Entsetzen auch in Werdohl

Das sagt die heimische Politik zum Wahl-Desaster in Thüringen

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Thomas Kemmerich wurde mit den Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt. Am Donnerstag trat er von diesem Amt wieder zurück.

Werdohl – Detlef Seidel (CDU) und Alexander Lilienbeck (FDP) stehen in Werdohl an der Spitze ihrer Parteien. Wie sie das Handeln ihrer jeweiligen Parteikollegen aus Thüringen bewerten, erklären sie im Interview.

Herr Seidel, Herr Lilienbeck, wie stehen Sie zu der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten? 

Seidel: Das ist eine Katastrophe, denn die Lage war ja eigentlich klar. Wir haben in der CDU die Linie, die ich übrigens voll teile, mit keiner der extremen Parteien zusammenzuarbeiten. Deshalb wurde in Thüringen ja auch kein eigener Kandidat aufgestellt, um genau eben nicht die Stimmen der AfD zu bekommen. 

Lilienbeck: Ich hatte eine schlaflose Nacht. Für mich ist es wie wohl für die meisten Liberalen kaum zu ertragen, dass Herr Kemmerich mit den Stimmen der Faschisten von der AfD gewählt worden ist. Ich hoffe wirklich, dass es überhaupt keine Absprache und Zusammenarbeit mit dieser Partei gab und gibt. Damit könnte ich mich überhaupt nicht identifizieren. 

Was könnten die Konsequenzen dieses Wahlverhaltens sein? 

Seidel: Es war von der FDP nicht sinnvoll, für den dritten Wahlgang überhaupt einen Kandidaten aufzustellen. Gleichwohl hätte Herr Kemmerich auch noch die Möglichkeit gehabt, die Wahl direkt abzulehnen und nicht erst mit 24 Stunden Verspätung zurückzutreten. Vielleicht steckt in diesem Dilemma jetzt aber zumindest die Chance, dass die demokratischen Parteien den Schulterschluss üben und erkennen, dass sie gemeinsam arbeiten müssen, um Extrempositionen künftig auszuschließen. 

Lilienbeck: Alle Demokraten sollten künftig ganz eng zusammenstehen, damit wir nicht noch einmal in diese Situation kommen, keine Mehrheit aus den Parteien der politischen Mitte bilden zu können, denn auch für alle möglichen anderen Regierungskonstellationen hat es ja nicht gereicht. 

Wie sollte es nun in Thüringen weitergehen? 

Seidel: Neuwahlen wären auch für mich die beste Option, wenngleich diese speziell für die FDP katastrophale Folgen haben könnten, nachdem der Einzug in den Landtag schon jetzt nur ganz knapp geschafft wurde. Solche Aktionen könnten leider auch dazu führen, dass die Wahlergebnisse der AfD hier in der Region besser werden, weil die Unterstützer aus der Deckung kommen. Schon bei der Europawahl 2019 waren die Ergebnisse in einigen Werdohler Wahlkreisen ja erschreckend hoch. 

Lilienbeck: Von Seiten der Grünen und SPD wurde schon vor Kemmerichs Rücktritt ganz klar gemacht, dass es mit diesem Ministerpräsidenten keine Zusammenarbeit geben wird, deshalb läuft es jetzt wohl auf Neuwahlen hinaus. Ich bin heilfroh, dass wir in Werdohl bürgerliche Mehrheiten haben. Doch darauf dürfen wir uns keinesfalls ausruhen. Das dies so bleibt, ist auch eine Frage, wie wir in der Politik miteinander umgehen, aber vor allem auch, wie ernst wir den Bürger und dessen Probleme nehmen.

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