Schwellenangst mit buntem Fest überwinden

Bürgermeister Siegfried Griebsch, Kulturvereinsvorsitzender Atif Özer, Polizeibezirksdienstbeamter Andreas Weitz und Stadtsportverbandsvorsitzender Rudolf Völker setzen darauf, dass eine Art interkulturelles Fest begangen wird.

WERDOHL ▪ Beim Sport klappt das Zusammenspiel von Werdohlern, die ihre Wurzeln in mehr als 50 Nationen haben, gut. Gleiches gilt für die Integration in Kindergärten oder Schulen. Nur bei den Kulturveranstaltungen feiert jede Gruppe für sich.

„Je erwachsener die Leute werden, umso schwieriger wird es. Es ist eine unerklärliche Schwellenangst vorhanden“, monierte Bürgermeister Griebsch. Daher unterstützt er nicht nur den Giresunlular-Kulturverein bei der Vorbereitung des Kümbet-Festes, das am 19. Juni auf dem Sportplatz in Altenmühle mehr als 1000 Besucher anlocken soll. Zugleich fordert er die Deutschen auf, dies zu einem interkulturellen Austausch zu nutzen.

Ebenfalls in der Pflicht sieht sich der türkische Kulturverein. Vorsitzender Atif Özer gestand am Dienstagabend bei der Vorbereitungsbesprechung des Festes, Veranstaltungen wie die Eröffnung der Lennefontäne oder Stadtfestkonzerte nicht zu besuchen. „Wir müssen uns auch verbessern“, wollen er und weitere türkische Vereinsmitglieder sich häufiger bei solchen Anlässen blicken lassen.

An welchen Punkten ein Mehr an Verständigung scheitern kann, wusste Stadtsportverbandsvorsitzender Rudolf Völker. Die Werbeplakate für das Kümbet-Fest sollten auch auf Deutsch verfasst werden – was Özer direkt aufgriff und umsetzen will.

Obwohl der Aspekt Integration in der Stadt Werdohl stets eine Rolle spielt, soll die Veranstaltung vor allem ein Fest sein. Nach dem Fußballturnier, das um 10 Uhr beginnt, werden ab 14 Uhr verschiedene Folklore- und Tanzgruppen auftreten, eine Band will ebenso für Stimmung sorgen wie türkische Sänger. Zu der fünften Auflage des Festes erwartet Vorsitzender Özer mehr als 1000 Besucher aus Nah und Fern (Erwachsene zwei Euro). Dass es dabei nicht nur leise zugeht, versteht sich von selbst. Der Polizeibezirksdienstbeamte Andreas Weitz bittet die Anwohner aber um Verständnis – und darum, von Beschwerden abzusehen. „Das ganze Fest steht und fällt mit der Musik.“

Um die Organisation und den Ablauf kümmert sich der Giresunlular Kulturverein, der sich 1992 gegründet hat und in dem 55 Mitglieder aktiv sind. Aus diesem sind Folkloregruppen ebenso hervorgegangen wie der Werdohler Fußballverein Karadenizgücü. Das Kümbet-Fest ist einzigartig in Deutschland, in der Heimatregion an der türkischen Schwarzmeerküste hingegen eine alte Tradition. Dass dort die Menschen im Frühjahr ihre Nutztiere auf die Hoch-Almen des Kümbet-Plateaus treiben, wird seit Jahrtausenden mit einem Familien- und Kulturfest begangen.

Marco Fraune

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