Schulleiter kritisieren den Märkischen Kreis

Schulen ab Mittwoch wieder zu: Das ändert sich bis zu den Osterferien

Homeschooling ist mit Ausnahme der Abschlussklassen ab Mittwoch wieder an den Schulen des Märkischen Kreises angesagt.
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Homeschooling ist mit Ausnahme der Abschlussklassen ab Mittwoch wieder an den Schulen des Märkischen Kreises angesagt.

Ab Mittwoch und damit drei Tage vor dem Beginn der Osterferien gehen die Schulen im Märkischen Kreis (mit Ausnahme der Abschlussklassen) wieder komplett in den Distanzunterricht.

Nachdem der MK auch am Dienstag mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 215,2 Personen pro 100 000 Einwohner, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, landesweit der Corona-Hotspot war, teilte der Märkische Kreis mit, seine Corona-Allgemeinverfügung entsprechend ändern zu wollen.

Dies sei laut Mitteilung des Kreises „im engen Austausch mit dem NRW-Gesundheitsministerium“ geschehen. In Bezug auf Kindertageseinrichtungen bleibt es den Eltern ab sofort freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Kitas bringen. In den Schulen wird für die drei Tage bis zu den Ferien eine Notbetreuung für Schüler der Klassen eins bis sechs eingerichtet. Eltern müssen einen Antrag stellen, wenn sie diese in Anspruch nehmen wollen.

Im ersten Anlauf noch auf die große Notbremse verzichtet

Am Donnerstag vergangener Woche hatte der Kreis bei einer ersten Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen trotz bereits zu diesem Zeitpunkt massiv steigender Inzidenzzahlen noch darauf verzichtet, die große Notbremse auch in Form von Schulschließungen zu ziehen, und dies unter anderem damit begründet, dass 70 Prozent aller Infektionen im privaten Bereich registriert würden. „Wir setzen auf verhältnismäßige Maßnahmen, die zum Infektionsgeschehen passen und von denen wir uns ganz gezielt Effekte erhoffen“, hatte Landrat Marco Voge (CDU) gesagt. So hatte der Kreis unter anderem Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich auf maximal fünf Personen aus zwei Hausständen festgelegt und eine Maskenpflicht im Umkreis von 150 Metern um alle Schulen und Kitas erlassen.

Das Ergebnis: „In knapp einer Woche hat es eine Steigerung des Infektionsgeschehens im Kreis um etwa 40 Prozent gegeben“, sagte Alexander Bange, Pressesprecher des Märkischen Kreises, auf Anfrage der Redaktion. Die Gesamtsituation habe sich deshalb geändert. Die weiter steigenden Inzidenzzahlen seien in die Entscheidung, die Schulen wieder zu schließen, mit eingeflossen.

Großteil der Infektionen weiterhin im privaten Bereich

Der Großteil der Infektionen geschehe allerdings weiterhin im privaten Bereich. „Wir sind mittlerweile bei einem Prozentwert von fast 80“, sagte Bange. Weil insgesamt die Zahl der Infektionsfälle aber sehr hoch sei, ließe es sich ohne eine Rückkehr zum Distanzunterricht nicht verhindern, diese Infektionen aus dem Privaten auch in die Schulen zu tragen. „Es handelt sich also auch um eine präventive Maßnahme“, sagte Bange.

Für Oliver Held, Rektor der Realschule in Werdohl, war die Entscheidung der neuerlichen Schulschließungen letztlich unausweichlich, nachdem Kommunen mit niedrigeren Inzidenzwerten diesen Schritt zuvor bereits gegangen waren. „Es ist doch klar, dass das hohe Infektionsgeschehen im Kreis auch Auswirkungen auf die Schulen und damit natürlich auch die Sicherheit der Schüler und Mitarbeiter hat“, sagte Held.

