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Schießender Bräutigam fühlt sich im Recht

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Von: Markus Wilczek

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Mit einer Schreckschusswaffe gab ein Bräutigam bei seiner Hochzeitfeier mehrere Freudenschüsse ab. Dies führte zu einem Einsatz der Polizei.
Mit einer Schreckschusswaffe gab ein Bräutigam bei seiner Hochzeitfeier mehrere Freudenschüsse ab. Dies führte zu einem Einsatz der Polizei. © Oliver Killig/dpa

Der Bräutigam einer Hochzeit in Werdohl fühlt sich von der Polizei zu Unrecht an der Pranger gestellt und kritisiert den Einsatz.

Der Mann hatte am Freitagnachmittag im Bereich der Königsburg auf der Hochzeitsfeier mehrere Freudenschüsse aus einer Schreckschusswaffe abgefeuert.

Ein Zeuge hatte die Schussgeräusche gehört und die Polizei alarmiert. Die eingesetzten Beamten entdeckten den Hochzeitskorso im Bereich der Straße An der Vorthbrücke und konnten auch die Waffe sicherstellen. Nun wird wegen des Anfangsverdachts einer Straftat nach dem Waffengesetz gegen den Bräutigam ermittelt.

Im Besitz eines Kleinen Waffenscheins

Der Mann ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. Schriftlich teilte er der Redaktion aus den Flitterwochen heraus mit, dass er im Besitz des Kleinen Waffenscheins und deshalb berechtigt sei, die Schreckschusswaffe zu führen und auf dem eigenen Grundstück auch abzufeuern. Den Waffenschein habe er den Polizisten bei der Kontrolle direkt vorgezeigt. Die Beamten hätten im ersten Augenblick etwas erstaunt reagiert, seien aber freundlich und hilfsbereit geblieben.

Der Mann habe sich dennoch falsch verhalten und eine Ordnungswidrigkeit begangen, erklärte Christof Hüls, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, auf Nachfrage der Redaktion. Denn der Kleine Waffenschein berechtige nur zum Führen einer PTB-Waffe, sagte Hüls. Zu den sogenannten PTB-Waffen gehören Schreckschuss-, Reizstoff und Signalwaffen. Das Schießen mit der Waffe in einem nicht sicheren Bereich erlaube der Kleine Waffenschein ausdrücklich nicht. „Und zu diesem nicht sicheren Bereich gehört zum Beispiel auch der Garten auf dem eigenen Grundstück“, sagte Hüls. Dass es hier zu Missverständnissen bei Besitzern des Kleinen Waffenscheins komme, erlebe die Polizei immer wieder.

Benutzung auch zu Silvester nicht erlaubt

„Übrigens ist es auch an Silvester verboten, PTB-Waffen in einem nicht sicheren Bereich abzufeuern. Auch dann handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die nach dem Waffengesetz mit einer Geldstrafe von bis zu 10 000 Euro belegt werden kann“, ergänzte Hüls in diesem Zusammenhang. Die Möglichkeit, eine PTB-Waffe in nicht sicheren Bereichen zu benutzen, gehe damit auch für Besitzer des Kleinen Waffenscheins gegen Null.

„Was mit einer PTB-Waffe im eigenen Keller passiert, ist den Besitzern selbst überlassen“, erläuterte Hüls, dass die Sache sofort komplett anders aussehe, wenn die Aktion unter freiem Himmel passiert. Einzig in Notsituationen und bei Bedrohungslagen könne es in Einzelfällen legal sein, die PCB-Waffe zu benutzen. Dabei gelte es jedoch auch immer, die Frage der Verhältnismäßigkeit zu bewerten. „Und noch etwas sollte dabei jeder, der im Umgang mit Waffen nicht geübt ist, im Hinterkopf haben: Der Täter kann die Waffe in solchen Fällen schnell mal entwenden, so den Spieß umdrehen und die Waffe gegen das Opfer richten“, sagte Hüls.

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