Schulleiter verlangen Planungssicherheit für 2014

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Klassenfahrten sind Teil des Schullebens. Die zehnte Klasse der städtischen Realschule machte sich im November auf den Weg nach Berlin. Dort besuchten die Schüler einige Berliner Sehenswürdigkeiten. Ob Alexanderplatz, Bundestag, Friedrichstadtpalast, Kurfürstendamm oder die Berliner Mauer, die Schüler zeigten sich beeindruckt von der vielfältigen Hauptstadt.

Werdohl - „Wenn Klassenfahrten aufgrund des fehlenden Etats wegfallen müssen, ist das eine Tragödie“, beklagt Bernd Bunge. Der Leiter der städtischen Realschule fordert eine schnelle Reaktion von der Landesregierung: „Der Etat muss erhöht werden, wenn die Schulen weiterhin Klassenfahrten und Ausflüge anbieten möchten.“

Hintergrund sind Urteile des Bundesarbeitsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts aus dem vergangenen Jahr. Diese besagen, dass Schulen den Lehrern in Zukunft die Kosten von Klassenfahrten erstatten müssen. Das Gericht begründete den Entschluss damit, „dass das Land in grober Weise gegen seine Fürsorgepflicht verstößt, wenn es die Durchführung von Klassenfahrten von einem Verzicht der Lehrer auf Reisekostenvergütung abhängig macht.“ Dies ist einer Mitteilung der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu entnehmen.

Mit einem Erlass vom 23. Januar stellte die Landesregierung nun zunächst die Finanzierung der bereits geplanten Fahrten in 2013 sicher. Schulministerin Sylvia Löhrmann erklärte, dass sich die Landesregierung dem Druck gebeugt habe und zusätzliche Haushaltsmittel für das laufende Jahr bereit stelle.

„Für das Jahr 2014 ist noch immer alles offen“

„Das schafft natürlich erstmal Erleichterung“, so Bernd Bunges Reaktion auf den Bescheid der Landesregierung. Jedoch schwebten die Planungen für die darauf folgenden Geschäftsjahre weiterhin in der Luft, so der Leiter der städtischen Realschule. „ Für das Jahr 2014 ist alles offen. Wir haben einen Buchungsvorlauf von einem halben Jahr. Eine zeitnahe, dauerhafte Entscheidung ist daher unumgänglich.“ Generell stünde der Realschule pro Geschäftsjahr ein Etat von 700 Euro zur Verfügung, so Bunge. Davon müsste die Realschule die gesamten Fahrtkosten aller Ausflüge eines Jahres decken. „Wenn man aber bedenkt, dass eine Klassenfahrt pro Lehrer schon 250 bis 300 Euro kostet, sieht es für unsere Planungen schlecht aus“, erläutert der Pädagoge weiter.

Insgesamt bräuchte seine Schule in einem Geschäftsjahr also weitaus höhere Mittel, um weiterhin alle Fahrten und Ausflüge anbieten zu können und gleichzeitig die Kosten der Lehrer zu decken. Die Realschule hat bisher in der sechsten Jahrgangsstufe eine Zweitagesfahrt und zu Beginn der siebten Klasse eine fünftägige Klassenfahrt angeboten. Darüber hinaus standen in der zehnten Klasse die Abschlussfahrten auf dem Programm. „Diese Ausflüge stärken den sozialen Zusammenhalt und festigen natürlich auch den Klassenverband“, erläutert Bunge. Wenn diese nun aufgrund des fehlenden Etats wegfallen müssten, sei das eine Tragödie. Generell hält er den Entschluss der Reisekostenvergütung aber für sinnvoll. Zumindest könne man von den Lehrern nicht verlangen, die Ausgaben selbst tragen zu müssen.

„Nicht auf Kosten der Schüler sparen“

So sieht das auch Brigitte Assor, stellvertretende Schulleiterin der Albert Einstein-Gesamtschule. Sie begrüßt das Urteil, kritisiert aber zugleich, dass den Schulen durch fehlende Gelder die Planungssicherheit fehlt: „Bereits gebuchte Fahrten werden auch durchgeführt, es werden keine Ausflüge von uns gestrichen,“ versichert Assor. Schließlich sei die Schule auch Verbindlichkeiten gegenüber den Reiseveranstaltern eingegangen. Brigitte Assor: „Auf uns kämen immense Regressansprüche zu, sollten wir aufgrund des fehlenden Etats Reisen stornieren.“ Für schon geplante Fahrten gelte innerhalb des Kollegiums ein schulinternes Fahrtenkonzept, welches vorsehe, dass jeder Lehrer einen kleinen Betrag des zur Verfügung stehenden Gesamtbudgets erhalte, um wenigstens einen Teil seiner Fahrtkosten zu decken. „Keine Klassenfahrten anzubieten halte ich für falsch, denn dann trägt man diese politische Debatte auf den Schultern der Schüler aus.“

Bezüglich des Erlasses der Landesregierung, dass die Finanzierung der geplanten Fahrten in 2013 gesichert sei, wollte die stellvertretende Schulleitern Brigitte Assor gegenüber unserer Zeitung keine Stellung nehmen.

„Die neue Regelung hat auf unseren Schulablauf keine dramatischen Auswirkungen“, erläutert Thomas Lammers. Der Leiter der Erich Kästner-Hauptschule sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass momentan keine mehrtägigen Klassenfahrten anstünden. Ohnehin böte die Hauptschule ihren Schülerinnen und Schülern eher Tagesfahrten an. „Ich begrüße aber die Entscheidung der Schulaufsicht, dass die Reisekosten der Lehrer erstattet werden“, so Lammers.

Von Friederike Domke

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