400 Arbeitsplätze fallen weg

Schluss mit Guss: Topunternehmen im MK macht schon früher dicht - 400 Arbeitsplätze betroffen

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Die Gießerei von Georg Fischer am Bahnhof liegt direkt neben den Vossloh-Werken. Was mit Gebäuden und Grundstück geschehen soll, weiß der Betriebsrat nicht.

Die Schließung der Alugießerei von Georg Fischer am Bahnhof geht schneller voran als geplant. Schon am 25. September wird in dem traditionsreichen Standort zum letzten Mal gegossen. Danach wird die Produktion für immer stillgelegt, aufgeräumt und der Schlüssel herumgedreht. Die bis dann noch verbleibenden Mitarbeiter der Verwaltung werden bis Ende des Jahres in das Werk an der Schlacht umziehen.

Werdohl - Bilal Karakilic ist nach dem Übergang von Bärbel Steffen in die Transfergesellschaft an die Spitze des Betriebsrats aufgerückt. Sein Vertreter ist Marius Chylka, der vorher als Schriftführer im Betriebsrat tätig war. Chylka ist gleichzeitig Mitarbeiter in der Personalabteilung des Unternehmens und von daher mit beiden Seiten des Themas beschäftigt. 441 Männer und Frauen waren zu Beginn des Jahres bei Georg Fischer in beiden Werken beschäftigt: 314 Gewerbliche, 59 Angestellte und 68 Leiharbeiter. Dazu gibt es elf Azubis.

Nach erfolglosen Rettungsversuchen durch den Betriebsrat, damals noch von Bärbel Steffen geleitet, wurde am 5. März ein Sozialplan unterzeichnet. Mit dem Ergebnis war der Betriebsrat außerordentlich zufrieden, man habe für die Mitarbeitenden das bestmögliche Ergebnis herausgeholt.

Für die Hälfte der Stammbelegschaft seien fünf Monate später Lösungen gefunden worden, berichteten Karakilic und Chylka auf Nachfrage. Nach anfänglichen Auseinandersetzungen seien Unternehmensführung in Schaffhausen und der Werdohler Betriebsrat zu einem guten Miteinander gekommen. Ständig seien Vertreter der Schweizer Konzernzentrale in Werdohl, um den Wechsel beziehungsweise die Auflösung der Gießerei-Standortes zu begleiten.

Die Schweizer Zentrale von Georg Fischer hat seit Jahresbeginn Maschinen von der Werdohler Gießerei am Bahnhof abtransportiert. Ende September wird dort zum letzten Mal gegossen, danach wird der Betrieb aufgegeben. Die Bearbeitung im Werk II an der Schlacht bleibt.

Georg Fischer verlässt Werdohl schließlich nicht vollständig: Das sogenannte Werk II, die Bearbeitung, bleibe mit 100 Arbeitsplätzen auf Dauer an der Schlacht. 44 Mitarbeiter zeigten Interesse an einer Weiterbeschäftigung im Werk II. Karakilic: „Jeder, der dort einen Job wollte, hat ihn auch bekommen.“ Letztlich seien knapp 30 Mitarbeiter an die Schlacht gewechselt: „Wer dort keinen Job bekommen hat, wollte ihn nicht.“

Gießerei schließt in Werdohl: Wechsel zu anderen Niederlassungen von Georg Fischer kein Thema

Zu anderen GF-Niederlassungen in Deutschland oder Österreich wollte allerdings niemand überwechseln. Generell bekommt jeder, der nicht im Werk II weiterbeschäftigt wird, eine Abfindung. Wer in die Transfergesellschaft wechselt, bekommt die Abfindung ohne die sogenannte „Sprinterprämie“ bei sofortigem Wechsel, dafür aber bis zu einem Jahr Bewerbungstrainings, Vermittlung und Weiterbildung.

In der Transfergesellschaft „Start NRW“ bekommen die Mitarbeiter Kurzarbeitergeld plus eine Aufstockung um 20 Prozent von GF. Wer von sich aus eine andere Arbeitsstelle gefunden hat oder findet, nimmt natürlich die Abfindung plus Prämie mit.

Ungefähr die Hälfte des Personalabbaus der Stammbelegschaft sei bereits abgewickelt. Trotz des kontinuierlichen Abbaus sei die Produktion zu jeder Zeit sichergestellt, betonen die beiden Betriebsratsvorsitzenden. Keiner habe die Firma hängen lassen, der Krankenstand sei sogar stabil geblieben. Auf der anderen Seite habe die Firma niemandem Steine in den Weg gelegt.

Schluss in Werdohl: Diskussionen um Gießerei von Georg Fischer 

Das Personalkarussell drehe sich gerade unentwegt, die Betriebsräte sind mit Beratungsarbeit mehr als gut beschäftigt. „Trotzdem ist das alles eine schlechte Situation“, so Marius Chylka. Der 33-Jährige ist seit 15 Jahren bei GF, Kollege Karakilic ist 41 Jahre alt und 17 Jahre bei der Firma. Über ihre persönliche Zukunft wollen sie nicht sprechen, erstmal seien die anderen an der Reihe.

Kurz nach Inkrafttreten des Sozialplans brach die Corona-Pandemie aus und die Vermittlungschancen sanken rapide. Gleichzeitig ging es dem Konzern, der sich vom herkömmlichen Automobilbau abwendet und sich auf Leichtbau in der Luftfahrt und bei der E-Mobilität konzentiert, schlechter. Der Betriebsrat ist letztlich dankbar, mit einem europäischen Konzern zu tun zu haben, der sich seiner Verantwortung gegenüber Mitarbeitern nicht entziehe. Chylka: „Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung in Schaffhausen läuft einwandfrei. Wir hatten mit deutlich mehr Konflikten gerechnet.“

Ein kleiner Teil der Maschinen ist schon abgebaut, ein Teil produziert noch, ein Teil ist stillgelegt. Drei Monate früher als geplant ist Ende September Schluss mit Guss. Chylka: „Ab einem Zeitpunkt X Ende des Jahres wird hier nichts mehr sein.“ 

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