Wechselunterricht ab Montag

Schulen bereiten sich auf den Neustart vor

Mund statt Nase: Mit der Rückkehr zum Wechselunterricht an den Grundschulen ab Montag testen sich die Schüler mit den neuen Lolli-Test und nicht mehr wie bisher per „Nasenbohrer“.
+
Mund statt Nase: Mit der Rückkehr zum Wechselunterricht an den Grundschulen ab Montag testen sich die Schüler mit den neuen Lolli-Test und nicht mehr wie bisher per „Nasenbohrer“.

Ab Montag kehren die Schulen im Märkischen Kreis in den Wechselunterricht zurück. Die letzte formale Hürde wurde am Mittwoch genommen: Das Land NRW stellte per Allgemeinverfügung fest, dass die Sieben-Tages-Inzidenz im Kreisgebiet seit fünf Werktagen unter dem Wert von 165 liegt.

Das ist die Voraussetzung für den Restart an Grund- und weiterführenden Schulen, die seit dem 24. März im Distanzunterricht sind.

„Damit können wir ab der nächsten Woche wieder durchstarten“, sagt Realschulleiter Oliver Held erfreut. Bislang werden die meisten Schüler über digitale Wege zu Hause unterrichtet. Nur die zehnten Klassen nehmen in der Schule am Unterricht teil. Zudem gibt es eine Notbetreuung in der Realschule. „Zwischen 65 und 70 Schüler sind im Moment da“, schätzt Oliver Held. In der kommenden Woche wird sich das ändern.

Schüler und Lehrer bereits im langen Wochenende

Als das „Go“ von der Landesregierung am Mittwochnachmittag kam, befanden sich Schüler und Lehrer bereits im langen Wochenende, denn der Freitag nach Christi Himmelfahrt ist ein beweglicher Ferientag.

Vorbereitungen für den Präsenzunterricht wurden daher schon getroffen und die Eltern informiert. „Wir sind jetzt reif für das lange Wochenende und gleichzeitig gerüstet für den Wechselunterricht“, so Oliver Held. „Wir starten mit den Gruppen, die in der Woche vor den Osterferien weniger Unterricht hatten.“ Wegen der damals sehr hohen Inzidenzzahlen hatten einige Schüler der geteilten Klassen den Präsenzunterricht nach nur zwei Tagen wieder abbrechen müssen.

Realschule startet erst am Dienstag

Beginnen wird der Wechselunterricht in der Realschule am Dienstag. Am Montag ist Elternsprechtag. Die Eltern sollen über den Leistungsstand ihrer Kinder informiert werden. In der Pandemie ist das wichtiger denn je, unterstreicht Held.

Die Vorfreude auf den Neustart am Dienstag ist in der Realschule groß. Der Schulleiter hofft, „dass diesmal wenigstens das Wechselmodell bis zu den Sommerferien anhält“. Sinkt die Sieben-Tages-Inzidenz im Kreisgebiet unter 100, dürften sogar wieder alle Schüler täglich kommen. „Jeder Tag Präsenzunterricht zählt“, unterstreicht Held.

Hönnequell-Schule in Neuenrade

Genauso sieht es Eva Päckert, Leiterin der Hönnequell-Schule (HQS) in Neuenrade. Sie sagt: „Unterricht in der Schule wird den Kindern und auch den Lehrern guttun. Online ist keine richtige Option mehr.“ Vor allem nach den Osterferien habe man gemerkt, dass „die Schüler in ein Motivationsloch gefallen“ sind. Richtiger Unterricht sei kaum möglich gewesen, man hätte eher Beziehungspflege betrieben, berichtet Päckert.

Allein deshalb begrüße sie die Wiederöffnung der Schulen. „Für die Schüler ist es superwichtig.“ Auch an der HQS hat man sich Gedanken zur praktischen Umsetzung des Wechselmodells gemacht. Das Leitungsteam hat schon in den Osterferien einen 14-tägigen Stundenplan entworfen. Die Schüler wechseln halbwöchig. In den Jahrgängen fünf und sechs ist Gruppe A zum Beispiel montags und dienstags an der Reihe, in der Folgewoche montags, dienstags und mittwochs. Bei Gruppe B ist es umgekehrt.

