Ein schwerer Abschied

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Ahmet Kilic geht. ▪

WERDOHL ▪ In den vergangenen zwei Jahren hat Ahmet Kilic Werdohl „lieb gewonnen“. Seine zwei Kinder gehen hier zur Schule, und sein jüngster Nachwuchs wurde sogar in Lüdenscheid geboren. Doch nun ist es an der Zeit Abschied zu nehmen. Denn Kilic war als Vorbeter (Hodscha) hier in Werdohl. Nun geht es für ihn zurück in die Türkei, in die Provinz Tokat. Der Abschied von der Stadt und „seiner“ Ditib-Gemeinde fällt ihm sichtlich schwer.

„Natürlich bin ich traurig, aber das ist halt meine Pflicht“, erzählt Kilic. Doch schwerer sei es für seine Kinder. Sie seien hier zur Schule gegangen und hätten Freunde gefunden. „Wir haben hier eine Menge Leute kennen gelernt. Alle waren sehr offen und nett zu uns“, berichtet er weiter. Für den 36-jährigen Türken war es der erste Aufenthalt in einem europäischen Land. Und eines ist ihm sofort aufgefallen: „Die Muslime in der Türkei haben eine andere Art zu leben.“ Diese sei jedoch weder als besser noch als schlechter zu bewerten. Als Hodscha habe er viel Wert auf die Lehre von Werten und Verhaltensweisen, wie sozialer Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Fleiß gelegt. „Ich war begeistert, wie sehr die Gemeindemitglieder hier zusammenhalten. Was sie gemeinsam auf die Beine stellen und wie fleißig sie sind.“ Sie seien stets bemüht, den Verein und ihre Gemeinde mit Leben zu füllen. So hatte er sich sein Leben in der Gemeinde und vor allen in Deutschland nicht vorgestellt. „Hier ist alles so frei, man hat Platz und es ist sauber.“ Natürlich hat er sich auch vieles angeschaut. Sogar im Kölner Dom war der Vorbeter.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag im Dialog mit anderen Gemeinden, Religionen und Institutionen. „Das hat immer gut geklappt. Wir hatten Treffen mit den Kirchen, dem Bürgermeister, Schulen und Nachbargemeinden. Dieser Austausch ist wichtig.“ Zwar hätte jede Religion seine eigenen Ansätze, dennoch sei es wichtig im Gespräch zu bleiben und friedlich miteinander zu leben.

Nur eines hat er nicht geschafft: „Mein Deutsch ist noch schlecht. Es ist eine schwere Sprache. Aber ich werde weiter lernen und wenn ich dann einmal wieder komme, kann ich es.“

Ein Nachfolger ist bereits angekündigt. Noch in diesem Monat wird Abdullah Özem den Dienst antreten.

Lydia Machelett

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