Schluss mit dem Klingelgeld

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Agnes Wortmann von der Metzgerei Jedowski und Gudrun Rabe von der Bäckerei Kayser sind unterschiedlicher Meinung.

WERDOHL - Besitzer von Sparstrümpfen für Klingelgeld könnten es in Zukunft schwer haben, ihre Sammelbehälter mit Kupfermünzen zu füllen: Die EU-Behörde überlegt, die Ein- und Zwei-Cent-Stücke aus Kostengründen abzuschaffen. Die Werdohler Einzelhändler haben gemischte Meinungen. Die Kunden befürchten vor allem höhere Preise.

Wer im WK unterwegs ist, sieht sie an jeder Ecke: „krumme“ Preise. 19,99 Euro für ein T-Shirt, 49,99 Euro für eine Hose, 14,99 Euro für einen Schal. Eine Etage höher sieht es in der Lebensmittelabteilung nicht anders aus: Angebote für 17 Cent und reguläre Preise von 29 Cent oder 3,49 Euro. Und an der Kasse heißt es dann schließlich: „18,67 Euro, bitte.“ Kleingeld suchen, um passend zu zahlen, gehört für viele Kunden einfach dazu. WK-Geschäftsführer Manfred Beiske steht einer Abschaffung daher kritisch gegenüber: „Das zieht einen Gewöhnungsprozess mit sich“, sagt er. „Die Kunden sind seit Jahren daran gewöhnt, kleine Centstücke zu benutzen, warum sollte man sie nun abschaffen?“

Doch nicht nur die Kunden, auch die Kassiererinnen haben sich an die kleinen Münzen gewöhnt: Melike Orhan arbeitet bei Rossmann und weiß, dass gerade in der Drogerie die Ein- und Zwei-Cent-Stücke häufig gebraucht werden. „Ohne Kleingeld geht an der Kasse gar nichts“, meint sie und fügt hinzu: „Jetzt die ganzen Preise umzustellen wäre sehr umständlich – da sollte es lieber so bleiben wie es ist.“ An vielen Kassen stehen außerdem Sammeldosen von Hilfsorganisationen, die darauf setzen, dass die Kunden die Gelegenheit nutzen, ihr Portemonnaie von scheinbar unnötigen Kleinstmünzen zu entlasten. Fallen diese nun weg, befürchten die Organisationen hohe Einbußen an Spendengeldern, denn Fünf- und Zehn-Cent-Stücke sind für viele nicht so entbehrliche wie die kleineren Beträge.

Gudrun Rabe, die bei der Bäckerei Kayser hinter der Theke steht hat schon oft beobachtet, dass die Kunden die kleinen Münzen am liebsten schnell wieder los werden wollen. „Selbst die Schulkinder, die sich hier morgens ihr Frühstück holen, wollen das Wechselgeld oft nicht haben, wenn es nur wenige Cent sind“, weiß sie. Daher fände sie es insgesamt auch nicht schlimm, wenn das Klingelgeld zukünftig ganz aus den Kassen verschwinden würde. Nur die Fünf-Cent Stücke müssten auf jeden Fall bleiben, damit die Preise unter einem Euro blieben. „Andere Länder haben ja auch keine Ein- und Zwei-Cent-Stücke und kommen ohne auch gut zurecht“, sagt sie. Ihre Kollegin Agnes Wortmann von der Metzgerei Jedowski ist da anderer Meinung: „Am Ende wird dann alles teurer und die Kunden sind unzufrieden“, vermutet sie und fügt hinzu: „Wenn abgerundet statt aufgerundet würde, fände ich das gut, aber so wird es sicher nicht kommen.“

Die Händler auf dem Werdohler Wochenmarkt fänden die Abschaffung der Kleinstmünzen meist gar nicht schlecht. Viele von ihnen haben glatte Beträge oder Preise, die mit fünf Cent enden. „Für uns wäre vieles einfacher“, sagt Helga Kindel, die einen Stand für Bio-Brot betreibt. Die Kunden fürchten hingegen höhere Preise: „Am Ende wird alles aufgerundet“, sagt eine Marktbesucherin.

Dass sich zumindest an den Preisen auf dem Wochenmarkt nicht viel ändern wird, vermutet Händler Carsten Radtke. „Bei den abgepackten Waren muss mit einer Erhöhung gerechnet werden“, sagt er. „Denn anstatt mehr hinein zu packen bis ein glatter Preis entsteht, wird lieber aufgerundet. Bei abgewogenen Waren, wie sie hier auf dem Markt angeboten werden, wird sich am Preis nicht viel ändern, weil wir hier mehr Spielraum haben.“ Er habe schon vor einiger Zeit damit angefangen, die Preise abzurunden. Anstatt 3,84 Euro zahlte der Kunde bei ihm zum Beispiel nur 3,80 Euro. „Aufrunden habe ich auch schon versucht, aber das hat nicht funktioniert“, meint Radke und fügt lachend hinzu: „Scheint ja auch ungerecht, wenn auf dem Schild 1,78 Euro steht, aber glatte 1,80 bezahlt werden sollen. Dann lieber ein paar Cent abziehen und alle sind zufrieden.“

Von Laila Weiland

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