Schließung am 30. Juni

Eckpfeiler des Einzelhandels einer Stadt im MK bricht weg

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Das WK Warenhaus in Werdohl schließt am 30. Juni für immer seine Türen.

Werdohl - Nach 43 Jahren und neun Monaten endet am 30. Juni eine Werdohler Erfolgsgeschichte: Das WK Warenhaus, das über Jahrzehnte ein Eckpfeiler des Werdohler Einzelhandels und ein Kundenmagnet für die Innenstadt gewesen ist, schließt. Wirtschaftliche Gründe waren ausschlaggebend für diese Entscheidung. Wie es mit der Immobilie weitergeht, ist offen. Immerhin: Von den knapp 90 Mitarbeitern haben viele bereits einen neuen Job gefunden.

Hinter vorgehaltener Hand machte an diesem Mittwoch im Januar ein Gerücht die Runde in der Stadt: Das WK soll geschlossen werden. Aus dem Gerücht wurde am Abend des 29. Januar Gewissheit: In einer Betriebsversammlung teilte die geschäftsführende Gesellschafterin Silke Krischer-Schnückel den knapp 90 Beschäftigten mit, dass es für das Kaufhaus im Herzen Werdohls keine Zukunft geben wird, dass es zum 30. Juni geschlossen werden soll.

Die Nachricht traf die Belegschaft wie der Blitz aus heiterem Himmel. Damit hatte trotz der sich verbreitenden Gerüchte niemand gerechnet, vielleicht hatten es die Betroffenen auch einfach nicht wahrhaben wollen. Tränen flossen.

Der wachsende digitale Handel und der damit verbundene Frequenzverlust sei die Hauptursache für die bevorstehende Schließung gewesen, begründete Krischer-Schnückel die Entscheidung. Auch die Monate andauernden Bauarbeiten auf dem Brüninghaus-Platz hätten das Geschäft erheblich beeinträchtigt. Das Haus habe nicht mehr wirtschaftlich weitergeführt werden können.

Wie geht es weiter?

Wie es nun nach der Schließung mit der Immobilie weitergeht, ist nach wie vor offen. Krischer-Schnückel betonte bereits mehrfach, dass das vorrangige Ziel ein Verkauf sei. Die Besitzgesellschaft Schnückel-Wittke-Spieler UG & Co. KG, der das Kaufhaus gehört, habe verschiedene Kanäle genutzt, um mögliche Interessenten auf die Immobilie aufmerksam zu machen. Durchschlagenden Erfolg hatte das bislang nicht. „Wir sind in Gesprächen, können aber noch nichts Konkretes sagen“, teilte Krischer-Schnückel in der vergangenen Woche mit.

Ein Drohnenflug über das WK-Warenhaus

Zu den Interessenten gehörte auch der Werdohler Immobilienmakler Harun Cici. Der hatte schon im Februar öffentlich Kaufinteresse bekundet und seine Vorstellungen von einer zukünftigen Nutzung des Kaufhauses in dieser Zeitung vorgestellt. Zu konkreten Kaufverhandlungen ist es nach Informationen der Redaktion aber bis jetzt nicht gekommen.

Werden sich die Werdohler also an den Anbick von „toten“ Schaufenstern gewöhnen müssen? Nicht, wenn es nach Silke Krischer-Schnückel geht. Für die Schaufenster werde nach einer Lösung gesucht, um sie nicht einfach zukleben zu müssen, sagte sie. Vielleicht könnten Werdohler Künstler ausstellen, nannte sie eine Möglichkeit für eine vorübergehende Nutzung.

Was wird aus den Parkplätzen?

Wegfallen wird zumindest ein Teil der Parkplätze, die das WK seinen Kunden bislang kostenlos angeboten hat. „Die Tiefgarage werden wir wohl schließen, auch aus versicherungstechnischen Gründen. Was die Nutzung des Parkplatzes angeht, stehen wir in Gesprächen mit der Stadt Werdohl“, berichtete Krischer-Schnückel auf Nachfrage.

Die Stadt ihrerseits, das wurde in der vergangenen Woche während der Ratssitzung deutlich, hat kein Interesse daran, dass auf dem WK-Gelände kostenlose Parkplätze zur Verfügung gestellt werden, während für andere, öffentliche Parkplätze in der Innenstadt Gebühren erhoben werden. Das klingt nicht unbedingt so, als könne es kurzfristige eine Einigung geben.

Wieviele werden arbeitslos?

Zumindest ein Teil der WK-Belegschaft hat mittlerweile eine Lösung auf dem Arbeitsmarkt gefunden. „Derzeit ist noch etwa die Hälfte der ursprünglich 88 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei uns gemeldet und sucht noch eine neue Beschäftigung“, teilte Carina Bauer, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, auf Nachfrage mit.

