Schimmel-Berater Michael Lücker wird immer weniger nachgefragt

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Michael Lücker, Umweltberater der Verbraucherzentrale, informierte in der Stadtbücherei über Vorsorge gegen Schimmel.

Werdohl - Schimmel in der Wohnung ist ein sehr unangenehmes Problem. Immer weniger Menschen kümmerten sich darum – diese Erfahrung macht zumindest Michael Lücker, Umweltberater der Verbraucherzentrale Lüdenscheid.

Seit beinahe 25 Jahren ist er im Beruf. Zu seinen Sprechstunden – wie am Samstag in der Werdohler Stadtbücherei – kämen aber immer weniger Ratsuchende. 

Herr Lücker, heißt das, dass das Problem seltener auftritt? 

Lücker: Im Gegenteil. Bei der Schimmelvermeidung geht es stets um das richtige Verhältnis zwischen menschlichem Verhalten und der Bausubstanz. Die Häuser – die Wände, die Fenster – sind heute viel dichter als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Menschen aber vergessen das Lüften immer mehr. 

Warum?

Lücker: Einerseits leben wir in einer Konsumgesellschaft. Die Menschen sind mehr damit beschäftigt, Geld zu verdienen, als damit, zu leben. Zum Zweiten leben sie mehr im Virtuellen als im Realen. Und schließlich sind ihre Fensterbänke zugestellt mit Pröll und Kram. All diese Dekorationen machen es unmöglich, das Fenster zu öffnen.

Wie lüftet man richtig?

Lücker: Nur die Kombination von Lüften und Heizen verhindert Schimmel. Auf jeden Fall lüftet man nicht richtig, indem man die Fenster kippt. Optimal ist Durchzug. Und das drei Mal täglich, jeweils für fünf Minuten. 

Reicht es nicht, wenn man morgens lüftet? 

Lücker: Allein im Schlaf setzen sie durchs Schwitzen unter der Bettdecke einen Liter Feuchtigkeit frei. Aber auch im Laufe des Tages immer wieder: Sie duschen, sie kochen, sie waschen sich die Hände, sie waschen die Wäsche... 

Und wenn man einmal für eine halbe Stunde lüftet? 

Lücker: Das ist viel zu lange. Dann kühlt der Putz in den Wänden stark ab. Das heißt: Die Feuchtigkeit bleibt in den Wänden und der Schimmel wird sogar begünstigt. Und im Sommer ist die Außenluft aufgrund der Temperaturen voller Feuchtigkeit. Die holen Sie sich durch zu ausgiebiges Lüften ja erst ins Haus. 

Welche Temperaturen sind die richtigen für Wohnräume?

Lücker: Wenigstens sollten Sie 18 Grad in der Wohnung haben. Nach oben hin gibt es da nur die Grenze, die Ihnen Ihr Geschmack und Ihr Geldbeutel setzt. 

Gibt es noch einen Tipp, um Schimmel von vornherein zu vermeiden? 

Lücker: Stellen Sie Möbel nie direkt an Außenwände. Auch der Abstand, den eine Fußleiste erzeugt, reicht nicht aus. Zwischen den Möbeln und der Wand sollten immer mindestens zehn Zentimeter Platz sein, damit die Luft dort zirkulieren kann, sonst wird Feuchtigkeit hinter der Schrankwand oder dem Sofa gefangen gehalten. Ist der Schimmel erst einmal drin, können sie Polstermöbel oder Schränke aus Spanholz schlicht und einfach nur noch wegwerfen.

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