Schließung verschiebt sich

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Der ThyssenKrupp Bilstein-Standort Werdohl, der bei einer Demo im April symbolisch zu Grabe getragen wurde, wird – zumindest zum Teil – länger erhalten bleiben, als zunächst angekündigt; voraussichtlich bis Juni. ▪

WERDOHL ▪ Das bisherige Schließungsszenario für den ThyssenKrupp Bilstein-Standort Werdohl sah zumindest bis zum Montag so aus, dass die Produktion von Schraubenfedern Ende Februar 2011 auslaufen, die Maschinen bis Ende Mai abgebaut und die Hallen dann „besenrein“ übergeben werden sollten. Vorgestern jedoch hatte TKB-Arbeitsdirektor Gerd Kappelhoff den Betriebsrat darüber informiert, dass der Schließungstermin „so nicht zu halten“ sei.

Zwar bleibe es dabei, dass die Produktionsstraße zwei voraussichtlich im Februar ihren Betrieb einstellt, doch Straße eins werde bis Ende Juni weiter produzieren, so dass der Abbau der Maschinen dort erst Ende September vollzogen werde. Hintergrund: Der Abruf von Schraubenfedern hat sich seit dem Sommer mehr als rasant erhöht; die TKB-Belegschaft in Werdohl fährt regelmäßig auch Schichten am Wochenende. Die Auftragbücher sind „randvoll“.

Darüber ist die Belegschaft am Dienstag durch den Betriebsrat informiert worden; und auch darüber, dass möglichst kein Mitarbeiter frühzeitig gehen solle. Da aber etwa die Hälfte der 108 von der Schließung betroffenen Mitarbeiter inzwischen andere Jobs gefunden,  ernsthaft in Aussicht haben oder anderweitig versorgt sind, bleibe offen, wie viele Leute für die Produktion auf der Straße zwei noch bleiben, so Betriebsratsvorsitzender Udo Böhme in einem Pressegespräch. Immerhin gebe es auch bei den noch nicht vermittelten Kollegen einige, „die noch Bewerbungen laufen haben“.

Der Konzern könne vermutlich froh sein, wenn die Produktion bis Juni dreischichtig laufen kann, denn nach Einschätzung des Betriebsrates seien dafür rund 50 Leute nötig. Fehlende Kräfte könnten von TKB durch Leiharbeiter ersetzt werden.

Unter Berücksichtigung der nunmehr bestehenden Entwicklung stellt sich nicht nur beim Betriebsrat die Frage, ob bei gleichbleibender Nachfrage eine Schließung des Standortes weiter Sinn mache. Der Konzern, so stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Michael Daub, wäre besser beraten gewesen, „die Millionen Euro in den Standort zu investieren, statt sie für die Schließung auszugeben“. Er, wie auch sein Kollege Udo Böhme zeigte sich jedoch überzeugt, dass die Geschäftsführung bzw. der Vorstand von der Entscheidung im April nicht abweichen werde.

Deshalb bleibe die Hauptforderung „aus Arbeit in Arbeit“ bestehen, wobei darauf geachtet werde, dass die Inhalte der „Werdohler Erklärung“ auch von ThyssenKrupp ernst genommen werden.

Zudem soll bei Gesprächen im Januar, so Udo Böhme, über „Anpassungen“ bestehender Vereinbarungen geredet werden. In jedem Fall habe man Zeit gewonnen, für die derzeit noch unversorgten Kollegen Jobs zu finden. ▪

-ka

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