhren mit einer Gondel hoch zur Großen Mauer – dort fiel ich erst einmal hin“, erinnert sich Hebert und lacht. Danach stießen die beiden Frauen aber auf den Geburtstag und ihre Reisen an. „Die Flasche Sekt hatte uns der Steward im Flugzeug geschenkt – weil meine Bekannte versprochen hatte, ihm Socken zu stricken.“

Doch es sind nicht nur ferne Länder, die Bärbel Hebert begeistern. Mit ihrem Mann zusammen machte sie Urlaub auf Sizilien, in Spanien, Holland und auch an der deutschen Küste. „Ich möchte keine dieser Reisen missen“, sagt die Seniorin und schwärmt von Rügen, Bornholm und Kreta. Zu ihrem 70. Geburtstag wollte sie sich eigentlich einen Traum erfüllen und nach Südafrika fliegen. Daraus wurde zwar nichts, stattdessen fuhr sie aber nach Dresden. „Ich hatte die Frauenkirche noch nicht fertig gesehen“, erzählt sie. „Und als wir reinkamen, spielte die Orgel, das war wunderschön.“

Wohin sind unsere anderen Leser verreist? Was haben sie mitgebracht? Wer seine Geschichte erzählen möchte, meldet sich unter Tel. 0 23 92 / 50 05 77 oder per E-Mail an sv@mzv.net.

Von Constanze Raidt

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