„Die Zeit war längst reif für Nora“

Sängerin Heike Reininghaus hat eine ganz besondere CD veröffentlicht

Heike Reininghaus hat mit ihrer Band nach vierjähriger Pause eine neue Single veröffentlicht, die bereits als Download im Netz erhältlich ist.
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Heike Reininghaus hat mit ihrer Band nach vierjähriger Pause eine neue Single veröffentlicht, die bereits als Download im Netz erhältlich ist.

Mit ihrer ersten CD-Veröffentlichung seit vier Jahren kehrt die Werdohler Sängerin Heike Reininghaus jetzt zurück. Die CD-Single „Nora“ enthält das gleichnamige Lied in drei Versionen.

Entstanden ist ein Stück in der Tradition von Sängerinnen mit großer Stimme wie Anne Haigis. Der Song beginnt mit den Klängen von hochhackigen Schuhen, die über einen Boden schreiten – selbstbewusst und zielgerichtet.

Der folgende Liedtext jedoch beschreibt, dass das Ziel Noras keineswegs immer so klar war, dass Bewusstsein einst bloß diffus erahnbar. „Du warst namenlos und wurdest nie gesehen“, heißt es da an einer Stelle und „Hast viel an Dir entdeckt, bis Du Dich fandest“ an einer anderen.

Ein Zweigespräch „von Frau zu Frau“

„Nora“ ist – so wird in diesem Zwiegespräch „von Frau zu Frau“ nach und nach deutlich – eine Transgender-Frau, die ihr persönliches Happy-End schließlich fand. „Das Geträumte wurde wahr“ singt Reininghaus zum Höhepunkt ihrer „Rock-Hymne“, wie sie das Lied selbst bezeichnet. Aufgenommen wurde die neue Reininghaus-Single im Ton-up-Studio in Limburg an der Lahn. Beteiligt waren auch die Band-Mitglieder Siegfried Jendrychowski an der Gitarre, Jürgen Kammer an den Tasteninstrumenten, Dieter Sautier an den Drums und Alex Stams am Bass.

Im SV-Interview mit Michael Koll spricht die Sängerin über die neue Veröffentlichung nach längerer Pause.

