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Schutz vor sexuellem Missbrauch: Projekt soll Grundschüler fit machen

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Von: Volker Griese

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In szenischen Darstellungen gaben Orestes Fiedler und Alissa Schwichtenberg Beispiele für sexuellen Missbrauch.
In szenischen Darstellungen gaben Orestes Fiedler und Alissa Schwichtenberg Beispiele für sexuellen Missbrauch. © Griese, Volker

Die polizeiliche Kriminalstatistik hat im Jahr 2020 bundesweit fast 15 000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verzeichnet. Hinzu kommt eine vermutlich erhebliche Dunkelziffer.

Die Folgen für die Opfer sind gravierend. Auch deshalb versuchen die Evangelische Martin-Luther-Grundschule und die Gemeinschaftsgrundschule Werdohl, Viertklässler mit einem Präventivprojekt gegen sexuelle Übergriffe durch Erwachsene zu wappnen.

Nachdem in der vergangenen Woche bereits ein Elternabend zu diesem Thema stattgefunden hat, waren die Theaterpädagogen Orestes Fiedler und Alissa Schwichtenberg am Montag in der Grundschule auf der Königsburg zu Gast, um das Thema mit den Schülern selbst zu erarbeiten. In dem Präventionsprogramm mit dem Titel „Mein Körper gehört mir!“ ging es zunächst um die sogenannten „Ja-Gefühle“, also solche Momente, in denen sich die Kinder wohlfühlen, aber auch um die Situationen, die bei ihnen „Nein-Gefühle“ auslösen, weil sie ihnen Angst oder Unbehagen bereiten. Die Kinder der Klasse 4d beispielsweise nannten eine ganze Reihe von Ereignissen, bei denen ihr Körper entweder das eine oder das andere Signal aussendet.

Szenen werden nachgespielt

Orestes Fiedler und Alissa Schwichtenberg spielten in kleinen Theaterszenen dann Situationen nach, in die Kinder tagtäglich geraten können. Da wurde zum Beispiel der zunächst freundlich auftretende Ältere beim Tennisspiel übergriffig gegen den Jungen aus der Nachbarschaft. In einer anderen Szene sprach ein Autofahrer, dessen Fahrzeug ein spielendes Mädchen mit einem Ball getroffen hatte, das Kind an – und präsentierte sich dabei mit entblößtem Unterkörper. In einem weiteren Fallbeispiel geriet ein Mädchen in einem Online-Chat unwissentlich an einen Erwachsenen, der sich als Gleichaltriger ausgab und sich mit dem Mädchen im Park verabredete; was daraus hätte werden können, ließen die beiden Schauspieler offen.

Die Kinder der Klasse 4d aus Kleinhammer arbeiteten engagiert mit, als es um die Frage ging, was positive und was negative Gefühle auslöst.
Die Kinder der Klasse 4d aus Kleinhammer arbeiteten engagiert mit, als es um die Frage ging, was positive und was negative Gefühle auslöst. © Griese, Volker


Doch es ging bei den szenischen Aufführungen keineswegs nur darum, Kindern Angst zu machen vor Erwachsenen, die sie eventuell sexuell missbrauchen könnten. Wie sich Kinder in potenziell brenzligen Situationen richtig verhalten können, zeigte nämlich der vierte Fall: Der neue Nachbar lädt das Mädchen ein, mit seinen Kindern einen Film anzusehen. Das Mädchen reagiert genau richtig, in dem es zunächst den eigenen Vater um Erlaubnis fragt und damit zumindest sicherstellt, dass der weiß, wo sich seine Tochter aufhält.

Kinder können Situationen nicht immer richtig einschätzen

Im Dialog der Theaterpädagogen mit den Schülern wurde deutlich, dass Kinder keineswegs immer in der Lage sind, Situationen richtig einzuschätzen. So gaben praktisch alle Viertklässler dem Mädchen, das sich mit dem Fremden im Park verabredet hatte, zumindest eine Teilschuld. Kein einziges Kind kam auf die Idee, dass ausschließlich der Erwachsene die Schuld an dem trägt, was bei diesem Treffen hätte passieren können. Doch genau das sei der Fall, betonte Alissa Schwichtenberg, die in der Szene in die Rolle des Mädchens geschlüpft war: „Die Erwachsenen haben in solchen Situationen immer die Schuld, die Kinder niemals“, bläute sie den Viertklässlern ein.

Doch wie sollten sich Kinder verhalten, wenn sie in die Situation kommen, dass Erwachsene sie unsittlich berühren oder sogar mehr von ihnen verlangen? „Kinder sollten sich in Sicherheit bringen, indem sie zum Beispiel weglaufen“, riet Fiedler. Und sie könnten auch andere, bestenfalls vertrauenswürdige Erwachsene auf sich und die Situation aufmerksam machen. So, wie es das Mädchen gemacht hatte, das sich dem Exhibitionisten im Auto gegenüber gesehen hatte: Es war zum Schulhausmeister gelaufen, der das Kind zunächst beruhigt und dann die richtigen Schritte eingeleitet hatte. Denn in solchen Fällen sei es immer richtig, die Polizei einzuschalten, erfuhren die Kinder.

In zwei Wochen erneut in Werdohl

In zwei Wochen wird die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück noch einmal nach Werdohl zurückkehren. Dann wird es in weiteren szenisch dargestellten Beispielen um sexuelle Gewalt gegen Kinder durch Bekannte oder Familienangehörige gehen.

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