Änderungen auch in Kitas

Schulen wieder im Wechselunterricht: So aufwendig ist die Logistik für die Lolli-Tests

Maske auf, Fenster auf, Acrylglasscheibe zwischen Kindern und Lehrerin Lilly Aslan, dazu noch FFP2-Masken und seit Montag die Spucktests – wie hier an der katholischen Grundschule Werdohl hat sich das Corona-Schulleben weitgehend eingespielt.
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Maske auf, Fenster auf, Acrylglasscheibe zwischen Kindern und Lehrerin Lilly Aslan, dazu noch FFP2-Masken und seit Montag die Spucktests – wie hier an der katholischen Grundschule Werdohl hat sich das Corona-Schulleben weitgehend eingespielt.

Die Leiterinnen von Grundschulen und Kindergärten müssen sich ab dieser Woche wieder einmal anderen Corona-Regelungen anpassen.

Bei den Grundschulen ist die Handhabung der Lolli-Tests zu einer logistischen Zusatzaufgabe geworden, die Kindergärten haben von der bisherigen Notbetreuung in den eingeschränkten Regelbetrieb gewechselt. Was das im Einzelnen an Mehrarbeit bedeutet, erklären beispielhaft Maria Apprecht von der katholischen Grundschule Werdohl und Danny Bexten vom evangelischen Familienzentrum Hummelnest Neuenrade.

Wie in allen anderen Elementarschulen auch werden in der Werdohler katholischen Grundschule seit Montag sogenannte Lolli-Tests durchgeführt. Maria Apprecht: „Wir hatten damit in der vergangenen Woche mit den Kindern aus der Notbetreuung herumprobiert, jetzt haben wir damit ein wenig Übung.“ Das Procedere sieht so aus: Jede Klasse ist in zwei Gruppen zum Wechselunterricht aufgeteilt, einen über den anderen Tag kommen die Kinder in die Schule. 200 Jungen und Mädchen sind normalerweise an der Schule, zwölf davon sind momentan in Quarantäne. Jede Hälfte von etwa 90 Kindern besteht aus Gruppen zu zwölf Kindern, der Wechselunterricht geht über die fünf Wochentage hinaus immer weiter.

Kinder kommen ab halb acht

Die Kinder kommen morgens ab halb acht ins Gebäude, um die Begegnungen untereinander gering zu halten. Die Lehrerinnen sind dann schon da. Um 8 Uhr startet die Corona-Testung. Maria Apprecht beschreibt es anschaulich: „Die Kinder sitzen an ihren Plätzen und lutschen 30 Sekunden auf dem Wattestäbchen herum. Dann kommen die zwölf Speichelproben alle zusammen in ein Behältnis, Deckel drauf, Etikett drauf, einscannen, fertig.“

Ist der eigentliche Tests schnell erledigt, geht die Logistik für Lehrerinnen, Leitung und Sekretariat jetzt erst so richtig los. Das Päckchen mit den Proben wird um 10 Uhr von einem Fahrer abgeholt. Alle Werdohler Grundschulen werden nach einem durchgetakteten Zeitplan abgefahren, die Proben kommen in ein Labor in Leverkusen. Insgesamt gibt es 400 Routen durch NRW, auf denen Kuriere Proben durchs Land zu Laboren fahren.

Ist eine Probe positiv, geht es ans Telefonieren

Die Ergebnisse der Tests bekommt die Schulleiterin am Abend per Nachricht auf ihr Handy mitgeteilt. Sind die Zwölfer-Blocktests negativ, kann sich Maria Apprecht anderen Dingen widmen. Ist eine Probe positiv, geht es ans Telefonieren. Alle zwölf Eltern der positiven Test-Gruppe müssen am nächsten Tag einen PCR-Lolli-Test mit ihren Kindern machen. Dazu haben sie ein Notfall-Testset von der Schule mitbekommen. Wegen des Wechselunterrichts besuchen die zwölf Kinder am nächsten Tag ohnehin nicht die Schule, sie sind quasi in Tagesquarantäne. Am Abend ist möglicherweise das eine infizierte Kind durch ein Testergebnis bestimmt, die anderen elf Kinder können am übernächsten Tag wieder in die Schule.

„Die Kinder machen das alles ganz toll mit“, freut sich Apprecht über die folgsamen Jungen und Mädchen. Alles sei schon bis Ostern eingespielt: Lüften, Maske, feste Sitzplätze. Lehrerinnen wie Schulkinder freuten sich auf alles, was Schule irgendwie wieder möglich mache. Die Pandemie habe letztlich dazu geführt, dass zu allen Elternhäusern Kontakte bestehen. Über den Dienst Schoolfox seien tatsächlich alle zu erreichen. Die Digitalisierung sei aber in manchen Familien kaum vorangekommen. Apprecht spricht über einen großen Teil von Eltern mit Schwierigkeiten: „Manche haben nur ein so halb funktionierendes Handy, kaum eine Familie hat W-Lan. Das Sozialamt bewilligt nur 100 Euro für ein Billig-Tablet, das für den Unterricht überhaupt nichts taugt. Genügend Internetvolumen gibt es oft auch nicht.“ Von Eltern werde sie gefragt, ob sie nicht das Tablet zum Laufen bringen könne. Denn noch sind die von der Stadt bestellten und vom Land finanzierten iPads für den digitalen Unterricht nicht da. In manchen Familien gebe es noch nicht einmal einen Tisch, auf dem die Schularbeiten gemacht werden könnten.

„Viel erreicht“ im Pandemie-Jahr

Aber dennoch: „Wir haben sehr viel erreicht in diesem Pandemie-Jahr“, sagt Maria Apprecht. Erreichbarkeit und Vernetzung gerade von bildungsfernen Haushalten seien viel besser geworden. Die Schulgemeinschaft sei in Corona-Zeiten enger zusammengerückt.

An die dauernden Wechsel der Anforderungen hat sich die Neuenrader Kita-Leiterin Danny Bexten immer noch nicht richtig gewöhnt. Praktisch jeden Montag gebe es etwas Neues. Jetzt wieder: Der Wechsel von der Notbetreuung hin zum eingeschränkten Regelbetrieb sei allerdings nicht allzu aufregend gewesen. Von den 45 Kindern in zwei Gruppen seien etwa 75 Prozent in die Notbetreuung gekommen, genau so viele Kinder kämen jetzt in die Regelgruppen. Der Personalaufwand ist nach wie vor groß, weil Kinder verschiedener Gruppen nicht gemeinsam betreut werden dürfen. Vieles sei schwer zu planen: Die Eltern halten die Kinder länger zuhause, wenn sie krank sind, manche Eltern arbeiten in 4-Tage-Woche, dann kommen die Kinder auch nur an diesen Tagen in die Kita.

Permanentes Umplanen

Das permanente Umplanen mit Betreuungszeiten und Personal werfe ständig den Dienstplan über den Haufen. Der Montag bestehe meist darin, erst einmal die neuesten Regelungen zu verarbeiten. „Jede Woche neue Fragen, die ich nicht sofort beantworten kann“, so Danny Bexten.

Eine Schnelltestpflicht besteht im Kindergarten nicht. Die Eltern haben Tests mit nach Hause bekommen. Bexten: „Wir kontrollieren das nicht. Die Eltern sind nur verpflichtet, uns positive Testergebnisse mitzuteilen.“ Manche Kinder würden einen derartigen Widerstand gegen die Abstrichentnahme leisten, den sich manche Eltern nicht antun wollten. Manche Eltern würden ihre Kinder regelmäßig testen. Die Mitarbeiterinnen testen sich bis zu vier Mal pro Woche.

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