Schrottreife „Flosse“ in der Freizeit wieder flott gemacht

Den auch farblich bestens zum Auto passenden Picknickkorb hat der Werdohler Axel Krönke vor vier Jahren bei einem Urlaub in Salzburg erstanden. -  Fotos: Heinze

WERDOHl -   Axel Krönke und sein Auto haben eins gemeinsam: Beide sind 46 Jahre alt und haben schon unzählige Stunden zusammen verbracht. Axel Krönke kennt jede Schraube und jedes noch so kleine Teil seines Wagens – hat er ihn doch in seiner Freizeit einmal komplett auseinander- und wieder zusammengebaut. Zwischendurch wollte der Werdohler „die Flosse“ – wie er seine Karosse nennt – schon verkaufen. Er kam mit den Arbeiten nicht voran. Doch dann packte den Bastler der Ehrgeiz.

Als Axel Krönke den 55 PS starken Mercedes Heckflosse im Jahr 2001 für 575 Euro kaufte, war das Auto ein Wrack. „Da war nichts mehr heile“, erinnert sich der Oldtimerbesitzer. 15 Jahre hatte der Wagen zuvor in Werdohl gestanden. Doch nach einem Ölwechsel und dem Anklemmen der Batterie lief der Motor wieder, wie der gelernte Werkzeugmacher berichtet. „Der Unterboden war total durchgerostet“, sagt Axel Krönke und zeigt zum Beweis auf eine Aufnahme in einem Fotobuch, in dem er die einzelnen Schritte der Aufarbeitung des historischen Gefährtes festgehalten hat.

In Dresel hatte Krönke damals eine Garage bei Transporte Schlotmann gemietet. Fast jede freie Minute verbrachte der Vater zweier Söhnen dort: „Nach einem Jahr hatte ich die Nase voll. Ich habe einfach keine Fortschritte gesehen, kam nicht voran und wollte das Auto schon verkaufen“, weiß der passionierte Schrauber noch ganz genau von seinem Motivationstief.

Nach reiflicher Überlegung und einer zweijährigen Pause startete Krönke einen zweiten Restaurierungsversuch. „Viele Leute haben damals zu mir gesagt, dass schaffst Du nie. Da hat mich der Ehrgeiz gepackt“, berichtet er. Eigentlich hätte der Zwei-Liter-Diesel mit einem Leergewicht von 1325 Kilogramm verschrottet werden müssen, wie aus dem Fahrzeugschein hervorgeht. „1. Juni 1987: Endgültige Stilllegung“, steht dort geschrieben.

Doch Axel Krönke schraubte und schweißte in den folgenden Jahren in jeder freien Minute weiter an seiner Flosse. „Manchmal ist er sogar Sonntagsmorgens vor dem Mittagessen in die Garage gefahren, um an dem Auto zu arbeiten“, sagt Krönkes Frau Stefanie. Sie teilt die Leidenschaft für alte Autos und hat Verständnis für das zeitintensive Hobby ihres Gatten. „Ich habe ihn schließlich so kennengelernt“, sagt sie lächelnd.

Bis auf die Innenausstattung und die neue Lackierung hat Krönke an seiner „Flosse“ alles selbst restauriert. Bei den Arbeiten am Motor half ihm ein Freund.

2008 war es endlich soweit: Der Mercedes wurde angemeldet. „Die ersten Runden habe ich auf dem Platz in Dresel gedreht“, sagt der 46-jährige Werdohler. Ziel der ersten Ausfahrt war Plettenberg. Seitdem laufe die „Flosse“ ohne Probleme. Doch nur bei schönem Wetter holt Axel Krönke den Wagen mit dem elfenbeinfarbenem Dach aus der Garage im Oldiehaus am Kalkofen, wo seine Autos seit zwei Jahren stehen. Mit seiner Frau startet er von hier aus zu Spazierfahrten oder macht sich auf den Weg zu Oldtimertreffen in der Umgebung. Manchmal kutschiert er auch befreundete Hochzeitspaare zur Kirche oder zum Standesamt.

Krönke bezeichnet sich selbst als „durchgeknallten Autoschrauber“. Denn alte Autos und das Schrauben faszinieren den heute 46-Jährigen schon seit seiner Jugend, wie er sagt. Vor allem Fahrzeuge der Marke Mercedes haben es ihm angetan. „Mein Vater war 39 Jahre in einem Mercedes-Autohaus beschäftigt. Als Kinder haben wir in den Unfallautos auf dem Hof gespielt“, erinnert er sich.

Nach der erfolgreichen Restaurierung der „Flosse“ – diese hat mittlerweile nach Angaben von Krönke einen Wert von um die 12 000 Euro – stehen auch zukünftig weitere automobile Großprojekte auf der To-Do-Liste des 46-Jährigen. Einen alten Wohnwagen aus dem Jahre 1973 will der passionierte Autofan als nächstes in der Garage am Kalkofen wieder in Form bringen.

Von Ute Heinze

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