Pausenarmes Arbeiten an Schulen

Schule in Corona-Zeiten: Lehrer gehen "am Krückstock"

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Der Corona-Betrieb in den Werdohler Schulen hat sich inzwischen gut eingespielt.

Werdohl - Das ist das Fazit, das die Schulleiter Sven Stocks (Albert-Einstein-Gesamtschule), Oliver Held (Realschule), Maria Apprecht (St. Michael Grundschule), Nina Manns (städtische Gemeinschaftsgrundschule) und Britta Schwarze (Martin-Luther-Grundschule) ziehen. Gerade für die Grundschullehrer sei der tägliche Umgang mit den Corona-Maßnahmen aber eine Herausforderung. 

„Die Situation geht den Lehrern an die Substanz. Einige der Kollegen gehen unter der Belastung sprichwörtlich schon am Krückstock – und das nach nur fünf Wochen“, sagt Nina Manns. Richtige Pausen mit festen Zeiten fielen größtenteils flach, ebenso der Austausch im Kollegium, denn die Lehrer begleiteten die Schulklassen nicht nur im Unterricht. Auch auf dem Pausenhof müssten sie aufpassen, dass Regeln und Abstände eingehalten werden. Zeit für Treffen im Lehrerzimmer gibt es kaum. 

Tagesablauf ist straff organisiert

Diesen Eindruck bestätigen Britta Schwarze und Maria Apprecht. „Es ist für uns alle deutlich anstrengender“, sagt Britta Schwarze. An der Martin-Luther-Grundschule sei der Tagesablauf straff organisiert. Ebenso an der katholischen Grundschule St. Michael. Leiterin Maria Apprecht berichtet, dass sie seit Wiederbeginn des Präsenzunterrichtes Frühaufsicht macht. Das bedeutet, dass sie ab 7.30 Uhr auf dem Schulhof steht, wo sie die Ankunft der Kinder überwacht. In den vergangenen Wochen habe sich eine Routine eingespielt. Das Aufstellen in Reihen vor dem Betreten des Schulgebäudes funktioniere eigenständig. Einen kleinen Vorteil biete die Frühaufsicht für Apprecht: „Ich lerne auf diese Weise viele Eltern kennen und führe Gespräche zu dem Thema.“ 

Stolz ist Apprecht darauf, wie flexibel das Lehrerkollegium mit der Situation umgeht. Der Unterrichtsplan zum Beispiel galt früher für den ganzen Tag. Jetzt müsse die Schulleiterin oft zu den Lehrern sagen: „Der Plan ist Stand 12.02 Uhr. Um 12.04 Uhr kann es schon wieder ganz anders aussehen.“ 

Erstklässler besonders diszipliniert

Besonders gut gingen auch die Grundschüler selbst mit der Situation um, erzählen die Schulleiterinnen. Herausragend seien die ersten Klassen. Denn sie kennen einzig den Schulalltag unter Corona-Bedingungen, anders als die Schüler der zweiten und dritten Klassen, die sich erst umgewöhnen mussten. „Man kann allgemein sagen: Es läuft viel besser, als wir befürchtet hatten“, sagt Nina Manns. An den weiterführenden Schulen findet der Präsenzunterricht schon länger wieder statt. 

An der Gesamtschule gab es auch bereits einen bestätigten Coronafall. Sechs Personen waren deshalb in Quarantäne. Schulleiter Sven Stocks befürchtet, dass im Falle einer weiteren Infektion eine größere Gruppe in Quarantäne geschickt werden muss. Denn inzwischen ist die Maskenpflicht aufgehoben und das Ansteckungsrisiko daher potenziell größer. „Von Normalität kann man im Schulalltag sicher nicht sprechen. Es ist ein Regelbetrieb, der vielen Einschränkungen unterworfen ist“, betont Stocks. Das Kollegium setze dennoch alles daran, diesen Betrieb aufrechtzuerhalten. Der Präsenzunterricht sei enorm wichtig. 

Oliver Held sieht das ähnlich: „Der sachgerechte Umgang mit der Situation ist alternativlos. Wir müssen da jetzt gemeinsam durch. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist im Schulalltag bei allen deutlich spürbar.“ 

Sparkasse spendet 8000 Euro

In all dem Trubel, dem sich die Schulleiter täglich ausgesetzt sehen, gab es jetzt auch einen erfreulichen Termin. Am Donnerstag durften sie sich einen Scheck in der Sparkasse abholen. Denn die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis unterstützt die Schulen in Werdohl im Corona-Jahr mit einer Spende, die aus der Sparlotterie stammt. Insgesamt 8000 Euro wurden zusammengetragen und von Vorstandsmitglied Mike Kernig und Marktbereichsleiter Jürgen Brill übergeben. 

Einen Scheck über 8000 Euro übergab die Sparkasse am Donnerstag den Werdohler Schulen. Anhand der Schülerzahl wurde die Summe aufgeteilt. Den größten Teil sicherte sich mit 3000 Euro die Albert-Einstein-Gesamtschule.

Das Geld wurde nach der Zahl der Schüler aufgeteilt. Den größen Batzen erhielt mit 3000 Euro die Albert-Einstein-Gesamtschule. 1700 Euro gingen an die Realschule, 1600 Euro erhält die Gemeinschaftsgrundschule. Über jeweils 850 Euro dürfen sich die St.-Michael- und die Martin-Luther-Grundschule freuen. 

Geld ist bereits verplant

Pläne für die Verwendung des Geldes gibt es schon: An der AEG sollen die Mittel für die Digitalisierung genutzt werden. Außerdem werden Materialien für die Ganztagsbetreuung angeschafft und der Schulhof mit weiteren Bewegungsmöglichkeiten verschönert, erläutert Sven Stocks. Britta Schwarze möchte das Geld ebenfalls für die Ganztagsbetreuung nutzen. Dort soll ermöglicht werden, dass die Erstis so früh wie möglich einen Bezug zum Wasser bekommen. Denn immer weniger Kinder im Grundschulalter können schwimmen. An der Gemeinschaftsgrundschule möchte Nina Manns den Bitten einiger Sportlehrer folgen und sich um Ersatz für die teils veralteten Sportgeräte kümmern. Unter anderem sei die Anschaffung von Trampolinen und Hallenhockey-Utensilien geplant. Maria Apprecht strebt die Durchführung von Gemeinschaftsprojekten an, möchte einen Teil des Spendengeldes dafür nutzen. „Gemeinschaft ist wichtig, gerade in diesem Jahr, wo durch Corona so viel Separation stattfindet.“ 

An der Realschule ist der Schulhof coronabedingt in verschiedene Bereiche eingeteilt. Für jeden Bereich sollen dank der Spende mobile Spielgeräte angeschafft werden, denn „die Pause kann sonst trist sein, wenn man gerade im falschen Bereich des Schulhofs ist“, erklärt Oliver Held. Der Schulleiter möchte die Mittel außerdem für die Bestenförderung im Fach Englisch nutzen. Gebühren für das Cambridge-Zertifikat könnten finanziert werden. 

Kernig: "Brauchen Nachwuchskräfte"

Sparkassen-Vorstandsmitglied Mike Kernig lobt die Vorhaben der Schulleiter und wünscht ihnen viel Erfolg. Er betont, dass es der Sparkasse wichtig sei, die Einrichtungen zu unterstützen: „Für uns hat das etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Es ist wichtig, junge Menschen zu unterstützen, die wir in unserer Gesellschaft, in Werdohl und auch in der Sparkasse als Nachwuchskräfte brauchen.“

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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