So schmeckt das Frühstück

Jürgen Middendorf präsentiert zwei Eier, die er aus dem eigenen Stall geholt hat: Das weiße ist vom Italiener, das braune vom Perlhuhn.

WERDOHL ▪ Wenn etwas billig ist, kriegt man es für „einen Appel und ein Ei“. Diese Haltung regt Jürgen Middendorf spürbar auf: „Die Leute sind doch heute gar nicht mehr bereit, für Qualität zu zahlen“, grollt er. Am 15. Oktober ist Der Welt-Tag des Eies, den der internationale Verband der Eierproduzenten 1997 ins Leben rief. Er findet immer am zweiten Freitag im Oktober statt. Von Michael Koll

Seit frühester Jugend züchtet der heute 54-jährige Middendorf Hühner. Aktuell nennt er 25 große Italiener, 30 Zwerghühner sowie 25 Perlhühner sein Eigen. „Zwei Gänse habe ich auch noch.“

Der pensionierte Fahrdienstleiter hat auch zu Zeiten, wo er noch in der 3-fach-Wechselschicht bei der Bahn beschäftigt war, als Nebenerwerbs-Landwirt gearbeitet. „Da gehört eine Portion Idealismus dazu“, betont er.

Er berichtet von Hühner-Rassen, die vom Aussterben bedroht sind. Seine Leidenschaft ist zu sehen: Die Augen strahlen. „Das Huhn ist ein Kulturgut, das erhalten werden muss“, mahnt er.

Seine Tiere bekommen kein Kraftfutter, kein Sojamehl – nur Getreidemischungen. „Die haben deshalb auch eine richtig hohe Ei-Leistung.“ Bis zu 200 Eier holt Middendorf aus dem Stall. Dorthin verziehen sich seine gefiederten Freunde aktuell gegen 19.30 Uhr. Um acht in der Früh schließt der Hobby-Landwirt den Stall wieder auf. „Wenn ich nicht abschließe, kommen nachts Marder und der Fuchs.“ Tagsüber hat Middendorf immer ein Auge auf Habichte, die nach Futter Ausschau halten.

So wohlbehütet werden Middendorfs Hühner mindestens vier Jahre alt. Angewidert erklärt er: „Ich habe halt keine überzüchteten Hochleistungsmaschinen.“ So habe er auch noch nie ein Supermarkt-Ei gekostet. „Nur einmal bekam ich zu Ostern ein buntes Ei an der Tankstelle geschenkt.“ Das habe aber gar nicht geschmeckt. „Das war gar nicht frisch.“

Middendorf hat keinen Hofladen. Doch bei seinen Nachbarn stehen die Eier seiner Hühner hoch im Kurs. „Die kloppen sich manchmal regelrecht drum. ‚Warum kriegt der noch welche? Ich wollte doch 20 und kriege jetzt nur zehn‘, sagen die schon mal“, berichtet der Züchter. Zum Backen nähmen seine Nachbarn Eier aus dem Supermarkt, „doch auf dem Frühstückstisch stehen bei denen nur Eier von mir.“ Die schmeckten einfach besser. Der Dotter sei leuchtend gelb.

Seine Tiere im Käfig zu halten brächte Middendorf nicht über‘s Herz, sagt er. Eineinhalb Stunden täglich – sieben Tage die Woche – betreut er sein Geflügel. Der Preis: „Ich war in meinem Leben noch nie im Urlaub.“ Stattdessen streift er um den Hof, denn die Perlhühner legen ihre Eier schon einmal nicht im Stall ins Stroh, sondern direkt hinter das Haus.

Mehr zum Thema Eier lesen Sie in der Ausgabe des Süderländer Volksfreundes vom 15. Oktober.

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