Schützenfest 2011 steht auf der Kippe

Schützenkönig Udo Müller (l.) findet möglicherweise keinen Nachfolger, wenn der Schützenverein nicht so schnell wie möglich seine Geschäftsfähigkeit wiedererlangt.

WERDOHL ▪ Vorsitzender Andreas Schreiber erhöht den Druck vor der Herbstversammlung des Schützenvereins: Findet sich kein Geschäftsführer – so spitzt er die Situation zu – müssten die bereits geschlossenen Verträge für das Schützenfest 2011 rückgängig gemacht werden. Auf die Schützen wartet Freitagabend ab 19.30 Uhr im Vier Jahreszeiten eine dramatische Versammlung.

Der Vorstand hat unverkennbar eklatante personelle Schwierigkeiten, auf die Vorsitzender Schreiber offensiv hinweist. Aus immer noch nicht ganz geklärten Gründen trat in der Frühjahrsversammlung der bisherige erste Geschäftsführer Michael Schürmann zurück. Er sprach von rechtlichen und verfahrenstechnischen Unstimmigkeiten zwischen Jugendleitern und Hauptvorstand. Danach verkündete er seinen Rücktritt und verließ den Saal.

Persönliche Querelen

wurden offenkundig

In der Versammlung Ende April wurde deutlich, dass es zwischen verschiedenen Blöcken im Verein zu Querelen gekommen war. Einige Vorstandsmitglieder kassierten bei den Wahlen ungewöhnlich viele Nein-Stimmen, so auch der zweite Vorsitzende Dieter Kellmann. Später wurde es sogar tumultartig, als es um das bevorstehende Schützenfest im Sommer ging. In heftigen Wortbeiträgen offenbarte sich die Zerrissenheit des Vereins.

Im Oktober kam es noch dicker: Der zweite Geschäftsführer Torsten Stegemann kündigte für die heutige Versammlung seinen Rücktritt an. Er sei beruflich und persönlich stark belastet und müsse die Notbremse bei seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten ziehen, sonst leide seine Gesundheit. Die jüngste Hiobsbotschaft erreichte Schreiber dann am Mittwoch: Der kommissarisch eingesetzte Geschäftsführer Lutz Janikowski erklärte, dass er für keine größeren Aufgaben im Verein zur Verfügung stehe. Janikowski ist Auszubildender und muss sich auf Prüfungen vorbereiten.

Im Ergebnis ist der Schützenverein mit dem Rücktritt von Stegemann am Freitag geschäftsunfähig. Laut Satzung müssen einer der beiden Vorsitzenden und einer der beiden Geschäftsführer per Unterschrift den Verein nach außen vertreten. Jetzt besteht zwar die Möglichkeit, die Geschäftsfähigkeit durch eine teure Satzungsänderung wiederherzustellen, doch damit wären die Probleme nicht gelöst. Schreiber: „Wir Vorsitzenden können die Arbeit der Geschäftsführung nicht zusätzlich übernehmen.“

Schreiber wirft das Schützenfest in die Waagschale. Die bereits geschlossenen Verträge zur Vorbereitung des Festes 2011 müssten schlimmstenfalls rückgängig gemacht werden. Das Fest könne schlicht und einfach nicht gefeiert werden, wenn sich keine arbeitsfähige Geschäftsführung finde. Die Arbeit müsse dauerhaft und zuverlässig jemand übernehmen, zumal die Verhandlungen mit Schaustellern, Musikzügen und Festwirten nicht immer einfach seien.

Schreiber setzt auf

das Prinzip Hoffnung

Wie geht es weiter mit dem Werdohler Schützenverein? Schreiber setzt auf das Prinzip Hoffnung. In den Herbstversammlungen der Kompanien gab es keine konkreten Vorschläge für die Besetzung der Geschäftsführung. Aus dem Vorstand könne kein Kandidat „aus dem Hut gezaubert“ werden. Schreiber: „Wir müssen uns als Verein fragen, ob unter diesen Vorzeichen das Schützenfest noch zu realisieren ist.“

Der 39-jährige Schreiber wurde Anfang 2009 zum Vorsitzenden gewählt, vorher war er Adjutant, davor Jugendleiter. Er will an das Verantwortungsgefühl der Mitglieder appellieren. Ansonsten bleibt die Hoffnung: „Irgendwie wird es schon weitergehen.“

Von Volker Heyn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare