Wut und Trauer in Werdohl

Schließung des WK-Warenhauses: Gesellschafterin nennt Gründe

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Die geschäftsführende Gesellschafterin Silke Krischer-Schnückel und Geschäftsführer Peter Ebener mussten am Tag nach der Verkündigung der Schließung zu Ende Juni viele Fragen beantworten.

Werdohl – Am Tag nach der Ankündigung, das WK Warenhaus am 30. Juni für immer schließen zu wollen, war die gedrückte Stimmung unter der Belegschaft greifbar.

Wut, Trauer, Ratlosigkeit, Hoffnungslosigkeit standen den Mitgliedern der rund 100-köpfigen WK-Familie ins Gesicht geschrieben. „Es sind Tränen geflossen, einige weinen auch heute noch“, berichtete Erwin Pfeifer, der seit mehr als 30 Jahren einen Schuh- und Schlüsseldienst im WK betreibt und mit vielen Mitarbeitern auf Du und Du steht. 

WK-Gesellschafterin Silke Krischer-Schnückel (55), die den Mitarbeitern die Hiobsbotschaft am Mittwochabend überbracht hatte, versicherte nochmals, dass ihr die Entscheidung schwer gefallen sei, sie aber aus wirtschaftlichen Gründen keine andere Wahl gehabt habe. „Wir wollten hier auch einen geordneten Abschluss und keine Insolvenz hinlegen“, betonte Krischer-Schnückel. 

Das ist dran an den Rewe-Gerüchten

Sie bezog auch Stellung zu den aufgekommenen Gerüchten, Rewe habe dem WK die Pistole auf die Brust gesetzt und einen attraktiveren Standort für die Lebensmittelabteilung verlangt. „Das stimmt so nicht. Die Verlagerung der Lebensmittelabteilung, die wir selbst und nicht Rewe betreiben, war stets eine gemeinsame Überlegung.“ Teil dieser Überlegung sei auch gewesen, die Abteilung aus der ersten Etage, wo sie auf zu engem Raum untergebracht sei, ins Erdgeschoss zu verlegen. 

„Aus statischen Gründen ist das aber nicht möglich. Die Traglast im Erdgeschoss ist nicht ausreichend“, sagte Krischer-Schnückel. Vor dem Bau des Hauses in den 1970er-Jahren sei aus Angst vor Lenne-Hochwasser entschieden worden, die Lebensmittelabteilung ins Obergeschoss zu legen, erklärte sie. 

Baustelle vor der Tür als Problem

Die Gesellschafterin hatte auch die langwierige Baustelle auf dem Brüninghaus-Platz als einen der Gründe für den wirtschaftlichen Niedergang des Hauses angeführt. Welchen Anteil diese Beeinträchtigung gehabt habe, könne sie aber nicht genau beziffern, sagte sie. „Der Zeitraum war aber schon immens lang“, blickte Krischer-Schnückel zurück. 

Und wie soll es nun mit der Immobilie weitergehen? Die gehört einer Besitzgesellschaft des WK Warenhauses. „Wir hätten gerne schon jetzt eine Nachfolgelösung präsentiert, das wäre natürlich perfekt gewesen“, sagte Krischer-Schnückel. Daran werde nun auch weiter gearbeitet. „Werdohl hängt uns nämlich nach wie vor am Herzen“, versicherte die 55-Jährige. Die Besitzgesellschaft dürfte ein Interesse daran haben, die Immobilie möglichst bald wieder zu vermieten oder vielleicht sogar zu verkaufen. 

Zwei weitere Modehäuser

Silke Krischer-Schnückel betreibt noch zwei Modehäuser in Unna und Bergkamen, die mit dem WK vergleichbar sind. „Auf diese Häuser hat die Schließung überhaupt keine Auswirkungen“, sagte Krischer-Schnücke. „Freud und Leid liegen immer wieder dicht beieinander.“ Die beiden Standorte im Kreis Unna seien erfolgreich. Krischer-Schnückel erklärt dies durch „Standortfaktoren, auf die wir keinen Einfluss haben“. Krischer-Schnückel vertritt drei Gesellschafter-Gruppen, die als stille Anteilseigner anzusehen sind. Sie ist die verantwortliche und operative Leiterin aller Geschäfte. 

Auch Peter Ebener ist tief betroffen. Der 55-Jährige arbeitet seit seinem 14. Lebensjahr im WK. „Die vergangenen dreieinhalb Jahre waren eine schwere Zeit. Wir haben nichts anderes versucht als das Haus zu retten.“ Krischer-Schnückel lobt ihren Mit-Geschäftsführer: „Er ist immer auf der Fläche präsent, er hat das Ohr am Kunden und den Mitarbeitern.“ Das WK hat etwa 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche und noch einmal 1000 Quadratmeter Fläche für Nebenräume, dazu kommt noch das Parkhaus. Investitionen aus jüngster Vergangenheit wurden durch die Sparkasse finanziert. „Wir haben sehr wohl schon Frühjahrsmode bestellt“, stellte Krischer-Schnückel die Berichterstattung vom Donnerstag richtig. Zunächst müsse aber die Winterware verkauft werden. 

Auf jeden Fall bis Ende Juni

Das Kaufhaus soll unter allen Umständen bis Ende Juni betrieben werden. Ebener: „Das soll ja kein Geisterhaus werden, ganz im Gegenteil.“

Erwin Pfeifer, der im Obergeschoss des WK Warenhauses seit 33 Jahren Dienstleistungen rund um Schlüssel und Schuhe anbietet, bedauert die Schließung „vor allem für die jungen Mitarbeiter“, wie er sagt. Für ihn selbst sei der Schritt nicht so tragisch: „Ich hätte am Jahresende sowieso aufgehört, jetzt gehe ich eben ein halbes Jahr eher in Rente.“ Von der Kaufhaus-Schließung betroffen ist auch die Filiale der Mühlenbäckerei Vielhaber. „Wir würden schon gerne in Werdohl bleiben“, sagte Inhaber Eberhard Vielhaber, der auch erst am Mittwochabend von der Schließung erfahren hatte. Er suche nun nach alternativen Räumen für Bäckereifiliale und Café.

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