Urteil im Versetaler Hähnchenstreit fällt am 21. Februar

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Mit witzigen Sprüchen auf Plakaten und T-Shirts warben die Versetaler Schützen für das Hähnchenspektakel. Damals waren Uwe Bettelhäuser (2. von links) und Frank Herber (knieend) noch Schützenbrüder. Mittlerweile treffen sie sich vor Gericht.

Werdohl - In die nächste Runde ging am Dienstag der Versetaler Hähnchengrillstreit im Amtsgericht Altena. Richter Felix Langerbein hatte drei Zeugen geladen, um aus erster Hand Hinweise auf die Eigentumsverhältnisse an dem Grill zu bekommen.

Wie berichtet, betrachten sowohl die Kläger des Versetaler Schützenvereins, vertreten durch den Vorsitzenden Frank Herber und den Geschäftsführer Jürgen Wehlus, als auch der Beklagte Uwe Bettelhäuser den drei mal fünf Meter großen Hähnchengrill als ihr Eigentum. Wie konnte es zu derart konträren Auffassungen hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse kommen?

Alles begann damit, dass der Männergesangverein „Schwarze Ahe“ die beliebten Hähnchenspektakel nicht mehr organisieren wollte. Die Ehefrau des Kassierers des Schützenvereins war finanziell in der Lage, 2500 Euro für den Grill vorzustrecken. „Ich war selbstständig, ich hatte das Geld und konnte es vorübergehend zur Verfügung stellen.“

Gemeinsam mit dem Beklagten Uwe Bettelhäuser eröffnete sie ein Konto. Darauf flossen fortan die Erträge aus den Hähnchengrill-Events. Ihre 2500 Euro wurden ihr davon zurückerstattet. Bettelhäuser war damals Zugführer des dritten Zuges, der durch seine Aktivitäten das Vereinsleben des Versetaler Schützenvereins stark bestimmte.

Steuer-Experte empfahl GbR-Gründung

Jetzt kommt die Gesetzeslage ins Spiel: Die Eröffnung eines Gemeinschaftskontos bedeutete letztlich die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Nach Auffassung von Uwe Bettelhäuser und seinem Anwalt wurde er auf diesem Wege zu einem der beiden verantwortlichen Betreiber der Hähnchenspektakel und – so darf man diese Position wohl deuten – zum vorrangigen Nutznießer der erwirtschafteten Erträge, aus denen der Grill bezahlt wurde.

Die Position der klagenden Vereinsspitze ist eine andere: „Der Zug 3 und später der Gesamtverein sollte den Grill bekommen“, erinnerte sich der Kassierer.

Mit einem wachen Instinkt für mögliche rechtliche Probleme hatte sich die Vereinsführung vor dem Kauf schlaugemacht: Ein Steuerfachangestellter traf sich mit dem „Hähnchen-Team“, das aus rund einem halben Dutzend Vereinsmitgliedern und ihren Frauen bestand. Der Fachmann beriet in wirtschaftlichen Fragen, klärte Chancen und Risiken sowie steuer- und gesellschaftsrechtliche Fragen.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass aus rechtlichen Gründen nicht der Verein, sondern das „Hähnchen-Team“ als Betreiber des Grills fungieren sollte. Der Steuerfachmann empfahl die Gründung einer GbR aus diesem Kreis, die die entstehenden Erträge versteuern sollte. „Der Grill sollte diesem Team gehören, und auf keinen Fall dem Zug oder dem ganzen Verein.“ Tatsächlich gehörten rein rechtlich dieser GbR letztlich nur die beiden bereits genannten Personen an.

Verein sollte immer Zugriff haben

„Für mich war klar, dass der Verein immer Zugriff auf den Grill haben sollte“, verwies Kassierer Michael Grünhagen auf den engen Zusammenhang von Verein und Grillbetreibern. Beim Hähnchenspektakel erwirtschafteten Vereinsmitglieder die Erträge. Außerdem bestand ein organisatorischer Zusammenhang mit den weiteren Angeboten des Hähnchenfestes: Getränkeausschank und Kuchentheke.

Der Beklagte widersprach: „Das Hähnchenteam sollte die alleinige Entscheidung haben – nicht der Verein, nicht der Zug 3.“ Die ganze Veranstaltung sei durch dieses Team ins Leben gerufen worden, behauptete Uwe Bettelhäuser.

Ohne ernst zu nehmendes Echo verhallte die obligatorische Frage von Richter Felix Langerbein, ob es eine gütliche Einigung geben könne. Seinen Hinweis „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ verband er mit dem Hinweis auf die (einstige) Schützenbruderschaft der Streithähne.

Es wird Verlierer geben

Aufgrund eines mehrheitlichen Mitgliederbeschlusses wurden die Züge zugunsten des Gesamtvereins aufgelöst, Bettelhäuser kündigte damals auf der Stelle seine langjährige Vereinsmitgliedschaft. Er behielt allerdings den Schlüssel zu dem Container, in dem der Grill auf dem Schützengelände aufbewahrt wird.

Welche Motivlage dahinter steckt, kann sich jeder nur selber denken. Die Kläger lehnten jedenfalls Uwe Bettelhäusers „großzügiges“ Ansinnen ab, den Grill für weitere Hähnchenfeste leihen zu dürfen. Auf diesem Wege hätten sie dessen Besitzansprüche akzeptiert. Deshalb konnte die mittlerweile als „Hähnchenspektakel“ bekannte Veranstaltung im vergangenen Jahr nicht stattfinden.

Bettelhäuser selber zeigte sich darüber hinaus nicht bereit zu einem Vergleich: „Wir kommen um eine Entscheidung nicht herum“, verkündete sein Anwalt am Ende der Sitzung. Richter Felix Langerbein will sein Urteil am 21. Februar ab 9 Uhr im Amtsgericht Altena verkünden. Es wird dabei Verlierer geben – so oder so.

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