Schwerer Ausraster in der Arbeitsagentur

WERDOHL ▪ Ärger mit der Arbeitsagentur hat sicherlich schon der eine oder andere Arbeitssuchende gehabt, allerdings greifen die wenigsten zu so drastischen Mitteln wie ein 26-jähriger Familienvater aus Werdohl. Er hatte seinem Unmut tatkräftig Ausdruck verliehen.

Für seinen Ausraster im Jobcenter in Werdohl Ende September vergangenen Jahres musste er sich gestern Mittag am Amtsgericht Altena einfinden und sich dem Vorwurf einer gefährlichen Körperverletzung und Beleidigung stellen.

Der Werdohler soll an einem Vormittag im September zum Empfang des Jobcenters gestürmt sein, da er unliebsame Post von der Arbeitsagentur erhalten hatte. Zum einen waren die Leistungen gestrichen worden und zum anderen verweigerte ihm die Sachbearbeiterin die Aufnahme eines Praktikums, das sich der Familienvater organisiert hatte.

Seine Wut über diese Entscheidungen entlud sich an diesem Tag offenbar über die 43-jährige Fachassistentin, die seine Unterlagen entgegennahm. Als sie das mehrseitige Schreiben in Ruhe studieren wollte, wurde der Mann immer aufgebrachter und aggressiver. „Er fragte, was das sollte, dass seine Leistungen gestrichen worden wären. Da habe ich versucht, ihn zu beruhigen“, gab die 43-Jährige im Zeugenstand an. „Ich gebe dir gleich beruhigen“, soll der Angeklagte darauf geantwortet haben, einen Becher mit Stiften vom Tisch der Frau gegriffen und ihr gegen das Brustbein geworfen haben. Anschließend soll er ihr das Schreiben aus der Hand gerissen und ihr durch das Gesicht geschlagen haben.

Wutentbrannt und schimpfend sei er dann verschwunden, erklärte die Geschädigte weiter. Der 26-Jährige tat den Vorwurf und die Aussage der Mitarbeiterin des Jobcenters als Lüge ab und blieb bei seiner Version, er habe nur mit dem Papier nach der Frau geworfen, nicht aber mit dem Stiftebecher. „Ich habe noch nie jemandem wehgetan. Ich muss mich um meine Familie doch sorgen“, erklärte der nicht vorbestrafte Werdohler vor Gericht.

Wegen des Ausrasters war ein Strafbefehl in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro (1800 Euro) gegen den Mann ergangen, gegen den er vor der Verhandlung Einspruch eingelegt hatte.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Höhe des Tagessatzes gestern auf 15 Euro reduziert, sodass der unangebrachte Auftritt des Mannes ihn immer noch stolze 1350 Euro kostet. Der Angeklagte kündigte sofort an, Berufung gegen diese Entscheidung einlegen zu wollen, da das „alles nur gelogen“ sei.

Von Anja Grevener

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