Noch nie war es so eng im Ratssaal

Mächtige Schüler-Demo: Heiße Diskussion zum Schulentscheid in Werdohl

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Ein symbolträchtiges Bild bot sich am Montagabend im Ratssaal: Die Politiker hatten Vertretungen der Schülerschaft und der Elternschaft beider Werdohler Schulen unmittelbar im Nacken sitzen. Fast drei Stunden dauerte die Sitzung, bis alle zu Wort gekommen waren.

Werdohl – Noch nie war es so heiß, so eng und so voll wie Montagabend im Ratssaal. Einige hundert Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und Lehrkräfte der beiden Werdohler weiterführenden Schulen waren in den Ratssaal gekommen, um an der Diskussion im Schulausschuss über den Fortbestand einer ihrer beiden Schulen Anteil zu nehmen.

Der Schulausschuss wurde damit zu einem Lehrstück gelebter Demokratie: Ausschussvorsitzender Wilhelm Jansen hatte spontan beschlossen, nicht nur Fragen zuzulassen, sondern auch ganz explizit Meinungsäußerungen. So hatten wirklich alle an diesem Schulentscheid Beteiligten die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren und sich am Prozess der politischen Meinungsbildung unmittelbar zu beteiligen.

Eine Entscheidung zwischen Realschule und Gesamtschule wurde – das war vorher klar – nicht getroffen. Allerdings gab es von Seiten der Bezirksregierung größtmögliche Klarheit darüber, welche Anmeldezahlen bei der Gesamtschule zukünftig eine Rolle spielen werden. Von dieser Zahl und dem Verhalten der Bezirksregierung wird die CDU letztlich ihre Entscheidung für oder gegen die Gesamtschule treffen. Deshalb fragte vor allem CDU-Sprecher Frank Jardzejewski ein ums andere Mal nach. Welche Mindestgrenze bei den Anmeldezahlen werde die Bezirksregierung wie lange tolerieren?

So deutlich wie nur möglich

Anne Wenner von der Schulaufsicht der Bezirksregierung wurde so deutlich wie es ihr nur eben möglich war: Die Zahl von 100 in vier Eingangsklassen müsse auf Dauer erreicht werden, so stehe es im Schulgesetz. Sie ließ aber mehrfach durchblicken, dass bei der Zahl von 99 Anmeldungen die Schule nicht von heute auf morgen geschlossen werde. Auch SPD-Sprecher Lehmann fragte in diese Richtung. Auch auf dessen Fragen ließ Wenner einen gewissen Spielraum erkennen. Wenn erkennbar sei, dass die Zahl von 100 nur für einen Moment unterschritten werde und man im nächsten Jahr mit mehr als 100 rechnen könne, werde die Bezirksregierung sicher nicht sofort einschreiten.

Mächtige Schüler-Demo im Ratssaal

Wenner sagte deutlich, dass die Bezirksregierung dem Schulministerium einen Beschlussvorschlag machen werde. Das Ministerium schaue nach Werdohl, erklärte sie: „Das Thema ist in Düsseldorf bekannt.“ Sie sagte aber auch: „Wenn die Eltern nicht wollen, kann Politik wenig ausrichten und wir als Schulaufsicht erst recht nicht.“ Die Schulaufsicht der Bezirksregierung handele generell „sehr wohlwollend“ gegenüber der Stadt als Schulträger. Man kann ihre Aussage wohl dahingehend deuten, dass eine kurze Zeit etwas zu geringe Anmeldezahlen toleriert werden. Sie sagte, dass es in diesem Fall bei der Schulaufsicht ein „Bedürfnis gebe, nicht sofort zu handeln.“

AEG-Schulleiter Sven Stocks sagte, dass er keine Sorge habe, in Zukunft mehr als 100 Schüler gewinnen zu können. Auch darauf ging Anne Wenner ein. Werdohl habe sehr gute Prognosezahlen. Im aktuell dritten Grundschuljahrgang seien 163 Kinder. 38 bis 40 Prozent davon besuchten Gymnasien. Wenner: „Von den 163 müssten sich 100 Eltern für die Gesamtschule entscheiden. Das ist nicht unwahrscheinlich.“

Die meisten Argumente von Schülern und Eltern kamen aus den Reihen der AEG. Die Gesamtschule sei eine Schulform für alle Kinder der Stadt mit den besten Bildungsmöglichkeiten bis hin zum Abitur, sagten sie.

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