Gesamtschule

Dependance der Uno in Werdohl

Schüler der Albert-Einstein-Gesamtschule beim internationalen Uno-Online-Planspiel
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Schüler der Albert-Einstein-Gesamtschule beim internationalen Uno-Online-Planspiel.

Werdohl – „Das Prinzip des Lobbyismus haben die Schüler jetzt gut verstanden“, sagt Lehrerin Linda Kramer und lacht. Doch nicht nur desillusioniert sind die Oberstufenschüler der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) am Ende dieser für sie spannenden Woche.

Sie haben auch viel gelernt und sich persönlich entwickelt. Davon sind Kramer und Eva-Maria Kraft, ebenfalls Pädagogin an der Werdohler Schule, überzeugt.

Hintergrund dieser für die 17 Schüler einschneidenden Erlebnisse ist eine Projektwoche, bei der von Montag bis Samstag die Vereinten Nationen (Uno) und die Funktionsweise der Organisation simuliert wurden. Organisiert wird dieses Planspiel alljährlich von der Universität in Siegen. Christina Schmidt, früher selbst Studentin dort und heute Lehrerin an der AEG, nahm einst daran – seinerzeit in New York durchgeführt – teil. Nun hat sie dafür gesorgt, dass erstmals auch die Werdohler Schüler in den Genuss dieser Erfahrung kamen, wenn auch coronabedingt ausschließlich online. Sie selbst ist derzeit zwar krankgeschrieben, nahm aus ihrem Homeoffice aber dennoch an der Simulation teil.

Internationaler Austausch mit Schülern aus Brasilien oder Istanbul

Die Teilnehmer dieses Uno-Spieles sind zwischen 16 und 29 Jahren. Schüler und Studenten aus aller Welt kommen auf diese Art und Weise zusammen. In diesem Jahr waren die Werdohler AEG sowie das Plettenberger Albert-Schweitzer-Gymnasium ebenso dabei wie beispielsweise eine Schule aus Istanbul oder Studenten aus Brasilien und Indien. Und auch eine Schule aus Südafrika klinkte sich Tag für Tag online ein – zunächst allerdings nur als Beobachter.

Montag und Dienstag bereiteten sich die AEG-Schüler erst einmal in Workshops auf das tatsächliche Planspiel vor, betrieben Recherche. Doch auch an diesen beiden Tagen galt bereits: Gesprochen wird ausschließlich in Englisch. „Und die Schüler haben schnell festgestellt: Unser Englisch ist ja viel besser, als wir dachten“, freut sich Pädagogin Kraft zusammen mit ihren Schützlingen. „Bei allen Schülern ist im Laufe dieser Woche das Selbstvertrauen deutlich angewachsen.“

Enormer Lerneffekt

Dann erhielten die Werdohler Schüler ihre Aufgaben: Jeder vertrat im Laufe der Woche ein Land, dessen Positionen eingenommen werden musste. Wenn dieses Land ein politisch gänzlich anders organisiertes oder aufgestelltes als Deutschland ist, gehörte dazu einiges an Vorstellungsvermögen oder auch an Überwindung. „Zudem haben die Schüler auch viel über Geografie gelernt, etwa wenn sie ein Land vertreten wie Lesotho, von dem sie vorher noch nie gehört hatten“, fügt Lehrerin Kramer an.

Seit Mittwoch diskutierten die heimischen Schüler mit anderen Teilnehmern rund um den Globus über tatsächliche politische Themen. Auch im Planspiel war Corona wenig überraschend ein Sujet. „Es gilt, andere zu überzeugen und Bündnisse einzugehen, um eigene Vorhaben durchzusetzen“, schildert Lehrerin Kramer den Ablauf. Am Samstagnachmittag wurde die Projektwoche mit einer Abschlussveranstaltung beendet.

Projekt soll langfristig etabliert werden

Eva-Maria Kraft hat in den vergangenen Tagen bei den teilnehmenden Mädchen und Jungen beobachtet: „Sie überschreiten in diesem Spiel symbolisch Grenzen, müssen Perspektivwechsel vollziehen und lernen somit, andere Sichtweisen zu verstehen oder sogar zu akzeptieren.“ Schulleiter Sven Stocks ist angetan von dem, was er sehen konnte bei seiner Stippvisite in der Werdohler Uno-Dependance: „Das ist ein tolles Projekt, welches wir langfristig etablieren und jährlich durchführen wollen“, unterstreicht er nachdrücklich.

„Die Schüler bekommen somit Einblicke in für sie ganz fremde gesellschaftliche Zusammenhänge“, lobt er die Spielidee. Kollegiums-Mitglied Linda Kramer pflichtet ihm bei und berichtet: „Die Schüler sind mit Eifer dabei, haben sogar nach dem offiziellen Feierabend noch oft weiter gearbeitet, nicht selten bis weit in die Nacht hinein Bündnisse geschmiedet und auch uns Lehrer noch kontaktiert.“ Die erfolgte Desillusionierung bei den Schülern habe also keineswegs zur Resignation geführt, sondern vielmehr zu einem gesteigerten Engagement. Dieses gelte es nun auch in den realen politischen Alltag zu transferieren.

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