Nach 30 Jahren

Schließungswelle geht weiter: Auch Fotostudio bald dicht

Elisabeth Kowalik schließt ihr Fotostudio am Werdohler Meisenweg zum Ende des Jahres. Die Fotografenmeisterin hätte auch ohne die Auswirkungen der Corona-Pandemie höchstens noch ein oder zwei Jahre weitergemacht.
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Elisabeth Kowalik schließt ihr Fotostudio am Werdohler Meisenweg zum Ende des Jahres. Die Fotografenmeisterin hätte auch ohne die Auswirkungen der Corona-Pandemie höchstens noch ein oder zwei Jahre weitergemacht.

Vor 30 Jahren machte sich Elisabeth Kowalik in der Einliegerwohnung im Neubau am Meisenweg selbstständig, zum Jahresende gibt die Fotografin ihr Fotostudio auf.

Eine coronabedingte Schließung sei es nicht, sagt die ausgebildete Fotografenmeisterin, aber die Geschäfte seien in diesem Jahr sehr schlecht gelaufen. Auch ohne Corona hätte sie nur noch ein oder zwei Jahre weitergearbeitet: „Es ist langsam genug.“ Zudem hat sie das Rentenalter erreicht.

Die in Garbeck geborene Frau lernte den Beruf von der Pike auf: In einem Fotogeschäft in Menden machte sie eine Ausbildung zur Fotolaborantin. Zehn Jahre war sie später bei den Stahlwerken Krupp Brüninghaus in Werdohl als Fotolaborantin angestellt. Natürlich entwickelte und retuschierte sie nicht nur Fotos, sondern nahm selbst welche auf. Die Firma Krupp Brüninghaus beschäftigte damals eine ganze Abteilung mit Produktfotografie im Industriebereich, komplett analog natürlich.

Ausnahmegenehmigung erforderlich

Als sie Kinder bekam und mit ihrer Familie das Haus am Meisenweg baute, richtete sie im Keller ihr Fotostudio ein. Um sich selbstständig machen zu können, brauchte sie eine Meisterprüfung. Eine Ausnahmegenehmigung erlaubte ihr die Betriebsöffnung gleichzeitig mit dem Beginn der Meisterschule. „Der Start war ganz schon kostspielig“, erinnert sie sich. Die Meisterschule musste sie selbst finanzieren und jede Menge Studiotechnik anschaffen.

Die ersten zehn Jahre im eigenen Studio arbeitete sie komplett analog. Digitalfotografie war noch nicht marktreif. Kameras belichteten Filme rein mechanisch. Negative mussten durch einen chemischen Prozess entwickelt werden. In der Dunkelkammer machte sie Papierabzüge von den Negativen, hier waren handwerkliche Techniken wie Abwedeln gefragt.

Viel für die Industrie gearbeitet

Im Studio oder außer Haus fotografierte sie in erster Linie für die Industrie, hauptsächlich Maschinen und Teile für den Druck von Broschüren. An den Übergang zur Digitalfotografie kann sie sich gut erinnern. In der Meisterschule hätten Lehrer das Thema vorgestellt, aber noch für Zukunftsmusik gehalten. „Uns wurde ein Bildbearbeitungsprogramm von der Firma Apple vorgestellt. Ich dachte mir: toll, das ist ja einfach.“ Doch noch lagen lange Nächte in der Dunkelkammer vor ihr, Liter Entwickler - und Fixierungsflüssigkeit wurde verbraucht, Quadratmeter Fotopapier von Hand belichtet.

2004 ging es los mit der Digitalfotografie, zwei Jahre später waren Negativfilme, Diapositive und analoge Kameras aus dem Studio verschwunden. „Alles Schnee von gestern“, sagt sie mit einem Lachen.

Vertrauensvolle Ausstrahlung erforderlich

Neben den handwerklichen Fähigkeiten und dem guten Auge für den richtigen Blickwinkel und das Motiv braucht eine Fotografin vor allem im Bereich von Porträt-, Familien-, Hochzeits- und Erotikfotografie eine vertrauensvolle Ausstrahlung.

So seien die Ansprüche an ihre Arbeit mit den Jahren immer persönlicher geworden. „Früher habe ich an einem besonderen Datum drei Hochzeiten an einem Tag fotografiert, heute möchten die Paare ganze Tage begleitet werden“, berichtet sie aus der Praxis.

Schwarz-Weiß-Fotografie immer noch der Favorit

Die Fotografin bekennt sich 45 Jahren im Beruf weiterhin zur Schwarz-Weiß-Fotografie. „Vor allem bei Porträts ist Schwarz-Weiß zeitlos, Farben lenken ab. Weniger ist mehr. Man schaut zum Beispiel bei Porträts viel mehr auf die Augen.“

Ihren Beruf und ihre Selbstständigkeit habe sie sehr gern ausgeübt. „Mir hat es immer Spaß gemacht, die Leute so zu motivieren, dass sie auf den Bildern gut rüberkommen.“

Aufträge werden noch angenommen

Und so steht es auch als Abschied auf ihrer Homepage: „Es war mir eine große Freude in den vielen Jahren, Sie immer wieder ins richtige Licht zu setzen.“

Elisabeth Kowalik nimmt noch bis zum 18. Dezember Aufträge an. Vorhandene Fotodateien ihrer Kunden verkauft sie unter: www.fotostudio-kowalik.de.

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