Werdohler vor Gericht: „Schockierende Situation“

Werdohl/Wuppertal - Weitere Zeugenbefragungen gab es am Donnerstag vor dem Landgericht Wuppertal. Verhandelt wurde der Fall eines Werdohlers, dem versuchter Mord vorgeworfen wird. Er soll seine ehemalige Frau, die mittlerweile in Remscheid wohnt, mit Benzin aus einer Flasche besprüht zu haben. Möglicherweise habe er die Absicht gehabt, sie zu töten.

Zum Auftakt des gestrigen Verhandlungstages ging es um die Familienverhältnisse des ehemaligen Ehepaares. Die Frau, die auch als Nebenklägerin auftritt, gab an, dass ihr Ex-Mann sie häufig angeschrieen und „natürlich“ auch verprügelt habe.

Die Frau saß aufrecht auf ihrem Stuhl. Sie wirkte bedrückt. Häufig schloss sie die Augen und biss sich auf die Unterlippe. Der Angeklagte ihr gegenüber wurde aus der Untersuchungshaft heraus vorgeführt und lächelte, saß leger, den Arm auf der Rückenlehne des Stuhls seines Übersetzers. Er sagte während des gesamten Verhandlungstages nichts. Zeugenaussagen kommentierte er mit einem Grinsen und hochgezogenen Augenbrauen.

Ebenso reagierte er, als die Schwester seiner Ex-Frau berichtete, dass sie Telefonate zwischen den früheren Eheleuten über ein laut gestelltes Handy mit angehört habe. Während dieses Gespräches habe er gesagt: „Du wirst schon sehen, ich werde Dich in die Finger bekommen, ich habe Geduld.“

In diesem Zusammenhang sei auch das Wort „verbrennen“ gefallen. „Überlege Dir gut, ob Du Dich wirklich trennen willst“, habe der Mann gesagt. Auch der Schwester selbst habe er gedroht, diese zu vergewaltigen und zu töten. Die Nebenklägerin berichtete, ihre Schwester habe die lautstarken Streitereien häufig mitbekommen. Einmal sei diese auch im Nebenraum gewesen, als er ihr eine Ohrfeige gegeben habe. Die Zeugin wohnte seinerzeit noch in Plettenberg, heute ebenfalls in Remscheid.

Mann habe Sohn mit Schlauch geschlagen

Die Schwester erklärte, innerhalb der Ehe sei das spätere Opfer Inhaberin des Bankkontos gewesen. Ob der Mann auch Vollmacht über die Bankgeschäfte gehabt habe, wisse sie nicht. Indes hätten sowohl sie als auch die gemeinsame Mutter der Nebenklägerin häufig Geld geliehen und sogar Einkäufe für sie erledigt.

Der Mann habe öfter Geld von seiner Frau gefordert, etwa für einen Führerschein, den er jedoch nie gemacht habe. Auch habe er in der Wohnung verstecktes Geld gestohlen. Die Euros habe er verspielt.

Zudem habe der Mann versucht, seiner Gattin privaten Kontakt zu Nachbarn und Arbeitskollegen zu verbieten. Auch Besuche bei Familienmitgliedern habe der Mann zu unterbinden versucht.

Als nächster Zeuge sagte der heutige Lebensgefährte der Schwester des Opfers aus. Dieser wohnt in Neuenrade. Er wisse, allerdings lediglich vom Hörensagen, dass der Angeklagte seine Ex-Frau mit dem Messer bedroht habe, berichtete er. Der Angeklagte habe seine Frau nur zum Arbeiten aus dem Haus gelassen. Selbst den Bruder, der im selben Haus wohnte wie die Eheleute, habe sie nicht besuchen dürfen. Der Ehemann sei „zu hart“ und „brutal“ zu seiner Frau gewesen.

Auch den gemeinsamen Sohn habe er nach der Trennung einmal mit einem Schlauch verprügelt, um so an die Adresse seiner Ex-Frau zu gelangen. Der Junge habe Striemen auf dem Rücken gehabt, die der Zeuge selbst gesehen habe.

„Tod auf den Lippen; Angst in den Augen“

Die Tat geschah in einem Park gegenüber der Wohnung der Schwester. Danach habe das Opfer an die Tür seiner Lebensgefährtin geklopft. Die Ex-Frau des Angeklagten sei in die Wohnung „gefallen“. Am Oberkörper nur mit einem BH bekleidet, habe sie schließlich auf dem Boden gelegen. Sie sei weiß im Gesicht gewesen. „Sie hatte den Tod auf den Lippen und Angst in den Augen.“ Die Situation sei „schockierend“ gewesen. Der Neuenrader Zeuge fand später im Park die Halbliter-PET-Flasche. Zuvor nahm er in der Wohnung bereits Benzin-Geruch „deutlich“ wahr.

Richter Robert Bertling verlas letztlich noch Auszüge aus dem Scheidungsbeschluss der ehemaligen Eheleute. Darin wird eine Zerrüttung der Ehe festgestellt. Belegt wird diese in der Begründung unter anderem mit einer Drohung des Mannes, er werde seine Ex-Frau „verbrennen“. Diese Drohung habe dieser bezeugt auf dem Gerichtsflur ausgesprochen.

In Folge wird es wohl hauptsächlich darum gehen, wie viel Benzin der Angeklagte möglicherweise auf seine frühere Frau gespritzt hat und ob dies nach Ansicht des Gerichtes ein tauglicher Mordversuch war.

Die Anwältin des Werdohlers stellte am Donnerstagvormittag vorsorglich den Antrag auf eine Ortsbesichtigung. Ihrer Auffassung nach sei es für den einen bereits befragten Tatzeugen unmöglich gewesen, aus einer Entfernung von 20 Metern genau zu sehen, wie weit der Angeklagte vom Opfer weg stand und wie viel des Flascheninhalts die Frau getroffen habe.

Die Tat: Einem 37-jährigen Werdohler wird vorgeworfen, seine Ex-Frau am 4. Juni 2014 beim Joggen im Remscheid überfallen und mit Benzin übergossen zu haben. Ein Tatzeuge konnte die beiden jedoch voneinander trennen. Dabei habe dieser seine Nordic-Walking-Stöcke zu Hilfe genommen. Der Angeklagte sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen schweigt er.

Von Michael Koll

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