Schüler müssen viele Wochen auf einen Prüfungstermin warten

Fahrschulen stecken im Stau

Fahrschule
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Viele Fahrlehrer berichten davon, dass es momentan lange dauern kann, bis Schüler die Prüfung machen können. Das merken auch die heimischen Fahrschulinhaber deutlich.

Auch Fahrschulen in Werdohl und Neuenrade beklagen derzeit, dass sie nur sehr schwer an zeitnahe Termine für praktische Fahrprüfungen kommen.

Das soll eine Folge des Corona-Lockdowns sein, durch den sich ein regelrechter Prüfungsstau entwickelt hat. In diesem Stau stecken auch Fahrlehrer Martin Burghardt aus Werdohl und Michael Kirchhoff, dem die ehemalige Fahrschule Fenner an der Lennestraße gehört.

Lockdowns haben sich massiv ausgewirkt

Wie Martin Burghardt, dessen Vater Horst Inhaber der Fahrschule mit Standorten in Werdohl und Neuenrade ist, betont, spielen bei dem Prüfungsstau verschiedene Faktoren eine Rolle. „Da nur einen Verantwortlichen zu nennen, wäre unfair und würde die Situation viel zu einseitig beleuchten.“ Unter anderem hätten sich die beiden Corona-Lockdowns massiv ausgewirkt, erklärt Burghardt. Währenddessen waren nur Theorieprüfungen möglich. „Dadurch ist ein Stau an Fahrschülern entstanden, die ihre praktische Fahrprüfung noch absolvieren müssen.“

Zu wenige Termine beim Tüv

Um diesen Stau abarbeiten zu können, gibt es gleichzeitig zu wenige Termine beim Tüv. „Für den gesamten September habe ich nicht einen Platz buchen können. Momentan ist es so, dass Schüler mindestens vier bis sechs Wochen auf ihren Termin warten müssen. Sonst waren es immer eine Woche bis zehn Tage.“ In der heimischen Region ist der Tüv das einzige Unternehmen, das Fahrerlaubnisprüfungen abnimmt und hat damit eine Monopolstellung. Allein darauf möchte Burghardt die Verantwortung aber nicht schieben. „Die Zusammenarbeit funktioniert normalerweise wirklich gut“, betont er.

Erschwerend hinzu komme, dass es auch bei der Vorbereitung auf den Führerschein einige Hürden gibt. So sei es beispielsweise bedingt durch Corona nicht ganz einfach, einen Platz für einen Erste-Hilfe-Kurs zu bekommen. Auch beim Straßenverkehrsamt dauere es teilweise länger bis notwendige Papiere vorliegen. Das Zusammenspiel dieser Aspekte bedinge den großen Stau, den es derzeit gibt, und der mittlerweile auch die Theorieprüfungen betrifft.

Zu wenig Fahrprüfer

Etwas anders sieht das Michael Kirchhoff, der einer der Inhaber der Fahrschule Block und Kirchhoff ist. Zu dem Fahrschulunternehmen mit Hauptsitz in Plettenberg gehört die ehemalige Fahrschule Fenner in Werdohl. „Der Prüfungsstau betrifft uns wirklich schlimm, es dauert teilweise zehn bis zwölf Wochen länger“, berichtet Kirchhoff und übt scharfe Kritik am Tüv: „Der Tüv ist einfach nicht in der Lage, das anzubieten, was er anbieten müsste. Der Stau ist nicht nur durch Corona bedingt. Seit 2017 geht es permanent nach unten.“ Dienstags würden in der Regel die Prüfungen disponiert, erklärt der Fahrschulinhaber. Zum Teil liegt der Termin etwa in drei Wochen, verzögert sich dann aber um weitere acht. Der Grund hierfür liegt für Kirchhoff auf der Hand: Es gebe zu wenig Fahrprüfer und dadurch auch zu wenige Prüfungstermine, um die vielen Fahrschüler abzuarbeiten. „Der Tüv hat jetzt vier neue Prüfer eingestellt, zwei davon in unserer Region. Das macht in der gesamten Region zehn Prüfungen pro Woche mehr.“ Das reiche auf keinen Fall, sagt Kirchhoff.

Dass es den Prüfungsstau in dieser Ausprägung gibt, führe dazu, dass mindestens drei oder viermal pro Woche das Telefon klingelt, weil sich Eltern melden und beschweren. „Zuerst ist immer die Fahrschule schuld.“

Martin Burghardt kann das bestätigen. Man müsse viel kommunizieren und die Lage erklären. Im Einzelfall komme es sogar vor, dass die Jugendlichen so unzufrieden sind, dass sie die Fahrschule wechseln wollen.

Für Kirchhoff jedenfalls ist noch keine Besserung in Sicht: „So lange die Dekra nicht mit ins Boot kommt oder der Tüv eine zweistellige Zahl neuer Fahrprüfer einstellt, sehe ich kein Licht am Horizont.“ Kirchhoff lobt allerdings die Disponenten beim Tüv, die trotz der Lage sehr bemüht seien.

Auch bei ihm habe sich die Situation inzwischen ebenfalls in der Theorie verschärft. „Die Termine werden immer am Freitag um 12 Uhr freigegeben. Und dann ist das wie mit Konzertkarten – ein Kampf ohne Ende.“

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