Einige Schüler hatten erst wieder zwei Präsenztage

Die Realschule hatte beim Wechselunterricht mit halbierten Klassengrößen auf eine wochenweise Präsenz der Schüler gesetzt, sodass rund die Hälfte der Schüler erst zwei Tage zurück in der Schule am Köstersberg war. „Nachdem wir schon vor Weihnachten schnell schließen mussten, konnte ich jetzt gerade noch die Nikoläuse für die Schüler, die seitdem in meinem Büro lagen, verteilen, bevor jetzt wieder Schluss ist“, sagte Held.

Vor den Ferien die Unterrichtsform nun noch mal umstellen zu müssen, bezeichnete Held als einen „letzten Kraftakt“, die Entscheidung des Kreises aber durchaus als richtig und verantwortungsvoll. Denn in den vergangenen Tagen habe er immer mehr Anfragen besorgter Eltern und Kollegen bezüglich der Sicherheit erhalten.

Pläne waren auf Wechselunterricht umgestellt

„Ich hätte mir eine schnellere Reaktion des Kreises gewünscht“, hätte Maria Apprecht, Leiterin der Grundschule St. Michael, die Schulen schon einige Tage früher wieder geschlossen. Der Versuch, möglichst lange durchhalten zu wollen, sei lediglich Aktionismus gewesen. „Jetzt müssen wir spontan sein und wieder umplanen“, sagte Apprecht.

Nachdem die Schule ihre Pläne auf Wechselunterricht umgestellt hat, erfordert dies jedoch einiges an organisatorischem Aufwand. „Der Unterricht war darauf angepasst. Weil die Kinder im tageweisen Wechsel gekommen sind, haben sie einen Teil des Materials jetzt in der Schule. Da werden wir wieder einen Tag einplanen müssen, an dem das Material abgeholt werden kann, damit die Kinder daheim vernünftig arbeiten können“, so Apprecht.

Viele Anfragen besorgter Eltern

Auch bei ihr hätten sich zuletzt die Anfragen von Eltern gehäuft, die sich um die Sicherheit ihrer Kinder in der Schule sorgten. An der Grundschule St. Michael hatte es seit der Rückkehr zum Wechselunterricht ab Anfang Februar fünf Corona-Fälle gegeben, zwei Unterrichtsgruppen mussten zeitweise in Quarantäne.

Apprecht rechnet damit, dass es auch nach den Ferien wohl mindestens bis zum 18. April – bis zu diesem Datum haben Bund und Länder den Lockdown verlängert – nur Homeschooling geben wird. Das konnte Kreispressesprecher Alexander Bange am Mittwoch allerdings nicht bestätigen. Die Regelung gelte zunächst für diese Woche. In den Ferien werde der Krisenstab es Märkischen Kreises erneut tagen und sich dann auch mit der Frage beschäftigen, wie es ab dem 12. April in den Schulen weitergehen soll.

Entwicklung war für AEG-Schulleiter absehbar

Sven Stocks, Leiter der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) hofft bis dahin auf ein Greifen der verschärften Corona-Schutzmaßnahmen, um nach den Ferien mit einem Wechselmodell weitermachen zu können. Die Gesamtschule hatte am Dienstagvormittag noch die Selbsttests mit den Schülern (ein positives Ergebnis) durchgeführt, ehe am Mittag die neuerlichen Schulschließungen bekannt wurden. „Die Inzidenzen im Kreis sind besorgniserregend, sachlich gibt es deshalb an dieser Entscheidung nichts auszusetzen“, kritisierte Stocks aber die Kurzfristigkeit der Entscheidung: „Um vernünftig planen zu können, benötigen die Schulen einen längeren Vorlauf. Diese Hektik jetzt hätte nicht sein müssen, denn so unabsehbar war die Entwicklung nicht.“

Die Abschlussjahrgänge 10, 12 und 13 dürfen auch ab Mittwoch noch in die Schule kommen, alle anderen Gesamtschüler verabschieden sich mit drei Tagen Homeschooling in die Ferien.

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