Schülerverzeichnis von 1912/1913 bietet Einblick in Werdohls Geschichte

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Werdohler Schülerverzeichnisse, wie das aus dem Schuljahr 1912/1913, gibt es kaum noch.

Werdohl - Im Nordatlantik versinkt die Titanic, Woodrow Wilson wird 28. Präsident der USA und Robert Falcon Scott startet seine tödlich endende Expedition zum Südpol. Im Jahr 1912 ist viel los – in Werdohl besuchen derweil Albert Gierse und  Karl Hufnagel die katholische Schule zu Werdohl.

Das Schülerverzeichnis aus dem Schuljahr 1912/1913, das im Keller des Bahnhofsgebäudes im Stadtarchiv lagert, bietet mehr als nur eine Liste von Schülern. 

Beschäftigt man sich näher mit dem Schriftstück, offenbart sich ein Blick in die Werdohler Gesellschaft zu dieser Zeit. „Es sind zum Beispiel auch die Berufe der Eltern eingetragen“, merkt Reinhild Wüllner-Leisen, Stadtarchivarin Werdohls, an. Demnach lebte man in Werdohl bescheiden. Bäcker, Postbeamte, Schreiner, Lokomotivführer, Tagelöhner, Schneider – und vor allem Fabrikarbeiter. „Davon gab es sehr viele“, sagt Wüller-Leisen. 

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Werdohl bereits zu einem Industrie-Standort entwickelt und produzierte Draht, Eisen und Stahl. Seit der Einführung der Ruhr-Sieg-Strecke 1861 konnte man mit dem modernen Transportmittel Waren in weit entlegene Städte bringen, die vorher nicht erreichbar waren. Dadurch stiegen die Aufträge und Einnahmen und die Industrie in Werdohl wuchs weiter. „Die Industrie war hier sehr stark“, betont Wüllner-Leisen. Dies zog Arbeiter und ihre Familien aus anderen Städten an. 

„Einige der eingetragenen Schüler sind nicht in Werdohl geboren“, sagt Wüllner-Leisen. Aus Düsseldorf, Iserlohn, Hohenlimburg oder Dortmund kamen die Familien, aber auch aus Straßbourg und Posen. „Dieses Verzeichnis bietet einen Einblick in die Geschichte Werdohler Familien“, sagt Wüllner-Leisen. Allein zu erfahren, wie in der Arbeiterklasse Eltern ihre Kinder um die Jahrhundertwende nannten, sei schon interessant. Rudolf, Fritz, Peter, Leonhard oder Emil hießen Jungen, Anne, Marina oder Frida die Mädchen. 

Es gibt nur wenig historische Schülerverzeichnisse aus Werdohl im Archiv. „Viele sind wahrscheinlich einfach weggekommen“, vermutet Wüllner-Leisen. Umso wertvoller ist die Akte aus dem Schuljahr 1912/1913, die einen kleinen Einblick in Werdohls Geschichte gibt.

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