Eltern über das Schulportal informiert

Den Stundenplan habe man so gestaltet, dass beide Gruppen zumindest in den Hauptfächern wöchentlich möglichst gleich viele Stunden haben, erläutert Eva Päckert. Weil soweit alles vorbereitet war, mussten die Eltern der Schüler nur noch über das Schulportal informiert werden, als die Entscheidung der Landesregierung am Mittwochnachmittag gefallen war.

An der Hönnequell-Schule und auch an der Realschule in Werdohl starten Mitte kommender Woche übrigens die zentralen Abschlussprüfungen für die Zehntklässler. Dadurch werde es sicherlich zu ein paar Einschränkungen kommen, weil die Prüfungsgruppen aus Infektionsschutzgründen aufgeteilt werden müssen und daher mehr Lehrkräfte für die Aufsicht gebunden sind.

Maskenpflicht und Selbsttests

Im normalen Schulbetrieb bleiben an beiden weiterführenden Schulen die Hygienekonzepte mit Maskenpflicht und regelmäßigen Selbsttests bestehen. Anders wird mit der Situation an der städtischen Gemeinschaftsgrundschule in Werdohl umgegangen. Mit dem Start des Wechselunterrichts kommen dort ab Montag die sogenannten Lolli-Tests zum Einsatz.

So funktionieren die Lolli-Tests

Die Kinder lutschen etwa 30 Sekunden auf einem Abstrichstäbchen – dem Lolli. Die Speichelprobe kommt zusammen mit allen anderen Proben aus der Klassengruppe in ein gemeinsames Röhrchen. Die vermischte Probe nennt man auch Pool-Probe. Diese kommt ins Labor und wird untersucht. Das Ergebnis gibt es in der Regel innerhalb eines Tages. Wenn der Test mit allen Proben positiv ausfällt, heißt das, dass mindestens ein Schüler infiziert sein könnte. Alle Teilnehmer müssen sich in dem Fall sofort in Quarantäne begeben und einen weiteren individuellen PCR-Test machen. Für die zweite Probe bekommen die Schüler ein Testkit mit nach Hause. Den individuellen Abstrich ihres Kindes müssen die Eltern in der Schule abgeben. Von dort aus wird er in das Labor geschickt.

„Wir haben sie schon hier“, sagt Nina Manns, die die Gemeinschaftsgrundschule leitet. Erste Probeläufe habe man seit Montag mit den Kindern in der Notbetreuung durchführen können. Im Vergleich mit den Selbsttests per Nasenabstrich hätten die Kinder die Lolli-Tests fast einstimmig als angenehmer bewertet. Bei den Lolli-Tests handelt es sich um PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden und daher etwas Vorlaufzeit benötigen. Bis 6 Uhr am Folgetag soll das Ergebnis der Pool-Probe vorliegen. Sie beinhaltet die Abstriche der Klassengruppe.

Ein Testkit mit zwei Stäbchen

Ist der Pool-Test positiv, muss jeder Schüler einen individuellen PCR-Test machen. Auch dieser funktioniert nach dem Lolli-Verfahren. Ein Testkit mit zwei Stäbchen für die Entnahme der Proben sollen die Schüler an ihrem jeweils ersten Schultag bekommen und mit nach Hause nehmen. Mit den Lolli-Tests schreibt die Landesregierung vor, dass an den Grundschulen die Gruppen im tageweisen Wechsel unterrichtet werden.

Nina Manns ist froh, dass sie die Lolli-Tests nun zur Verfügung hat. Sie seien im Schulalltag nicht nur schneller zu machen, sondern „wir fühlen uns damit in der Schule auch sicherer“. Die PCR-Tests würden eine Infektion früher erkennen als die Selbsttests und daher das Risiko der Virusübertragung weiter reduzieren.

Es wird „aufregend und spannend“

Nina Manns sagt gleichzeitig aber auch: „Es wird jetzt noch einmal aufregend und spannend. Es sind viele Räder, die bei den Lolli-Tests ineinander greifen.“ Das Logistikunternehmen zum Beispiel, das die Tests in der Schule abholt, um sie in ein Labor zu bringen, dürfe keinen Stau haben. Auch die Lehrer müssten sich mit dem neuen Konzept erst vertraut machen. Dennoch überwiege die Freude, die Kinder wiederzusehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare