Salz das Maß aller Dinge

Selbst Heiligabend war Christian Crone vor der Friedenskirche im Einsatz, um Schnee zu räumen.

WERDOHL ▪ Wer kein Streusalz hat, bekommt beim Winterdienst selbst Probleme. Die Räumfahrzeuge schaffen es längst nicht mehr, alle steilen Strecken im Werdohler Stadtgebiet von Schnee und Matsch frei zu schieben. Das ist in der Zusammenfassung die Aussage der Bauhof-Leiterin Ingeborg Kurlandt. Eben wegen dieser Situation hofft sie bei den Bürgern auf Verständnis: „Wir können es nicht ändern und räumen, so gut es geht“.

Nach wie vor ist es um den Salznachschub schlecht bestellt. „Wir, die Kommunen, sind die letzten in der Kette, die etwas bekommen“, beklagt sich Kurlandt. Versorgt werden vorrangig die Landesbetriebe und Straßenmeistereien für den Einsatz auf den Autobahnen sowie Bundes- und Landstraßen. „Wir bekommen, was übrig bleibt, wenn etwas übrig bleibt“. Noch in dieser Woche, so Ingeborg Kurlandt, soll eigentlich eine Salzlieferung kommen. Ob das wirklich der Fall sein wird, werde man sehen, wenn das Material da sei. Optimismus hört sich da ganz anders an.

Granulat steht dem Bauhof jetzt offenbar in ausreichendem Maße zur Verfügung, „aber das wirkt zur Abstumpfung der Straßen nur, wenn es geschneit hat“. Bei Eis oder Eisregen „bringt das nichts, denn die Eiskristalle setzen sich sofort um die Körnung“.

Privat, so die Bauhof-Leiterin, habe sie zudem eine Erfahrung gemacht, wie viele andere auch. In den Geschäften geht sogar das  Speisesalz aus, weil viele damit die den Weg oder die Treppen unmittelbar vor ihrer Haustür „würzen“. Dabei habe sie lediglich etwas Salz zum Kochen gebraucht.

Deutlich entspannter, als an der Plettenberger Straße, wird die Räumproblematik bei Christian Crone auf dem Dösseln betrachtet. Er hat sich – neben vielen anderen gewinnbringenden Standbeinen für seinen Hof – einen Winterdienst aufgebaut, wie manche andere Unternehmer auch, die sonst mit Garten- oder Landschaftsbau befasst sind. Christian Crone bedient sowohl private, als auch Industrie-Kunden. Unter anderem sorgt er dafür, dass der Vorplatz der Friedenskirche frei ist und bleibt.

Für die Stadt schiebt er keinen Schnee mehr. 20 Jahre war er zwar in den Werdohler Winterdienst eingebunden, doch unter dem letzten Bürgermeister waren seine Dienste nicht mehr gefragt. Dort war er plötzlich raus aus dem Geschäft – und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern, denn „vom Umfang der Arbeit bin ich ausgereizt“, vor allem bei den Schneemengen, gegen die aktuell gekämpft werden muss.

Ein Salzproblem hat der erfolgreiche Landwirt vom Dösseln freilich nicht. „Wir haben rechtzeitig und vor allem mutiger eingekauft“, begründet Crone seine Situation. Im Moment könne er sich also entspannt zurücklehnen. Wie die Lage sich entwickelt, wenn der Winter aber bleibt, wie er ist, weiß auch Crone nicht.

Zu den privaten Winterdienst-Anbietern gehört auch die Firma Transporte Schlotmann aus Dresel. Gerd Schlotmann: „Wir räumen Parkplätze von Discountern und Firmen“, zum Teil sei er auch für die Stadt Werdohl tätig. Salz hat auch er nicht mehr. „Deshalb habe ich meinen Vertragspartnern empfohlen, ausreichend Granulat zu bunkern“, aber auch hier reichen die Vorräte nicht bis ins Grenzenlose.

Inzwischen, so weiß Gerd Schlotmann, „wird auch schon ganz feiner Split aus dem Steinbruch zur Abstumpfung der Straßen verwendet“. Diese feine Körnung zeige zwar Wirkung, doch es bleibt die Frage, wie es um den Nachschub bestellt sein wird.

Rainer Kanbach

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