Sie schilderte auch die Probleme, die es bei der Vermittlungen einiger Mtarbeiter in neue Arbeitsstellen gibt. „Ein großer Anteil war in Teilzeit beschäftigt, so dass die Vermittlungsbemühungen der Einzelnen dadurch nochmal zusätzlich einschränkt sind. Wir stehen in engem Kontakt und versuchen gemeinsam, individuelle Lösungen zu finden.“ 

Fotos aus fast 44 Jahren WK:

Fast 44 Jahre Einzelhandelstradition in Werdohl: Das WK Warenhaus

Die aktuellen Umstände machten es allerdings für alle Betroffenen eher schwierig, einen neuen Job zu finden, auch wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften immer wieder ein wenig in Fahrt komme. Der derzeitige Stellenbestand der Arbeitsagentur biete weiterhin Chancen, eine neue Beschäftigung zu finden, versicherte Bauer: „Aus nahezu allen Bereichen liegen noch offene Stellen vor.“

Ein weiterer Grund für die Probleme bei der Vermittlung der (ehemaligen) WK-Mitarbeiter sei die derzeitig aufgrund des Coronavirus eingeschränkte Möglichkeit von Qualifizierungsmaßnahmen. Bauer: „Während der Anpassungsarbeit der Qualifizierungsmaßnahmen an die Regeln des Gesundheitsschutzes in den vergangenen Monaten konnten weniger Teilnehmer vermittelt werden.“

Geschäftsführer arbeitet weiter

Peter Ebener, der in dem Kaufhaus seine Berufsausbildung absolviert hat, dann Teamleiter und schließlich Geschäftsführer wurde, wird (vorerst) nicht arbeitslos. Er werde wohl noch bis Ende September für das WK Warenhaus arbeiten, verbliebene Waren ausräumen, Abschlussrechnungen begleichen, letzte Buchhaltungsarbeiten erledigen und schließlich das Gebäude abschließen, sagte er. Dann ist Werdohls größtes Warenhaus endgültig Geschichte.

Was sagt der langjährige Chef?

Ebeners Vorgänger Manfred Beiske, der von Oktober 1976 bis Februar 2015 WK-Geschäftsführer war, hat kürzlich noch einmal vorbeigeschaut und dabei auch das eine oder persönliche Wort mit ehemaligen Mitarbeitern und Kollegen gewechselt. „Das geht mir nahe“, sagte er. Mittlerweile etwas mehr als 70 Jahre alt – sein genaues Alter verschweigt er gerne – lebt Beiske im Raum München, verfolgt das Geschehen in Werdohl aber nach wie vor genau. „Was ich da gesehen habe, diese Reste von dem einstmals stolzen Kaufhaus, das hat mir schon wehgetan“, gibt er nach einer Stippvisite im WK zu.

Vielfältige Gründe für Niedergang

Über die Gründe für den Niedergang hat sich der Diplom-Betriebswirt Beiske so seine Gedanken gemacht. „Es war bestimmt nicht nur der Online-Handel“, ist er sicher. „Es war auch die Ansiedlung von Lidl und Edeka und nicht zuletzt die Neueröffnung in Plettenberg“, blickt er auch in die Werdohler Nachbarschaft, ohne allerdings den dort eröffneten Modepark Röther beim Namen zu nennen.

Reste-Rampe mit Symbolcharakter: Einige Tage vor der Schließung bot das WK Warenhaus ausrangierte Schaufensterpuppen zum Kauf an.

Insbesondere vor dem großen Edeka-Center im Werdohler Bahnhofsviertel hatte Beiske die Politiker damals gewarnt, jetzt fühlt er sich bestätigt: „Man muss ja kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass die Bedingungen schlechter geworden sind. Wachsende Verkaufsflächen und sinkende Bevölkerungszahlen – das passt doch nicht zusammen!“ Von der Politik, nicht nur von der Lokalpolitik, müsse ein generelles Umdenken eingefordert werden, um ein Ausbluten der Innenstädte zu verhindern, ist Beiske überzeugt.

Beiske sieht Objekt gut positioniert

Was die zukünftige Nutzung der WK-Immobilie angeht, sieht Manfred Beiske gar nicht einmal so schwarz. „Das Objekt ist in seinem Umfeld eigentlich gut positioniert“, sagt er mit Verweis auf ausreichend vorhandene Parkplätze und einen attraktiven Standort am Rande des Brüninghaus-Platzes. Positiv sei zudem, dass WK-Gesellschafterin Silke Krischer-Schnückel offenbar Gespräche mit Interessenten führe.

Gut findet Manfred Beiske auch, dass sich die Bäckerei Vielhaber, die seit fast 33 Jahren eine Filiale im WK unterhalten hat, schnell neu orientiert hat. Firmenchef Eberhard Vielhaber hatte schon kurz nach Bekanntgabe der WK-Schließung Ende Januar betont, gerne in Werdohl bleiben und nach einem alternativen Standort suchen zu wollen.

Bereicherung für Brüninghaus-Platz

Neue Geschäftsräume fand Vielhaber schließlich ganz in der Nähe, im ehemaligen Quick-Schuh-Laden, der auch zum WK gehörte. Dort wird seit ein paar Wochen umgebaut, schon am 2. Juli soll die neue Bäckerei-Filiale mit Café und Außengastronomie eröffnen. „Das wird dem Brüninghaus-Platz guttun“, ist Ex-WK-Chef Beiske überzeugt.

Vielleicht ist das ein erster Schritt auf dem Weg in eine neue Zukunft des Werdohler Einzelhandels. „Ich hoffe, dass sich Chancen auftun, die zu einer Weiterentwicklung des Hauses, der Stadt und der Region führen werden“, drückt zumindest Manfred Beiske Werdohl aus der Ferne die Daumen.

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