Sechseinhalb Jahre Haft für Vergewaltiger

Sechseinhalb Jahre Haft verhängte das Landgericht gegen einen Werdohler, dem Vergewaltigung zur Last gelegt wurde.

WERDOHL/HAGEN ▪ Er hatte sich der 16-jährigen Tochter seiner Lebensgefährtin auf verbotene Weise genähert, sich über mehrere Stunden an dem Mädchen vergangen. Am Freitag bekam der 38-jährige Werdohler die Quittung für das, was er seinem Opfer angetan hatte. Sechs Jahre und sechs Monate Haft für besonders schwere Vergewaltigung und Missbrauch Schutzbefohlener, so das Urteil des Hagener Landgerichts.

Regungslos und die Faust vor den Mund gepresst, verfolgte der Angeklagte in seinem rosa gestreiften Pullover nach der Verkündung die Ausführungen zur Urteilsbegründung. Sein Blick war starr auf den Tisch vor sich gerichtet.

Mit der Entscheidung war die Kammer nur sechs Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft geblieben. „Es war ein grauenvolles Erlebnis für das Mädchen, das ihn als Vater gesehen hat. Es war ein zweistündiges Martyrium der Gewalt. Der Angeklagte hat durch den massiven Vertrauensbruch eine schwere Schuld auf sich geladen”, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

Der Nebenklagevertreter rückte noch einmal die Folgen für das Opfer ins Feld: „Meine Mandantin ist nicht nur physisch verletzt worden, sondern musste auch psychische Einbußen erleben.” Die Folgen dieser Tat würden sie noch ihr ganzes Leben lang begleiten. Zudem sei durch diesen Vorfall die Familie des Mädchens zerbrochen. Er schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an, und forderte ebenfalls eine siebenjährige Haftstrafe. Demgegenüber zweifelte der Verteidiger des Werdohlers das am Vortag abgegebene Gutachten an, bezeichnete einzelne Feststellungen sogar als falsch. So habe der Sachverständige das Vorliegen eines Rausches zur Tatzeit verneint, was jedoch nach Auffassung der Verteidigung nicht richtig sei.

Für den Verteidiger hatte der 38-Jährige die Tat durchaus im Zustand eines drogenbedingten Rausches begangen, was sich auf seine Schuldfähigkeit ausgewirkt habe. Darüber hinaus habe sich der Gutachter gegen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ausgesprochen. Auch hier stimmte der Verteidiger nicht zu: „Wir haben hier einen Mann, der seit 18 bis 20 Jahren Drogen genommen hat. Das ist jemand, der Stress nicht aushalten kann und labil ist. Was soll dem Mann anderes helfen, als eine Therapie?”

Dem schloss sich die Kammer jedoch nicht an. „Der Angeklagte war während der Tat Herr seiner Sinne”, so die Vorsitzende Richterin. Das spreche eindeutig gegen einen Rauschzustand. Der Werdohler sei sehr bedacht vorgegangen. So habe er das Mädchen nach der Tat gezwungen, sich zu reinigen, um den Tatnachweis zu erschweren. Auch habe er sich nach dem Geschehen dem Alltag gewidmet und sich unauffällig verhalten, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Die Einnahme von Drogen habe lediglich zu einer Enthemmung, nicht jedoch zu einer verminderten Schuldfähigkeit geführt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Jana Peuckert

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