Schnupperkurs im Arbeiten

Neuntklässler absolvieren Schülerpraktika in heimischen Betrieben

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Nach fast zwei Wochen in der Pumpenmontage der Firma Kracht hat Praktikant Max Wendler schon etwas Routine erlangt. Davon konnten sich sein Lehrer Zlatko Kladic /(links) und Kracht-Monteur Yilmaz Abanoz (rechts) überzeugen.

Werdohl - 90 Mädchen und Jungen der Gesamtschule sind derzeit in rund 70 heimischen Betrieben. Beim Praktikum sammeln sie Einblicke in Berufe, die sie mal lernen möchten – oder auch nicht.

Sie arbeiten beim Friseur und im Kindergarten, in der Bank und und im Restaurant, in Industriebetrieben, bei Handwerkern und im Krankenhaus: Die Neuntklässler der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) lernen gerade den Unterschied zwischen Schul- und Arbeitswelt kennen. Den meisten macht dieser Perspektivwechsel Spaß. Bei Stippvisiten in den Praktikumsbetrieben gibt es nur wenige kritische Stimmen. 

Die 16-jährige Tara-Tamira Fidorra beispielsweise hat sich für eine etwas ungewöhnliche Praktikumsstelle entschieden: In den Märkischen Werkstätten des Evangelischen Johanneswerks, die sich vor wenigen Wochen in „Studjo“ umbenannt haben, arbeitet sie mit Menschen mit psychischen, geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen zusammen. Eine Nachbarin, die dort arbeitet, hat sie auf die Idee gebracht. „Jetzt möchte ich herausfinden, ob ich mit solchen Menschen umgehen kann und ob ich den Druck aushalte“, sagt die Schülerin, die an der Gesamtschule das Abitur anstrebt und später einmal in einem Pflegeberuf arbeiten möchte. 

Kleiner Vorgeschmack auf die tägliche Praxis

Studjo, ein Dienstleister und Qualifizierungsanbieter für Menschen mit Beeinträchtigungen, könnte ihr die Chance dazu bieten. Regelmäßig werden in der diakonischen Einrichtung am Bauckloh Heilerziehungspfleger ausgebildet, die Menschen mit Behinderungen begleiten und unterstützen, um ihre Eigenständigkeit zu stärken und sie zu einer möglichst selbstständigen Lebensführung im Alltag zu befähigen. 

Sude Esmer (links) und Hilal Avci haben ihr Schülerpraktikum in der Werdohler Stadtklinik absolviert, Sude in der Chirurgie, Hilal auf der Geriatrie-Station.

Was das in der täglichen Praxis bedeutet, davon hat Tara-Tamira in den vergangenen zwei Wochen einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Abgeschreckt hat sie das nicht, im Gegenteil: „Wenn es nach mir ginge, würde ich auch noch länger hierbleiben“, sagt sie kurz vor Ablauf des Praktikums. 

Durchweg gute Eindrücke aus der Arbeitswelt hat auch der 16-jährige Max Wendler mitgenommen. Er hat sein Praktikum gar nicht weit entfernt von seiner Mitschülerin beim Werdohler Pumpenhersteller Kracht absolviert. Dort konnte er in die Aggregatemontage hineinschnuppern, jenen Bereich also, in dem eine Pumpe und ein Motor zu einer Einheit zusammengefügt werden. Auch das Prüffeld des Unternehmens, wo alle Pumpen noch einmal auf Herz und Nieren kontrolliert werden, hat er während der zwei Wochen durchlaufen. 

Im Praktikum die Pumpenmontage kennengelernt

Zuletzt hat Max, der sich nach eigener Aussage für industrielle Abläufe interessiert, die Pumpenmontage kennengelernt. „Da könnte durchaus ein Ausbildungsberuf für mich dabei sein“, sagt der Jugendliche, dem an diesen Tätigkeiten besonders gefällt, dass er nach getaner Arbeit etwas in den Händen halten kann, das er selbst geschaffen hat. Worte, die sein Lehrer Zlatko Kladic gerne hört, zumal er die Firma Kracht als modernes Unternehmen wahrgenommen hat. 

„Auch in den hiesigen Betrieben gibt es für die jungen Leute gute Perspektiven“, hält er die Abwanderung in die Metropolen für keine besonders gute Idee. „Man muss ja auch bedenken, dass das Leben dort viel teurer ist als hier!“ Sude Esmer und Hilal Avci sammeln erste Erfahrungen mit der Arbeitswelt in der Werdohler Stadtklinik. 

Das Fazit der beiden 15-Jährigen fällt nach fast zwei Wochen unterschiedlich aus. Sude hat ihr Praktikum in der chirurgischen Abteilung absolviert. Blutdruck und Körpertemperatur von Patienten messen oder ihnen den Puls fühlen – das waren Tätigkeiten, die für die Schülerin neu waren und die ihr Spaß gemacht haben. 

Kranke zum Röntgen gefahren und beim Waschen geholfen

Hin und wieder durfte sie auch Kranke zum Röntgen fahren oder ihnen beim Waschen helfen. „Ich mag es, Menschen zu helfen“, sagt Sude. Deswegen spielt sie auch ernsthaft mit dem Gedanken, nach dem Schulabschluss im nächsten Jahr eine Ausbildung zur Krankenpflegerin zu beginnen. 

Nicht ganz so schöne Erfahrungen hat ihre Mitschülerin Hilal Avci in der Stadtklinik gemacht. Ihre Tätigkeiten auf der geriatrischen Station hätten sich auf einfache Handreichungen beschränkt und Reinigungsarbeiten, erzählt sie. Sie habe in dem zweiwöchigen Praktikum zwar vieles über die Krankheiten und die Krankheitsfolgen alter Menschen gelernt, gefehlt habe ihr aber die Möglichkeit, auch selbst etwas Sinnvolles tun zu können. Auf ihren Berufswunsch hat das aber offensichtlich keinen Einfluss. „Ich möchte gerne eine Ausbildung im Gesundheits- oder Pflegebereich machen“, hat sie ziemlich konkrete Vorstellungen davon, wie es für sie nach der Schule weitergehen soll

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