Schattentheater in Ütterlingsen

Friedrich Raad (rechts) und Wanja Kilber bilden zusammen das „Theater der Dämmerung“, das Märchen, aber auch Balladen, Goethes „Faust“ und „Hesses Siddharta“ als Schattenspiel inszeniert.

Werdohl - Einmal im Jahr spendiert der Förderverein der evangelischen Grundschule Ütterlingsen den Kindern eine außergewöhnliche Kulturveranstaltung. Mittwoch war es ein Schattentheater, das „Theater der Dämmerung“ aus Düsseldorf, das den Kindern mit Hans Christian Andersens Märchen „Die wilden Schwäne“ eine große Freude machte.

Wie so oft im Märchen ist es auch in diesem eine böse Schwiegermutter, die die Handlung in Gang bringt: Nach dem Tod seiner Frau ist der König mit vielen Söhnen und seiner Tochter Elisa allein. Die Frau, die er in dieser Lage heiratet, stellt sich als eine böse Hexe heraus. Sie verwandelt die Söhne in Schwäne, und fortan lastet auf Elisas Schultern die große Aufgabe, ihre Brüder zu erlösen. Davon kann sie nicht einmal der drohende Tod abbringen. Bis auf einen Ärmel stellt Elisa mit schmerzenden und brennenden Händen Nesselhemden aus Brennnesseln her, mit denen sie ihren Brüdern ihre menschliche Gestalt wiedergeben kann. Der Verdacht, sie selber sei wegen ihres merkwürdigen Verhaltens eine böse Hexe, bricht in sich zusammen und Elisas Happyend mit einem jungen König steht nichts mehr im Wege.

Um diese Geschichte auf die Leinwand in der Turnhalle zu bringen, hatten Friedrich Raad und Wanja Kilber ihre sehr ansprechenden Schattenfiguren mitgebracht, die zumeist von Wanja Kilber hergestellt werden. Besonders schön war der Schattenriss von Elisa und den sechs Schwänen, die das Mädchen unter dramatischen Umständen durch die Lüfte an den Ort ihrer Verwandlung in Menschengestalt bringen.

Für die Kinder war das Ganze eine willkommene Abwechslung, auch wenn nicht alle dem Spiel bis zum Ende mit der nötigen Aufmerksamkeit dabei waren. Dass die meisten Kinder jedoch interessiert zugeschaut hatten, zeigten schon ihre Fragen nach dem möglichen Fortgang der Geschichte. Denn deren Ende erklärte zum Beispiel nicht das Schicksale des alten Königs, der das Unglück durch seine unselige Heirat auf den Weg gebracht hatte. Natürlich wollten die Kinder, dass er seine Söhne und die Tochter nach dem glücklichen Ende wiedersah. Besondere Aufmerksamkeit lenkte Friedrich Raad auch auf den einen Flügel, der dem jüngsten Sohn erhalten blieb, weil seine Schwester sein Nesselhemd nicht mehr fertigbekam. War dieser Flügel ein Makel oder vielmehr eine Auszeichnung als ganz besonderer Mensch?, fragte sich der Schattenspieler gemeinsam mit den Kindern. Und das gute Herz des Hundes, das Wanja Kilber besonders herausgestellt hatte, war für die Kinder ein Anlass, ihr eigenes gutes Herz und ihr Mitgefühl mit armen Menschen zu bekunden.

Von Thomas Krumm

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