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Schlüsselloch-Gärten liefern täglich frisches Gemüse

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Von: Carla Witt

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Pawlina Akdeniz, Hauswirtschafterin in der Kita und Elternbegleiterin der Gruppe Griffbereit, erntet mit den Vorschulkindern Gurken und Tomaten in den Schlüsselloch-Gärten der Kita-Gernegroß. Alles wächst und gedeiht prächtig.
Pawlina Akdeniz, Hauswirtschafterin in der Kita und Elternbegleiterin der Gruppe Griffbereit, erntet mit den Vorschulkindern Gurken und Tomaten in den Schlüsselloch-Gärten der Kita-Gernegroß. Alles wächst und gedeiht prächtig. © Witt, Carla

Die kleinen Tomatenpflanzen sind zu riesigen Büschen geworden, überall hängen rote, gelbe oder gerade noch grüne Früchte. Einige Meter weiter wuchern Gurkenpflanzen – die Vorschulkinder kommen auch im zweiten Schlüssellochgarten mit der Ernte kaum nach.

Werdohl – „Die Entscheidung für diese Beete hat sich wirklich gelohnt“, freut sich Birgit Nörthemann, die Leiterin der Kita Gernegroß. Jeden Tag können die Mädchen und Jungen an der Schulstraße jetzt frisches Gemüse aus eigener Zucht genießen.

Natürlich kommen weder Pflanzenschutzmittel noch künstlich hergestellter Dünger zum Einsatz. „Wir haben kaum Arbeit mit den Beeten und trotzdem freuen wir uns über eine so reiche Ernte“, stellt Nörthemann fest. Schon vor dem Beginn der Corona-Pandemie waren die besonderen Beete im Kita-Garten angelegt worden. In diesem Jahr hat Pawlina Akdeniz, sie ist als Hauswirtschafterin in der Kita Gernegroß tätig, die Fäden in der Hand. „Sie hat wirklich einen grünen Daumen“, lobt Nörthemann.

Pawlina Akdeniz ist mehrsprachige Elternbegleiterin der interkulturellen Spielgruppe „Griffbereit“. Deren Ziel ist, Familien so früh wie möglich an das Bildungssystem heranzuführen und mit Eltern und Kindern gemeinsam Spiel und Sprachen zu entdecken. Regelmäßig trifft sich die Gruppe in der Kita Gernegroß. Und so kam die Elternbegleiterin auf die Idee einer gemeinsamen Pflanzaktion: „Am 25. Juni haben wir mit zehn Griffbereit-Müttern die Beete bepflanzt. Natürlich haben auch die Kinder mitgeholfen“, berichtet Pawlina Akdeniz.

Bedingt durch die lang anhaltende Trockenheit mussten die Pflanzen natürlich doch etwas gegossen werden. „So weit wie möglich mit dem Wasser aus unserem großen Regenfass“, unterstreicht Birgit Nörthemann. Während der Sommerferienpause haben sich die Erzieherinnen, die gerade keine Urlaubsreise vor sich hatten, um das Wässern der Pflanzen gekümmert.

Schon seit längerer Zeit zeigt sich, dass sich diese Mühe gelohnt hat: saftige Bilderbuch-Kohlrabi, schmackhafte Gurken, große Salatköpfe und natürlich Tomaten gab es schon reichlich. Etwaiger Überschuss soll demnächst an die Werdohler Tafel gespendet werden. Außerdem bedienen sich die Mädchen und Jungen, die übrigens gerne im Garten helfen, mit Vorliebe an den Brombeersträuchern – denn am Kirchpfad wächst eine Sorte, die keine Dornen hat.

Dass im Garten der Kita Gernegroß alles so gut gedeiht, liegt sicher auch an den kleinen Helfern, die ein Dortmunder Imker in Werdohl einquartiert hat: Das Bienenvolk hilft kräftig bei der Bestäubung von Obst- und Gemüseblüten. Die Wildblumenwiese, die schon seit einigen Jahren an der Kita blüht, kommt den Bienen natürlich zugute. Und wenn alles klappt, können die Kinder im kommenden Jahr noch eine Leckerei aus dem Gernegroß-Garten genießen. Birgit Nörthemann: „Wir hoffen auf unseren eigenen Honig.“

Ein besonders produktives Nahrungsmittelanbausystem

Der Schlüsselloch-Garten – auch Keyhole- Garden genannt – ist unter anderem in Entwicklungsländern verbreitet: Ein autarkes, produktives und wassersparendes Nahrungsmittelanbausystem steht damit zur Verfügung. Neu wachsende und verrottende Pflanzen bilden einen Kreislauf, der Komposter wird direkt in das Beet integriert.

Das abgewandelte Hochbeet ist rund und hat einen Durchmesser von etwa drei Metern. Das auffällige Merkmal ist die Ausbuchtung in Form eines Schlüssellochs, das den Zugang zur Mitte des Beetes gewährleistet. Dort befindet sich ein Kompost-Behälter, der regelmäßig bestückt werden sollte und so die Nährstoffversorgung der Pflanzen sichert. Verschiedene Schichten unterhalb der Erde im Beet – unter anderem Zweige und Äste sowie gehäckseltes Schnittgut – fungieren zum Beispiel als Wasserspeicher.

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