Emotionale Gespräche und viele gute Wünsche

Kunden und Mitarbeiter nehmen Abschied vom WK Warenhaus

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Der Großteil der Regale ist leer, Möbelstücke werden von A nach B gefahren. Dass das WK kurz vor der Schließung stand, war am Dienstag schwer zu übersehen.

Werdohl - „Alles Gute für Sie, Herr Ebener.“ Mit diesen Worten verabschiedeten sich am Dienstag viele Kunden vom Noch-Geschäftsführer des WK Warenhauses. Nach knapp 44 Jahren geben die Inhaber das Kaufhaus auf. Ein Drama für die Werdohler.

Nach knapp 44 Jahren sahen die Inhaber wirtschaftlich keine Zukunft für das Kaufhaus und gaben es auf. Für die Werdohler bricht damit ein bis dato stabiles Fundament des Einzelhandels weg. Dementsprechend traurig war die Stimmung in den fast menschenleeren Verkaufsräumen gestern beim allerletzten Öffnungstag.

Zahlreiche Schilder weisen auf die Geschäftsaufgabe hin. In der finalen Phase des Ausverkaufs gab es 80 Prozent Rabatt auf alles.

Leere Verkaufsständer, abgesperrte Bereiche, unzählige Schilder mit der Aufschrift „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe – 80 Prozent Rabatt auf alles“ – dass das Kaufhaus für immer schließt, war kaum zu übersehen. Schon gar nicht, wenn man in die traurigen Mienen der Kunden und Mitarbeiterinnen blickte. „Wo soll man denn jetzt einkaufen?“, war eine Frage, die durchaus mehrfach durch das Untergeschoss hallte.

Die obere Etage, in der bis vor einem Monat die Lebensmittelabteilung war, ist seit Wochen dicht. Die Bäckerei Vielhaber, die Treffpunkt für viele Gäste war, zieht gerade in das ehemalige Quick-Schuh-Geschäft am Brüninghaus-Platz um. „Es ist wirklich deprimierend“, sagte Kundin Birgit Klasen, die resigniert eine letzte Runde durch die untere Etage schlenderte. „Um mich zu verabschieden“, erklärte sie merklich traurig.

Manche Bereiche haben die Mitarbeiter in Vorbereitung auf die Schließung bereits mit Flatterband abgesperrt. Ab dem 1. Juli bleiben die Türen geschlossen.

Als „Ur-Werdohlerin“ habe sie den Aufbau des Kaufhauses sowie mehrere Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen miterlebt. Sie sei immer gerne dort einkaufen gegangen. Nicht zuletzt deshalb, weil das WK bis zum Schluss eine große Produktpalette anbot. Sie sei häufig fündig geworden und habe nicht die Fahrt nach Lüdenscheid oder in andere Nachbarstädte auf sich nehmen müssen.

Von der großen Produktpalette war gestern fast nichts mehr übrig. Nur Schreibwaren, Dekoartikel und vereinzelte Kleidungsstücke konnte man noch bekommen. Eine bedrückende Atmosphäre.

Für Hans Conredel war die Geschäftsaufgabe nur eine Frage der Zeit. „Das Internet macht die lokalen Einzelhändler nach und nach kaputt – und das wird noch schlimmer. Mir wird das WK fehlen“, sagte er. Gleichzeitig fasste er sich sprichwörtlich an die eigene Nase: „Auch ich habe hier wahrscheinlich zu selten eingekauft.“

Regina Mintenbeck, die ebenfalls noch ein letztes Mal das WK besuchte, fiel der Anblick nicht leicht: „Wir haben hier immer gerne eingekauft, vor allem oben in der Lebensmittelabteilung. Das WK war immer unser erstes Anlaufziel. Hier kriegte man alles, es war alles unter einem Dach. Das war einfach schön.“

Von Beginn an – also seit fast 44 Jahren – sei sie dem WK treue Kundin gewesen und werde es schmerzlich vermissen. Für ältere Menschen werde das WK gleichzeitig als Treffpunkt fehlen, ebenso das Angebot an Lebensmitteln und relevanten Artikeln. Gerade der Lieferdienst sei für nicht-mobile Senioren eine wichtige Stütze gewesen, macht Verkäuferin Britta Appel aufmerksam. Flexibilität habe dabei immer einen hohen Stellenwert gehabt.

Fast 44 Jahre Einzelhandelstradition in Werdohl: Das WK Warenhaus

„Wenn ältere Leute angerufen haben, die eine Essenslieferung bestellten und danach fragten, ob man ihnen ein T-Shirt oder eine Hose mitbringen könne, war das nie ein Problem“, sagte Appel. Die Senioren müssten sich nun umstellen. Appel selbst werde das Miteinander am allermeisten fehlen, betonte sie – unter den Angestellten, den vielen Kunden und Stammkunden.

„Wir waren ein sehr nettes Team hier und die Beratung hat einfach Spaß gemacht. So viele tolle Kollegen hat man selten, und das werden wir wahrscheinlich in keinem anderen Job wieder bekommen. Im Haus wurde immer ein gewisser Stil gehalten“, bedauert die Verkäuferin.

Schon am Dienstagmorgen war der Eingangsbereich des WK verwaist.

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, scheint noch niemand genau zu wissen. Bürgermeisterin Silvia Voßloh teilte per Facebook mit: „Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten daran mitwirken, dass das Gebäude nicht leersteht, sondern der Brüninghaus-Platz das Zentrum Werdohls bleibt. Aber das liegt in der Zukunft.“

Abschied vom WK: Der letzte Einkauf

43 Jahre und 9 Monate war das WK Warenhaus in Werdohl Anlauf- und Treffpunkt für viele Bürger. Das markante Gebäude prägt das Stadtbild. Nun aber heißt es Abschied nehmen: Von der Belegschaft und auch vom Großteil des Warenhauses. Wie behalten Sie das WK in Erinnerung? Was war Ihr letzter Einkauf dort? Posten Sie dazu gerne ein Foto und/oder einen kurzen Text auf der Facebook-Seite des Süderländer Volksfreundes.

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