Vier Jahre Veröffentlichungspause liegen hinter Ihnen? Wieso haben Sie so lange geschwiegen?
Schweigen ist manchmal Gold, denn in der Zeit der Ruhe kann der Kopf besser kreativ arbeiten. Und natürlich braucht es auch die richtige Inspiration, denn künstlerischer Einfallsreichtum benötigt seine Zeit. Was noch dazu kommt: Gutes kostet auch viel Geld und das musste erst mal vorhanden sein.
Und wieso kehren Sie ausgerechnet jetzt – mitten in der Corona-Pandemie – zurück? Warum mit diesem Stück?
Tja, wenn ich nicht mehr schweige, dann muss es raus! Da kann ich keine Rücksicht auf Pandemien nehmen – tut die nämlich auch nicht. Es musste genau mit diesem Song sein, die Zeit war längst reif für Nora.
Warum ist es kein ganzes Album geworden?
„Nora“ muss für sich alleine stehen. Bei Alben besteht mittlerweile immer das Problem, dass maximal ein Titel Erfolg hat und die anderen zwölf Titel untergehen. Doch was in Zukunft noch kommt, werden wir sehen.
Im Studio hat Uli Pfannmüller an den Reglern gesessen. Wie war die Arbeit mit ihm?
Er hat mit Einfühlungsvermögen und sehr viel Erfahrung, mit Liebe zur Musik und den richtigen Ideen, „Nora“ zu dem gemacht, was man nun auf der CD hören kann. Uli hat folglich nicht nur Regler geschoben, sondern durchaus auch gestalterische, produktive Vorschläge eingebracht.
Heike Reininghaus mit ihrer Band.
Wie lange hat die Arbeit an „Nora“ gedauert? War es – aufgrund des Themas – ein längerer Prozess als bei vorherigen Songs?
Es sind viele Schritte, bis ein Song so ist, wie wir ihn uns vorstellen. Als Band haben rund ein halbes Jahr an der Single gearbeitet, bevor wir im August ins Studio gegangen sind. Die Vorbereitungen des Textes waren besonders intensiv, da Nora mir ihre Geschichte erzählen und ich dann die richtigen Worte finden musste. Ich liebe es immer, wenn die Musik schließlich genau den Text widerspiegelt – die Bedeutung der Worte unterstreicht. Ich habe in meiner Band jedoch genau die richtigen Musiker, damit diese Umsetzung einer Aussage in eine Melodie funktioniert. Nachdem die Aufnahme im Sommer beendet war, hat Corona den Dreh eines Videos dann doch erschwert. Doch im Februar und März ist es uns schließlich gelungen, die Filmaufnahmen für den Clip zu machen.
Ist die im Video zu sehende Person – Felicitas Briore – die echte „Nora“?
Unsere Darstellerin ist nicht die echte „Nora“! Sie war aber von Anfang an meine Wunschkandidatin für diese Rolle. Sie ist in der Szene sehr bekannt und hat Nora sehr ausdrucksstark herüber gebracht.
Können Sie uns etwas mehr über die reale „Nora“ verraten? Und woher kennen Sie sie?
Über meine „Nora“ kann ich nur soviel sagen: Sie ist ein wunderbarer Mensch! Kennengelernt haben wir uns zufällig im Museum ,Transnormal‘ in Frankfurt am Main. Mit der Inhaberin Manuela Mock haben „Nora“ und ich gemeinsam schon so einige Events gemacht. „Nora“ hörte bei unserer ersten Begegnung die Musik von mir und meiner Band und war sofort begeistert. Schließlich fragte sie mich, ob ich für „Nora“ einen Song schreiben könnte – und ich sagte zu.
Wie und in welchem Umfang war „Nora“ an der Entstehung des Stückes beteiligt?
Ich habe mich mit „Nora“ alleine und ganz in Ruhe getroffen und sie hat mir ihre Lebensgeschichte anvertraut. Der daraus entstandene Liedtext ist zwar komplett aus meiner Hand, aber ich habe während des Schreibprozesses immer Rücksprache mit ihr gehalten und sie über jeden Schritt informiert.
Vor 50 Jahren erschien mit „Lola“ von The Kinks bereits ein Song zum Thema Transgender-Personen. Seither ist viel passiert – Stichworte „Ehe für alle“ und das Recht für gleichgeschlechtliche Paare, ein Kind zu adoptieren. Braucht es da also überhaupt noch ein Lied wie „Nora“?
Nachdem ich schon so viele Kommentare zu dem Lied bekommen habe – Feedbacks von mir völlig fremden Menschen, die sich bei mir outen, die weinen, weil sie so dankbar sind, dass ich ihnen mit dem Song eine Stimme gegeben habe – bin ich sicher: Ja, es braucht genau so ein Lied, denn der Weg von Toleranz über Akzeptanz bis hin zur Normalität ist weit.
In Teilen der Bevölkerung ist das Verständnis für Transgender-Personen kaum bis gar nicht vorhanden. Das seien doch bloß Menschen, „die sich nicht für ein Geschlecht entscheiden“ könnten. Das seien „Kranke und Abnormale“. Was sagen Sie denjenigen, die mit solchen Einstellungen auf Sie zukommen?
Also, zunächst einmal möchte ich betonen: Ich möchte mit dem Song niemanden belehren oder bekehren. Menschen sind so unterschiedlich, wie die Steine im Sand. Wenn mir also ein Mensch freundlich und respektvoll gegenübertritt, warum sollte ich ihm nicht das Gleiche zollen? Anders gesagt: Mir ist ein glücklicher Mensch mit weiblicher Seele lieber, als ein unglücklicher Mensch, der abends seine Frau verprügelt.
Wo ist das Video zur Single eigentlich zu sehen?
Zur Zeit ist es auf Facebook unter „Band Reininghaus“ zu sehen und demnächst auch bei Youtube und Instagram unter „Heike Reininghaus“. Mit einigen TV-Sendern sind wir außerdem gerade im Gespräch.
Und wo ist die CD-Single erhältlich und zu welchem Preis?
Den Download gibt es bei Amazon, Deezer, iTunes, Musicload, Napster, Spotify, Google Play. Und als CD gibt es „Nora“ in Kürze bei Amazon für 7,50 Euro pro Stück.
Gibt es bereits Pläne für einen Auftritt Ihrer Band in Werdohl?
Wir kommen gerne!

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