Schulentscheid: Alle Karten liegen auf dem Tisch

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Die Mitglieder des Schulausschusses und die Vertreter von Verwaltung und Bezirksregierung waren überall von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften umringt. Trotz der Hitze verlief die Diskussion respektvoll und sachlich, nur gelegentlich spielten Emotionen eine Rolle

Werdohl – „Niemand soll aus dem Saal gehen, ohne dass alle Fragen beantwortet sind.“ Schulausschuss-Vorsitzender Wilhelm Jansen hatte die Sitzung des Schulausschusses mit diesem hohen Anspruch eröffnet.

Und so kam es: Nach knapp drei Stunden lagen alle verfügbaren Informationen auf dem Tisch, die der Rat der Stadt für den von der Bezirksregierung aufgezwungenen Schulentscheid braucht. 

Anmeldezahlen 

Anne Wenner von der Bezirksregierung hatte erklärt, dass 100 Schüler in den Eingangsklassen Pflicht für die Gesamtschule sind. Frühere Rechenspiele von mehr als 80 Anmeldungen spielten am Montag keine Rolle. Die Möglichkeit, in kommenden Jahrgängen von konstant 160 bis 180 Drittklässlern mehr als 100 für die AEG zu gewinnen, bezeichnete sie als „nicht unwahrscheinlich.“ Die Schulaufsichtsbeamtin machte deutlich, dass die Bezirksregierung grundsätzlich wohlwollend gegenüber dem Schulträger handeln werde. Gesamtschul-Referent Okon-Gerling sagte, dass es „mehr als 100 potenzielle Gesamtschüler“ in Werdohl gebe. 

Realschule 132 c 

Wenn sich der Rat für den Fortbestand der Realschule entscheidet, wird diese in eine Realschule nach § 132 c im Schulgesetz umgewandelt. Ab der siebten Klasse muss der Hauptschulzweig angeboten werden. Das Schulkonzept 132 c ist in NRW in der Erprobung. Die neue Realschule müsste in der Lage sein, mehr als 100 Fünftklässler aufzunehmen. Es müsste neben dem Halbtagsangebot ein offener oder gebundener Ganztag entwickelt werden. Die Verwaltung bezweifelt, dass dieses große Raumangebot am Köstersberg zu realisieren ist. Ein Umzug zum Riesei gilt als wahrscheinlich. 

Abitur

Über die Notwendigkeit des Abiturs in Werdohl gibt es unterschiedliche Meinungen. Eine Werdohler Realschul-Lehrerin stellte sich als Mutter von zwei Kindern vor, die ihr Abitur an Lüdenscheider Gymnasien gemacht haben. Den 16-Jährigen täte es gut, die Stadt zu verlassen, sagte sie. Das Abitur in Werdohl brauche niemand. Andere Mütter und Schüler sagten das Gegenteil. Es sei ein Fehler, Abiturienten in andere Städte abwandern zu lassen. 

Hinter den Politikern im Schulausschuss hatten sich Schüler und Schülerinnen der AEG positioniert, um für den Erhalt ihrer Schule mir dem Abitur zu werben.

Im schlechtesten Fall

Für den Fall, dass der Rat für den Erhalt der Gesamtschule stimmt und diese Schulform dennoch nicht genügend Anmeldungen bekommt, wird die Bezirksregierung erneut schulorganisatorische Maßnahmen fordern. In Abstimmung mit dem Ministerium würde die Gesamtschule aufgelöst. Dann müsste entweder eine Sekundarschule oder eine Realschule nach 132 c gegründet werden. 

Unterschriften

Realschulleiterin Langs-Blöink und ihr Team hatten an einem Eiswagen am Stadtfest-Samstag mehr als 1000 Unterschriften zum Erhalt der Schule gesammelt. Langs-Blöink entschuldigte sich fast schon theatralisch für diese Aktion: „Es tut mir unendlich leid.“ Sie meinte, dass das Raumprogramm am Köstersberg auch für eine viel größere Realschule ausreichend sein könnte. 

Schülersprecherinnen 

Sudem Solum sprach für die Realschule, Madeline Neumann für die Gesamtschule. Eine geplante gemeinsame Diskussion scheint nach dem Austausch am Montag eher unwahrscheinlich. Neumann stellte fest, dass in Werdohl rein zahlenmäßig viel mehr Familien das Gesamtschulsystem nutzten als das der Realschule. 

Kollegien 

In Übergangsprozessen sei die Personalsteuerung bei der Bezirksregierung kein Thema, sagte Okon-Gerling.

Mächtige Schüler-Demo im Ratssaal

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