Schlesier legen Kranz zum Gedenken nieder

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Elisabeth Jährlich und Alfred Böhmelt legten im Namen der Heimatfreunde Schlesien einen Kranz am Mahnmal nieder.

Werdohl - Einst standen zahlreiche Menschen vor dem Mahnmal auf der Funkenburg. Knapp 100 Schlesier gedachten dort früher einen Tag vor dem Volkstrauertag der Vertriebenen. Mittlerweile sieht das ganz anders aus. Nur noch knapp ein Dutzend Mitglieder kam am Samstag zu der Gedenkveranstaltung.

Die im Übrigen auch nicht mehr auf der Funkenburg stattfindet, sondern mittlerweile auf dem Friedrich-Keßler-Platz in der Innenstadt. Und die Schlesier sind auch nicht mehr in einer Landsmannschaft organisiert, sondern ein loser Zusammenschluss, der sich Heimatfreude Schlesien nennt.

„Wir werden immer älter. Nachwuchs gibt es nicht“, sagte Alfred Böhmelt. Als das Mahnmal auf der Funkenburg vor knapp zehn Jahren durch Vandalismus völlig zerstört wurde, entschieden sich die Mitglieder, ein neues zu errichten. Allerdings in der Stadtmitte. Denn schon damals waren nicht mehr alle gut zu Fuß. „Hier haben einmal Angehörige von sechs Landmannschaften eine zweite Heimat gefunden, deren wichtigstes Anliegen es war, den Opfern von Flucht und Vertreibung eine Gedenkstätte zu schaffen, um auch mahnen zu können“, erklärte Böhmelt in seiner Ansprache auf dem Keßler-Platz.

Er erinnerte sich an den 19. Juli 1944: „Ein Trommelfeuer der Russen jagte uns in den Wald. Da passierte es. Eine Granate schlug ein, riss mich zu Boden. Ich war verletzt. Mein Kamerad neben mir verlor dabei sein Leben.“

Auch die Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 kann er nicht vergessen. Dabei starb seine Freundin, die er Wochen zuvor beim Ersatztruppenteil in Chemnitz kennen und lieben gelernt habe. „Ich kann auch nicht begreifen, dass ich unseren Nachbarn nicht wiedersehen durfte.“

Natürlich seien dies Einzelschicksale. Aber sie zeigten, wie wichtig das Mahnen und Erinnern sei. „Mit gemischten Gefühlen schaue ich in die Runde. Wo ist die jüngere Generation? Wer wird uns ablösen als Mahner?“, fragte Böhmelt nachdenklich.

Von Lydia Machelett

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