Zuwanderung macht sich bemerkbar

Schrumpfung in Werdohl angehalten: Das ist der Grund

In 2020 heirateten 13 türkische Paare in Werdohl, eine Ehe wurden zwischen Deutschen und Türken geschlossen. Von den 4228 Ausländern in Werdohl haben 2076 einen türkischen Pass, das sind elf Prozent der Gesamtbevölkerung.
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In 2020 heirateten 13 türkische Paare in Werdohl, eine Ehe wurden zwischen Deutschen und Türken geschlossen. Von den 4228 Ausländern in Werdohl haben 2076 einen türkischen Pass, das sind elf Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die zu Beginn jeden Jahres vorgestellte Bevölkerungsstatistik offenbart eine Besonderheit: Im Jahr 2020 sind mehr deutsche Staatsbürger nach Werdohl zugezogen, als die Zahl der Deutschen, die der Stadt den Rücken gekehrt haben.

Das waren zwar nur 44 Personen, aber es ist statistisch gesehen mehrere Jahre lang nicht der Fall gewesen.

Werdohl verliert seit Jahren an Bevölkerung, aber vom Jahr 2019 bis zum letzten Stichtag Dezember 2020 waren es gerade einmal sechs Personen weniger. Zum Ende des vergangenen Jahres lebten 18 208 Männer, Frauen und Kinder in Werdohl. Man kann also sagen, dass der Schrumpfungsprozess aufgehalten oder zumindest angehalten ist.

24 Ausländer mehr

Die Zahl ausländischer Staatsangehöriger ist um 24 Personen gestiegen und liegt jetzt bei 4228 Menschen, das sind 23,2 Prozent anteilig an der Gesamtbevölkerung. Fast jede vierte Person in Werdohl hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Zu berücksichtigen ist auch die Zahl der Doppelstaatler, das sind 2450 Personen. In der Regel sind das jugendliche Türkeistämmige, die sich erst im Erwachsenenalter für eine Staatsangehörigkeit entscheiden müssen.

Von 4228 ausländischen Männern, Frauen und Kindern stammen ungefähr die Hälfte – genau 2076 – aus der Türkei. Das sind elf Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren ungefähr gleich geblieben. Die Zahl der Ausländer insgesamt ist hingegen gestiegen. Nach den 2076 türkischen Staatsangehörigen folgen 354 mit bulgarischem Pass, an dritter Stelle liegt die griechische Staatsangehörigkeit mit 254 Menschen. Dann folgen polnische (221), italienische (217) und rumänische (154) Staatsangehörige. 106 Menschen aus Syrien sind in Werdohl gemeldet, die allesamt der Flüchtlingsbewegung zuzuordnen sind.

Bulgarien auf Platz zwei

Die zweitgrößte Gruppe an Auslandsbevölkerung ist mit insgesamt 789 jeweils nur sehr kleinen Gruppen anderer Staaten zugehörig, diese Gruppe ist besonders bunt gemischt. Die Liste der Länder reicht quasi einmal um den Globus.

Bei den Zu- und Wegzügen aus und ins Ausland steht Bulgarien mit 91 Zuzügen und 25 Wegzügen an erster, Rumänien mit 51 Zuzügen und 19 Wegzügen an zweiter Stelle. An dritter Stelle steht die Türkei mit 21 Zuzügen und neun Wegzügen. Weitere Länder mit zweistelligen Zu- oder Abgangszahlen gibt es nicht in der Werdohler Statistik. Griechenland und Polen folgen mit gerade mal neun beziehungsweise sechs Zu- und Wegzügen, die sich jeweils die Waage halten.

216 Menschen sind aus dem Ausland gekommen

Insgesamt sind aus dem Ausland im vergangenen Jahr 216 Menschen nach Werdohl gekommen, 121 haben die Stadt verlassen, 95 sind also dauerhaft geblieben. Die Zuzugsbilanz aus dem Ausland ist übrigens genau gleich geblieben, im Jahre 2019 kamen zwar 258 Menschen aus anderen Ländern nach Werdohl und 163 waren wieder fortgezogen, in der Summe blieben aber ebenfalls 95 Personen dauerhaft hier. In den vergangenen zwei Jahren sind also 190 Personen dauerhaft aus dem Ausland zugewandert.

Die Zuzugsbilanz lässt sich bereinigt noch einfacher ausdrücken: 571 Deutsche und 424 Ausländer zogen in 2020 neu nach Werdohl, der Zahl von 995 Zuzügen insgesamt steht eine gesamte Abwanderung von 926 Personen (527 Deutsche, 399 Ausländer) gegenüber. In der gesamten Wanderungs-Bilanz hat die Stadt also 69 Menschen hinzugewonnen.

39 Einbürgerungen

18 Personen mit vormals türkischem Pass haben sich 2020 einbürgen lassen, insgesamt hatten 39 ausländische Personen ihren Herkunftspass gegen einen deutschen ausgetauscht. Exotisch muten folgende Zahlen an: Ein Brasilianer, zwei Georgier, aber auch zwei Nigerianer und eine Person aus Gambia wurden im vergangenen Jahr deutsche Staatsbürger. Fünf Personen aus Österreich verließen Werdohl, vier Franzosen kamen, fünf gingen.

Richtig bunt wird es bei den Nationalitäten der insgesamt 167 Eheschließungen von Paaren, von denen mindestens einer der Partner in Werdohl lebt. 73 der 167 Ehen wurden vor dem Werdohler Standesamt geschlossen. Im Jahr 2019 wurden nur 104 Ehen geschlossen, allerdings die meisten davon – 91 – in Werdohl. Geht man davon aus, dass viele Paare ihre Hochzeit wegen der Pandemie verschoben haben, dürften die Zahl von 167 Hochzeiten in 2021 noch einmal ansteigen.

186 Geburten

186 Kinder wurden 2020 in Werdohl geboren, 2019 waren es 194, im Jahr davor nur 164. 70 der 186 Neugeborenen kamen in komplett deutschstämmigen Familien zur Welt. 86 Kinder stammen aus Familien mit einem deutschen Partner, darunter wurden 51 in türkisch-deutschen Familien geboren. Die übrigen 30 Kinder kommen aus rein ausländischen Familien. Welche Sprache wohl im Hause der Familie eines Neugeborenen gesprochen wird, deren Nationalitäten mit deutsch, italienisch und kamerunisch angegeben wurden?

Sterbefälle gehören an den Schluss der Bevölkerungsstatistik. 265 Todesfälle gab es in 2020 zu verzeichnen, 229 davon wurden bei der Stadt Werdohl beurkundet. 31 sind im Verlauf der Pandemie an Corona gestorben. Von den 265 Toten waren 245 deutscher Staatsangehörigkeit und nur sieben türkische Personen. In 2019 waren 239 Menschen gestorben, 2018 waren es 260.

Die bislang registrierten Corona-Sterbefälle wirken sich damit statistisch gesehen kaum auf die Gesamtsterbezahlen im Vergleich zu früheren Jahren aus.

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