Schuldner werden immer mehr und immer jünger

Ulrike Weißberg berät im Auftrag der Awo Schuldner in Werdohl.

WERDOHL ▪ „Die meisten Schuldner, die in unsere Beratungsstellen kommen, haben tatsächlich kaum Aussichten, ihre Schulden zurückzuzahlen.“ Ulrike Weißberg von der Schuldnerberatung der Awo hat jetzt den Jahresbericht für die Beratunggstellen auf der Lenneschiene vorgelegt.

In Werdohl wird die Beratung an der Schulstraße 2 angeboten. Hier gab es im Jahre 2009 120 Ratsuchende, die schon seit langer Zeit betreut werden. Das ist die höchste Zahl an Schuldnern, die in eine Beratungsstelle der Awo auf der Lenneschiene kommen. In Werdohl kommen noch etwas mehr als 160 Kurzzeitberatungen von unter einer Stunde dazu.

Zwei Drittel der Ratsuchenden liegen mit ihrem Einkommen an der Pfändungsgrenze. Bei Alleinstehenden liegt diese bei rund 990 Euro. Dieser Betrag ist vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Weißberg: „Verhandlungen mit Gläubigern mit dem Ziel einer außergerichtlichen Schuldenregulierung gestalten sich bei einer solchen Ausgangslage als durchweg schwierig.“ Die private Insolvenz ist oft der einzige Ausweg aus der Überschuldung.

Die Statistik zeige auch, dass die Klientel immer jünger wird. Vor fünf Jahren hatten 37 Prozent ihre erste Verschuldung im Alter von 25 Jahren, mittlerweile sind es 47 Prozent. Vielen Schuldnern fehle eine Erziehung in Finanzfragen durch Eltern und Schule, überdies sei die virtuelle Finanzwelt für immer mehr Menschen schlechter zu durchschauen. Weißberg: „Es gibt heute kaum ein Konsumgut, das nicht auf Raten gekauft werden kann.“ 40 Prozent der Ratsuchenden haben mehr als 25 000 Euro Schulden, nur 30 Prozent haben Schulden in überschaubarem Rahmen.

Der häufigste Grund von Überschuldung ist Arbeitslosigkeit (32 Prozent), dann folgt schon selbstverschuldetes Konsumverhalten (16 Prozent). Scheidung und Trennung bescheren weiteren 15 Prozent die Überschuldung. 42 Prozent der beratenen Haushalte beziehen Arbeitslosengeld II.

Von Volker Heyn

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