Schulen und Vereine gleichzeitig in der Halle

Günther Nülle setzt auf mehr Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen. ▪ Koll

WERDOHL ▪ „Die kommerziellen Anbieter wie Judo- und Tanzschulen waren – vor allen Dingen in Großstädten – schneller“, gestand Günther Nülle zähneknirschend am Mittwochabend im Ratssaal des Werdohler Rathauses. Der 2. Vorsitzende des Kreissportbundes hatte eingeladen zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Bewegung, Sport und Spiel im Ganztag“.

Mehr als 30 Interessierte aus (Offenen) Ganztagsschulen, Grundschulen und Sportvereinen der Städte und Gemeinden Altena, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade, Schalksmühle und Werdohl waren zur zweistündigen Informationsveranstaltung gekommen. Nülle, der auch Berater im Kreis-Ausschuss für Schulsport sowie Lehrer an einer Förderschule im Nordkreis ist, befindet sich derzeit auf einer Reise durch den Südkreis, um bei fünf Veranstaltungen für Kooperationen zwischen Sportvereinen einer- und Schulen andererseits zu werben. „Ich fordere auch dazu auf, neue Modelle anzudenken.“ So könnten seiner Auffassung nach, Lehranstalten und Vereine schuleigene Turnhallen auch gleichzeitig nutzen – gegebenenfalls nur für eine begrenzte Zeit, etwa in Form einer Schul-AG oder eines Ferienangebotes.

Durch immer mehr Nachmittagsunterricht ergäben sich für Sportvereine Probleme, weil zum einen die Sporthallen „geblockt sind“ und zum anderen die Jugendlichen „erst am späten Nachmittag nach Hause kommen und dann noch Hausaufgaben machen müssen“. Eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein böte somit Chancen für die Sportclubs. „So können Sie Mitglieder werben, Talente sichten und fördern.“ Diese Entwicklung hätten herkömmliche Vereine – im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern – verschlafen.

Für die Schule ergäben sich durch eine Kooperation auch Vorteile. Zum einen würde das Angebot im Ganztag facettenreicher. Zum anderen profitierten die Schüler, die durch ganztägiges Sitzen einrostende Knochen hätten und Übergewicht bekämen. „Aber solch eine Zusammenarbeit“, so Nülle, „kann bis hin zu einer Trägerschaft für eine Ganztagsschule durch den Sportverein gehen.“

Gemeinsam mit Schulen an einem Strang zu ziehen, ist beispielsweise für den Schwimmverein SV 08 Werdohl längst ein alter Hut, wie Peter Guder skizzierte. Und der Vereinsvertreter erklärte zudem, dass er Sponsoren eingebunden hat, um Schwimmkurse an den Grundschulen zu finanzieren. Eine Lehrerin der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) berichtete, dort würde bereits mit einer Mutter kooperiert, die beim HSV aktiv sei und an der Lehranstalt Handballunterricht anbiete.

Doch nicht alle Elternteile sind sportlich vorgebildet, sprich: besitzen einen Übungsleiterschein. Es entstand im Ratssaal eine kontroverse Diskussion darüber, ob nur ausgebildete Trainer Sportangebote im Ganztag ausfüllen sollten. Deshalb gibt es für Honorarkräfte vom Kreissportbund ein Wochenendseminar, dass speziell fortbildet, um im Ganztag Sportaktivitäten anzubieten. Dieses findet am 9. und 10. Juli statt. Samstags geht der Unterricht von 9 bis 18 und sonntags von 9 bis 13 Uhr. Die Leitung hat Kathrin Hilbrandt. Über die Bühne geht der Workshop beim Kreissportbund, Werner Jacobi Platz 12, Iserlohn.

Zur Beruhigung für die Sportvereins-Vertreter stellte Nülle abschließend noch klar, dass die Aufsichtspflicht bei Bewegungsangeboten im Ganztag bei der Schule liege. Auch der Versicherungsschutz sei über die pädagogische Institution gegeben. „Innerhalb der Grenzen des Ganztags handelt es sich ja um eine Schulveranstaltung.“ Andererseits, so betonte Nülle, könnte es sein, dass die Lehranstalt von Übungsleitern ein erweitertetes polizeiliches Führungszeugnis fordere. ▪ Michael Koll

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