Das Sauerland-Lied darf nicht fehlen

Reiner Hänsch ist zwar längst kein Sauerländer mehr – er lebt in Norddeutschland – kommt aber mit seinen Büchern „Rotzverdammi“ und jetzt aktuell mit „Die Faxen dicke“ bestens an beim heimischen Publikum. - Fotos: S. Jentzsch

Werdohl - „Jetzt machen wir‘s uns richtig gemütlich“ - ein Versprechen, das Reiner Hänsch am Freitagabend in der Stadtbücherei einhielt. Es gelingt nicht allen Künstlern, von Beginn an eine derart lockere Wohnzimmeratmosphäre zu schaffen. Doch Reiner Hänsch gehört zu diesem Kreis.

Das Publikum wird geduzt und ruft hin und wieder schon mal den ein oder anderen Kommentar in den Raum, auf den der Mann im Rampenlicht gerne eingeht. Gekommen war der gebürtige Iserlohner, der mittlerweile im Norden Deutschlands ein neues Zuhause gefunden hat, um nach „Rotzverdammi“ seinen zweiten Roman zu präsentieren: „Die Faxen dicke“.

„Die Faxen dicke“ schien auch Deutschlands – mittlerweile verstorbener – bekanntester Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zu haben, den Hänsch kurzerhand zur Einleitung seiner Lesung als Gesichtsmaske auferstehen ließ. Mit einer gelungenen Stimmen-Imitation ließ er das Publikum wissen, dass dieses neue Werk von Hänsch „vergeudete Lebenszeit“ wäre. Eine harte Kritik, die das Publikum so im Verlauf des Abends augenscheinlich aber keinesfalls teilen wollte. Es wurde viel gelacht, es gab Szenenapplaus, das Stimmungsbarometer stieg.

„Urlauber sind eine ganz besondere Spezies“, stimmte Hänsch auf seinen Roman ein. Verbrannt, versalbt in alberner Bekleidung kämen sie nach ihrem zwei- bis dreiwöchigen Aufenthalt im Paradies wieder zurück nach Deutschland und klagten bereits am Flughafen „Boah, was ist das kalt bei euch!“ - mit der Betonung auf „euch“. Ob auch seine fiktive Roman-Familie – die Knippschilds – dieses Schicksal teilen werden? Dabei sieht es zunächst gar nicht danach aus, als ob Alex, Steffi und Sohn Max in ihren Traumurlaub aufbrechen könnten. „Alles ausgebucht“, flötet die Töffte-Reisen-Reisebürofachkraft. Doch was haben Knippschilds „für ein verdammtes Glück“, dass die buchungsschnellere Familie in einen Unfall verwickelt wird und die Reise nicht antreten kann. Allerdings wird das Traumziel Ko Samui mit versprochenem Luxusaufenthalt schon am Flughafen zum Desaster: es regnet. Hinzu kommt die Sache mit der Kommunikation – mit der „R“-“L“-Aussprache der Thailänder kreiert Hänsch aus der mitreisenden bayerischen Familie Reichenhaller die „Leichenhalles“ aus den Knippschilds werden die „Nipsis“. Nachdem die sprachlichen Hürden genommen sind, geht‘s nach dem 20-stündigen Tripp endlich ins Paradies Resort Hotel direkt am Strand.

Ein Traum, wenn es nicht regnen würde. Um die miese Stimmung der Urlauber zu heben, kredenzt der thailändische Hotelmanager im perfekten „r“-“l“-vertauschtem Englisch eine Traumschiff-Eisbombe mit Wunderkerzen, „die einschlägt“ – nämlich in die Verdrauungstrakte der Urlauber.

Tags drauf: „Es gibt Verluste. Das Wunder von Ko Samui ist als Seuche eingeschlagen.“ Stöhnen und Klagen dringt aus den Hotelzimmern, über allem schwebt das permanente Rauschen der Toilettenspülungen und allmählich haben alle „die Faxen dicke“ – bis auf das Werdohler Publikum.

Hänschs flotte, heitere Unterhaltung stand für einen gelungenen Abend. Dass der Mitbegründer der Band Zoff nach wie vor auch musikalische Ambitionen hegt und pflegt zeigte sich auch in der Stadtbücherei. Seine Lesepassagen bereicherte er mit selbstgeschriebenen Liedern im „Bao-Tschicki-Bao-Bao“-Rhythmus.

Urlaubshits wie „Das geht vorbei“ oder „Schöne Grüße vom Arsch der Welt“ ertönten aus den Lautsprechern – den Refrain sangen die ersten Zuhörer bereits am Freitagabend schon mit. Zum großen Finale jedoch stimmten dann alle lautstark in das wohl bekannteste aller Hänsch-Lieder mit ein: „Sauerland“.

Von Susanne Jentzsch

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